Influencer-Quartett

Das analoge Spiel mit den digitalen Stars

Wer auf Instagram oder TikTok unterwegs ist, kennt Influencer: Personen, die auf sozialen Plattformen viele Menschen mit ihren Beiträgen erreichen. Zwei ehemalige Burger holen die Stars nun mit einem Spiel auch in die analoge Welt. Und haben mal eben Christiano Ronaldo und Justin Bieber für ihre Sache gewonnen.

Von Luisa Hohenbrink
Zwei Beispielkarten mit den Influencern Tess Holliday und Earthing Ed.
Zwei Beispielkarten mit den Influencern Tess Holliday und Earthing Ed. Foto: Patrick Ackmann/Patrick Rometsch

Burg - Patrick Ackmann und Patrick Rometsch haben ein klares Ziel: Mit dem von ihnen entwickeltem „Battle of the Influencer“ wollen sie die Handy-Zeit von Kindern und Jugendlichen verringern – mehr Zeit für die Familie, weniger am Bildschirm. Das Karten-Spiel ist ein Quartett mit Trumpf-Karten. Motive sind weltweit bekannte Influencer, also Personen mit einer hohen Reichweite auf digitalen sozialen Plattformen. Wer die höchste Follower- oder Beitragszahl hat, die meisten Preise gewonnen hat oder am verrücktesten ist gewinnt.

Die beiden Familienväter kennen sich seit Schultagen – gemeinsam haben sie das Burger Roland-Gymnasium besucht, sind zusammen morgens aus Niegripp beziehungsweisen Hohenwarthe nach Burg gefahren. Mittlerweile leben die beiden 36-Jährigen jeweils mit Frau und zwei Töchtern in der Nähe von Darmstadt und Speyer. Mit Beginn der Coronapandemie hatten die beiden Freunde die Idee für ihr Projekt: Sie wollten das Moderne und Digitale mit dem klassisch analogen Spielen verbinden.

Dabei geht es nicht um klassische „Beauty-Influencer“, die Produkte wie Lippenstifte und Haarkuren testen und vermarkten, wie die beiden verraten. Vielmehr werden auch sogenannte  „Sinnfluencer“, wie Tieraktivist Earthling Ed oder Baddie Winkle, mit 92 Jahren eine der ältesten Influencer, zu Spielkarten – Menschen, die etwas bewirken und verändern wollen.

Natürlich dürfen auch Klimaaktivistin Greta Thunberg und Übergrößen-Model Tess Holiday nicht fehlen. „Wir wollen nicht nur die besten klassischen Beauty-Influencer zeigen, sondern die interessantesten, so dass das Spiel auch pädagogisch wertvoll ist“, erzählt Patrick Ackmann.

Denn es stehe nicht nur der Spaß im Vordergrund. Vielmehr sollen Kinder und Jugendliche das Handy auch mal zu Seite legen und das Spiel soll gleichzeitig Generationen zusammenbringen.  So, dass Eltern, Großeltern und Kinder miteinander ins Gespräch kommen, wenn es um die Trendsetter in sozialen Netzwerken geht. „Man merkt als Eltern, dass man soziale Medien nicht verteufeln kann und auch sein Kind nicht abschirmen sollte – so werden sie weniger digital affin, was auch für die Arbeitswelt später wichtig ist, und Angriff für Mobbing bietet. So ein Spiel ist ein Zwischenweg, das Handy auch mal zur Seite zu legen und gleichzeitig etwas zu lernen“,  so Ackmann.

Auch viele Lehrer hätten bereits Interesse an „Battle of the Influencers“ geäußert – als Methode, um Medienpädagogik spielerischer zu gestalten und mit Spaß die Medienkompetenz der Kinder zu stärken.

Getestet wurde das Spiel bereits mit den eigenen Eltern, Nichten und Neffen – und von ihnen als gut befunden. Jetzt sollen die Karten, die aufwendig von der Künstlerin Pitica Isabela alias „Piggysart“ illustriert werden, in den Druck gehen. Über die Crowdfunding-Plattform Kickstarter sammeln die beiden Freunde nun Geld, um die Kosten zu decken. Bis Ende Juni brauchen sie dafür 1700 Euro.

Denn die Beiden sind keine professionellen Spieleentwickler. Patrick Ackmann arbeitet in einer Werbeagentur, Patrick Rometsch ist freiberuflich im Internethandel tätig. Doch das Spiel ist für sie ein Herzensprojekt. „Wir machen das auch für uns, um etwas zu lernen“, so Rometsch.

Nach dem eigentlichen Feierabend und wenn die Kinder im Bett sind, wird nochmal gerne bis spät in die Nacht per Skype und WhatsApp an dem Spiel gearbeitet. Gesehen haben sich die Beiden pandemiebedingt in einem Jahr nur zweimal. 

Unterstützung bei der Entwicklung bekommen Ackmann und Rometsch auch von ehemaligen Mitschülern aus Burg – auch Kontakt zu früheren Lehrern besteht. „Leute von früher melden sich bei uns und sagen:  Wir kennen da noch jemanden, wollt ihr den mit einbringen?“, erzählt Patrick Rometsch. Rund die Hälfte der 30 Influencer stehe bereits fest. So sind die Beiden aus Burg auch mal in Kontakt mit dem Management von Sänger Justin Bieber oder Fußballer Christiano Ronaldo – die beide bereits zugesagt haben. Über Instagram können Fans weitere Influencer vorschlagen und bald sogar über die letzten drei Karten abstimmen.

Ist die Kickstarter-Kampagne erfolgreich, werden zwei Prozent des Gewinns für einen guten Zweck gespendet. Das Geld geht an „return Fachstelle Medien“ aus Hannover, die sowohl Beratung und Therapie bei einer Sucht nach digitalen Medien bei Jugendlichen bietet als auch präventiv und aufklärend arbeitet. „Wir möchten etwas bewirken und dass das Geld an der richtigen Stelle auch ankommt“, so Ackmann.

Noch bis zum 30. Juni können Unterstützer ein Kartendeck für neun Euro kaufen – und bei einer erfolgreichen Kampagne die Karten im September in der Hand halten. 

Ob ein Exemplar auch in ihrer alten Schule in Burg landen wird, wissen die beiden Quartett-Fans noch nicht  - für das Fach Medienkultur wäre das Spiel allemal ein spielerischer Einstieg für die Schülerinnen und Schüler.