Glasfasernetz

Das Recht auf schnelles Internet gilt auch in der Gemeinde Möser

Klaus Haase sorgt sich. Weil es schwierig und für die Anbieter unwirtschaftlich ist, den Ortsteil Waldschänke in Hohenwarthe an das Glasfasernetz anzuschließen, fürchtet er einen Wettbewerbsnachteil für das Hotel Waldschänke, das er gemeinsam mit seiner Frau führt.

Von Anke Reppin
Einige Gebiete in der Gemeinde Möser an das Glasfasernetz anzuschließen, ist für die Anbieter unwirtschaftlich.
Einige Gebiete in der Gemeinde Möser an das Glasfasernetz anzuschließen, ist für die Anbieter unwirtschaftlich. Symbolfoto: dpa

Hohenwarthe - Das Recht auf schnelles Internet sei gesetzlich geregelt, betont Klaus Haase. Erst vor wenigen Tagen hat auch der Bundesrat grünes Licht für eine Änderung des so genannten Telekommunikationsmodernisierungsgesetzes gegeben. Im April war die Novelle vom Bundestag verabschiedet worden. Sie beinhaltet erstmals das Recht eines jeden Haushalts in Deutschland auf einen Breitband-Internetanschluss, also schnelles Internet. Wie schnell „schnelles Internet“ zu sein hat, also um welche Bandbreiten es geht, das ist noch nicht definiert.

Das Gesetz sieht allerdings vor: Wer in ländlichen Gegenden wohnt und bisher nur langsames Internet zur Verfügung hat, der soll sich darüber ab Mitte 2022 bei der Bundesnetzagentur beschweren können. Die Agentur soll die Beschwerde prüfen und gegebenenfalls einen Anbieter mit der Verlegung eines Breitbandzugangs beauftragen. Das Geld dafür soll aus einem Topf fließen, den die Telekommunikationsunternehmen füllen sollen.

Gemeinde zur Waldschänke „im Gespräch“

Er erwarte für die Waldschänke, dass sich die Gemeinde Möser für einen Glasfaseranschluss einsetzt, sagt Klaus Haase. Und das tut sie. Die Gemeinde sei zu dem Sachverhalt aktuell mit dem Anbieter Deutsche Glasfaser im Gespräch, erklärt Gemeindebürgermeister Bernd Köppen (parteilos). Die Erweiterung des Glasfasernetztes auf den Ortsteil Waldschänke mit Hotel, Wohnhäusern und einem kleinen neuen Wohngebiet sei notwendig, sagt er.

Die Firma habe auf die Anfrage der Gemeinde zunächst ablehnend reagiert. Denn die Erschließung des Gebietes erfordert eine Querung des Mittellandkanals. Damit gehe auch ein langer zeitlicher Verwaltungsaufwand einher. Das sei für das Unternehmen nicht wirtschaftlich.

„Aufgrund unserer guten Beziehungen zum Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt habe ich darauf der Deutschen Glasfaser angeboten, diesen Sachverhalt vielleicht recht unkompliziert in Eigenregie der Gemeinde klären zu können, um diesen wichtigen Anschluss für das Gebiet der Waldschänke und das dortige Hotel hinzubekommen“, sagt Bernd Köppen.

Nun befände sich die Gemeinde in den entsprechenden Gesprächen. Er sei „sehr guter Hoffnung“, erklärte der Gemeindebürgermeister.

Stefanie Becker vom Unternehmen Deutsche Glasfaser bestätigt, dass die Kollegen der Bauabteilung diesbezüglich mit der Gemeinde in Kontakt stünden.

Eine Anfrage der Volksstimme an die Mitteldeutsche Kommunikations GmbH (MDDSL) nach etwaigen Plänen zur Erschließung des Gebietes Waldschänke in Hohenwarthe blieb unbeantwortet.

70 Prozent sichern Pietzpuhl den Anschluss

Das Gebiet der Waldschänke in Hohenwarthe ist nicht das einzige für Anbieter von Glasfaseranschlüssen unwirtschaftliche Gebiet in der Gemeinde. Auch andere Bereiche gehören dazu, wie beispielsweise die von der Einwohnerzahl her kleinste Ortschaft Pietzpuhl. Hier leben rund 250 Menschen.

Ortsbürgermeister Sven Reinald hat die Angelegenheit gleich selbst in die Hand genommen. Mit der Deutschen Glasfaser vereinbarte Reinald kurzerhand eine Quote, ab der das Unternehmen bereit ist, den Ort an das Glasfasernetz anzuschließen. Wenn sich 70 Prozent der Pietzpuhler für einen Glasfaseranschluss bei dem Unternehmen entscheiden würden, dann würde die Erschließung erfolgen, lautete die Vereinbarung.

Also zog Sven Reinald mit seinen Ortschaftsräten los, um „für diese Zukunftstechnologie zu werben“, wie er sagt. Mit großem Erfolg: Die 70 Prozent hatten die Ortschaftsräte bald zusammen. Die Zusage des Unternehmens steht.