Burg l "Bulldogge oder Dackel?", fragt Andreas Baron in die Runde. Am Tisch in der kleinen Küche in der Notaufnahme hören ihm sechs Gesundheits- und Krankenschwestern gespannt zu. In seiner Hand: zwei Hundebilder. Um die geht es hier aber eigentlich nicht. Sondern um Präsenz - körperlich, intellektuell und verbal. Ein Dackel ist freundlich, ruhig, eine Bulldogge bestimmt, ohne aggressiv zu wirken. Beide Ansätze sollen den Krankenschwestern die Arbeit erleichtern und vor allem: sicherer machen.

Übergriffe häufen sich

Denn immer häufiger werden die Patienten in der Notaufnahme aggressiv, greifen die Schwestern an - nicht nur verbal. "Besonders am Monatsanfang passiert das teilweise drei bis vier Mal pro Woche", erklärt Gesundheits- und Krankenpflegerin Nancy Grothe. Da hätten viele gerade ihr Geld erhalten, trinken Alkohol, und das mache sich in der Aufnahme bemerkbar. Prügeleien, Angriffe auf Ärzte, sogar Krankenhaus-liegen sind schon geflogen.

"Wenn die Patienten klingeln, wissen wir nie, was hinter der Zimmertür passiert", betont Heidrun Blasche, Leiterin der Notaufnahme. Die Krankenzimmer seien für eventuelle Gefahrensituationen nicht eingerichtet. Um den Patienten optimal versorgen zu können, müssten die Schwestern ans Ende des Zimmers - weit weg von der möglicherweise rettenden Tür.

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Was Körpersprache sagt

Was also tun, wenn in der vollen Notaufnahme ein Patient ausflippt? Mit ein paar Kampfsporttricks den Angreifer außer Gefecht setzen? Nur als allerletzte Option. "Erst einmal das Gespräch suchen", rät Andreas Baron. Der 53-Jährige ist Lehrer, Kampfsportler und organisiert auch Antiaggressionstrainings in Schulen. Er weiß: In vielen Fällen hilft die richtige Körpersprache und Kommunikation, um die Situation zu entspannen. "Eine Möglichkeit wäre auch, im Wartezimmer nach Verbündeten zu suchen, die helfen, den Unruhestifter zu beruhigen", so der Lehrer.

Grundsätzlich helfe es, den Patienten von den anderen zu trennen, damit die Stimmung nicht völlig kippt. "Damit schützen wir aber auch die anderen Patienten", erklärt Baron. An oberster Stelle stehe aber das eigene Wohl. Sein Mantra: Was nicht da ist, kann nicht angegriffen werden. Deshalb zeigt er den Pflegerinnen einfache, wirkungsvolle Griffe, mit denen sie Abstand vom Angreifer gewinnen. "Dreh den Arm mal von mir weg, Ellenbogen nach oben, so als ob du einen Schnaps trinken würdest", weist er Nancy Grothe augenzwinkernd an. Sie lacht. Und bringt Baron im Handumdrehen auf Abstand.

Verteidigung mit dem Besen

Nur - nicht jeder Patient lässt sich davon beeindrucken. Dann tut es auch mal der Besenstiel. "Mit einem ganz normalen Besen vom Discounter kann ich dem Angreifer zwischen die Beine gehen und hochziehen. Oder zwischen die Beine gehen, den Besen drehen und die Beine wegziehen", erklärt der Magdeburger und schwingt den Besen durch die Luft.

Damit es nicht erst so weit kommt, schärft Baron den Blick der Pflegerinnen für die Stimmung einer Situation.

Hilfe zur Selbsthilfe

"Wie ich etwas wahrnehme, hängt immer davon ab, wie ich mich gerade fühle. Hat meine Schicht gerade erst angefangen? Sind es nur noch 18 Minuten bis zum Feierabend? Das muss man alles berücksichtigen."

Bei Nachtschicht und streitlustigen Patienten kann es schwer sein, die Nerven zu behalten. Das weiß auch Heidrun Blasche.

Für die Stationsleiterin ist der Kurs in erster Linie eine wichtige Hilfe zur Selbsthilfe: "Damit wir uns nicht so leicht aus der Reserve locken lassen." Noch lieber wäre ihr aber Wachpersonal in der Notaufnahme. Das hätte die Klinik jedoch aus finanziellen Gründen abgelehnt.