Schartau l Sein Gebiet entlang der Havel und der Elbe reicht von Havelberg bis Hohenwarthe. Der Leiter des Flussbereiches Genthin beim Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt (LHW), so der offizielle Titel von Marco Schirmer, organisiert einmal jährlich so genannte Deichschauen, bei denen jeder einzelne Kilometer der vom Landesbetrieb unterhaltenen Deichabschnitte begutachtet wird. Mängel werden dokumentiert und anschließend beseitigt.

Auf Schäden überprüft

Um die Deiche im Abschnitt zwischen Ihleburg und Hohenwarthe zu begutachten, trafen in Schartau Vertreter des LHW mit Beamten der Wasserschutzpolizei, Ortsbürgermeistern, Vertretern von Gemeindeverwaltungen, vom Landkreis, der Stadt Burg und von für den Deichbau zuständigen Ingenieurbüros zusammen. Bei strömendem Regen teilten sie sich in zwei Gruppen ein, die jeweils zirka zehn Kilometer Deich abliefen. Sie prüften zwischen Ihleburg und Hohenwarthe die Deiche auf Löcher, Radspuren und andere Beschädigungen.

Auch der Zustand der Grasnarben wurde begutachtet. Nach der langen Dürreperiode im Jahr 2018 waren hier zum Teil Nachsaaten notwendig geworden.

„Insgesamt sind die Deiche in einem sehr guten Zustand“, erklärte Flussbereichsleiter Schirmer. Die im vergangenen Jahr bei der Deichschau erstellte Mängelliste sei bereits abgearbeitet worden.

Deich braucht Zeit

Die Liste des Jahres 2019 blieb recht kurz: „Es gibt keine nennenswerten Schäden“, sagte Schirmer im Anschluss an die Deichschau. Die Grasnarbe, insbesondere auf der eher sonnigen Landseite, bleibe weiter etwas problematisch und ein bisschen „Windbruch“, also Äste, müssen bei Hohenwarthe beseitigt werden. Ansonsten müsse man insgesamt einem neuen oder sanierten Deich „auch ein bisschen Zeit geben“ sich zu setzen, so der Flussbereichsleiter.

51 Prozent der Deiche zwischen Ihleburg und Hohenwarthe sind bereits saniert. Weitere rund zehn Kilometer werden bis Ende 2020 fertig gestellt. Das bedeutet, sie werden „auf Höhe gebracht“ und zum Teil werden Deichverteidigungswege angelegt.

Im Bereich Schartau-Blumenthal wird perspektivisch ein Polderdeich errichtet, also ein äußerer Deich im Vorland. Der Deich wird in diesem Abschnitt mit einer Spundwand aufgebaut und mit Sickerschlitzen zur Entlastung versehen.

Vom alten Schleusenkanal bis zur Fährstraße bei Schartau wird der Deich bereits bis Ende dieses Jahres fertig gestellt.

Ab der Schleuse bis zum Kilometer 5,4 fehlt noch nur die Asphaltschicht, dann ist die Maßnahme beendet. Der Abschnitt sei bereits „hochwassersicher“, so Schirmer.

Ende 2020 sollen alle Abschnitte fertig sein

Auch die in der Umsetzung befindlichen Deichbaumaßnahmen bei Parchau werden noch in diesem Jahr beendet.

Den Wassermassen nachgegeben

Im Bereich Niegripp gestalten sich die Baumaßnahmen aufgrund komplizierter Deichverhältnisse und beengter Lage schwierig. Hier waren beim Hochwasser 2013 Böschungen abgerutscht, der Deich brach. Auch ein als zweite Verteidigungslinie geltender Eisenbahndamm gab den Wassermassen nach. Doch auch hier soll bis Ende des Jahres 2020 alles fertig gestellt sein.

Für weitere Abschnitte, unter anderem bei Blumenthal, erfolgen gerade die Ausschreibungen durch den LHW. Außerdem sind Vorbereitungen im Gange, wie die eventuell notwendige Kampfmittelbeseitigung oder die Erfassung des geologischen Aufbaus von Deichen und des Untergrundes. Denn: Die Sanierung von Altdeichen erfordert zuvor genaue Kenntnisse über deren geotechnischen Aufbau.

Die geplante Fertigstellung der Deichsanierungen zwischen Ihleburg und Hohenwarthe bis Ende 2020 sei ein „sportlicher Zeitplan“, aber praktisch umsetzbar, sagte Schirmer. Mehr als 30 Millionen Euro sind seit 2013 in die Sanierung der Deiche im Jerichower Land geflossen. Mehr als 310 Millionen Euro sind es landesweit.

1355 Kilometer insgesamt

Die Hochwasserschutzkonzeption für Sachsen-Anhalt kommt nach Angaben des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums in Magdeburg „planmäßig voran“. Am Ende aller Maßnahmen werden 1355 Kilometer Deich in Sachsen-Anhalt saniert sein.