Bei Sonderdeichschau wird über Fehlhöhen, Schäden, neues Bemessungshochwasser und Vorhaben gesprochen

Deichsanierung künftig mit Bermen und Fahrweg

Von Sigrun Tausche

Nach dem verheerenden Hochwasser vom Juni hat der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) Termine für Sonderdeichschauen angesetzt, um über Probleme, Schwerpunkte und Maßnahmen zu sprechen. Die Deiche wurden dabei nur punktuell besichtigt.

Ferchland/Jerichow l Schautermin für die Elbdeiche im gesamten Landkreis war am Montag, wobei die meiste Zeit mit dem Informationsaustausch beim Treffen in der Ferchländer Gaststätte "Elbestrand" verbracht wurde. Flussbereichsleiter Reinhard Kürschner und einige seiner Mitarbeiter konnten mit zahlreichen Fakten zum Hochwasser und zu geplanten Maßnahmen aufwarten, waren auch für jeden Hinweis dankbar.

Kürschner hatte eine lange Liste mit gemeldeten Schäden von Elbkilometer 0 bis 43,5 im Jerichower Land, das heißt von Hohenwarthe bis hinter Jerichow, vorliegen. Bei zahlreichen Schäden handelte es sich um kleinere Sickerstellen und geringere Fehlhöhen, deren Sanierung in der Priorität weit nach hinten rücken wird. Von einigen Fehlhöhen habe man bereits vor dem Juni-Hochwasser gewusst, von anderen nicht. Diese wurden während des Hochwassers sichtbar, teilweise an Stellen, wo bereits Sanierungsmaßnahmen erfolgt sind, zum Beispiel im Bereich Schartau. "Wir müssen nun schauen, wo der Fehler lag", sagte Kürschner. Bei den aktuellen Messungen gebe es immer noch Differenzen an einigen Messstellen, so dass hier erneut Kontrollmessungen erfolgen müssen. Sobald die Höhen genau geprüft sind, werden auch die Kommunen diese Zahlen bekommen, beantwortete Kürschner eine Anfrage des Ihleburger Ortsbürgermeisters Josef Woska.

"Ferchlands Deich ist niedriger als der in Richtung Klietznick."

Walter Henning, Ortsbürgermeister

Ferchlands Ortsbürgermeister Walter Henning fügte dieser Liste noch eine Beobachtung der hiesigen Deichläufer an: Der sanierte Deich in Ferchland sei niedriger als der folgende Bereich Richtung Klietznick. "Das dürfte doch nicht sein!" Immer wieder angesprochen wurde die Festlegung eines neuen Bemessungshochwassers. Die Berechnungen dazu erfolgen bei der Bundesanstalt für Gewässerkunde Koblenz. Dass diese so langwierig sind, liege an der enormen Datenmenge, die einbezogen werden muss, betonte Kürschner und fügte an, dass mit den Deichsanierungsmaßnahmen natürlich nicht gewartet werden könne, bis das Ergebnis vorliegt. Viel wichtiger sei zudem, dass länderübergreifend eine Einigung zu den Deichhöhen erzielt werden müsse.

Seit 2011 werde mit sogenannten "Anschlaglinien" gearbeitet, das heißt, der Wasserstand in Strommitte projiziert auf die Deiche. Der erste Deich nach diesen Linien sei bei Schönhausen saniert worden.

Aber auch dort, wo es Fehlhöhen gibt, seien beim Juni-Hochwasser nicht die Deichhöhen das Problem gewesen, sondern der enorme Wasserdruck, der die Deiche wegen des langgezogenen Scheitels noch zusätzlich belastete. Bei allen künftigen Deichsanierungen und -neubauten sollen deshalb landseitig Bermen errichtet werden. Diese seien ein zusätzlicher Stützkörper, verlängern den Durchtrittsweg von Sickerwasser, und außerdem wird auf ihnen ein erhöhter und deshalb auch Drängewasser-sicherer, asphaltierter Deichverteidigungsweg gebaut, der auch mit Lkw befahrbar ist. Den asphaltierten Kontrollweg auf der Deichkrone werde es trotzdem geben.

Die erste Ausnahme von dieser neuen Regel ist die anstehende Deichsanierung bei Klietznick: Diese Maßnahme war schon vor dem Hochwasser fertig geplant, begründet Kürschner. Hier werde noch ohne Berme gebaut, zumal es neben dem Deich bereits einen asphaltierten Weg gibt. Zwischen diesem und dem Deichfuß wird ein Sickerprisma aus gleichförmigem Kies eingebaut, und wasserseitig wird die Böschung abgeflacht und mit einer Dichtungsschicht versehen. Diese Sanierungsmaßnahme auf etwa 700 Metern Deich soll im Frühjahr beginnen. Die Baufirmen seien bereits gebunden, und eine Zuwegung über einen Feldweg wurde kürzlich befestigt, die archäologischen Untersuchungen im Baufeld sind schon abgeschlossen.

Über die Deichbauvorhaben hinter Jerichow wurde nicht weiter gesprochen. Dazu gab es bereits Termine.