Eichenprozessionsspinner macht den Waldbesitzern und Forstleuten auch in diesem Jahr große Sorgen

Die Eichen retten, so lange es sie noch gibt

Von Stephen Zechendorf

In den vergangenen zwei Jahren machten der Eichenprozessionsspinner und andere Schädlinge den Eichen in unseren Wäldern schwer zu schaffen. In Möckern haben Experten nun beraten, wie es mit der Bekämpfung weitergehen kann.

Möckern l Es beginnt mit lichten Stellen in der Krone, dann folgt der Kahlfraß. Kleine Raupen und Falter sorgen seit etwa zwei Jahren für ein Eichensterben. Wie in ganz Sachsen-Anhalt stellen auch die Waldbesitzer und die Forstämter im Jerichower Land in ihren Wäldern das Eichensterben fest. Hauptauslöser ist verstärkter Kahlfraß durch die so genannte "Eichenfraßgesellschaft". In dem Begriff sind jene Schädlinge zusammengefasst, die der Eiche stark zusetzen können. Dazu zählen der Eichenprozessionsspinner (EPS) und der Kleine und Große Frostspanner.

Im Gebiet von Sachsen-Anhalt sind nach Angaben des Landeszentrums Wald etwa 4000 Hektar Eichenwald von den Eichenfraßgemeinschaften befallen. Nach Einschätzungen des Vorsitzenden der organisierten Waldbesitzer Franz Prinz zu Salm-Salm sind 51 Prozent der Eichen beschädigt. Mancherorts sind alle Bäume eines Bestandes in unterschiedlichem Ausmaß vom Eichenprozessionsspinner oder dem Frostspanner betroffen.

In Möckern trafen sich am Mittwoch Vertreter des Waldbesitzerverbandes, des Landeszentrums Wald und der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW FVA) Göttingen, Abteilung Waldschutz, um über die weitere Bekämpfung von Eichenfraßgesellschaften zu sprechen.

Untersuchungen der NW FVA haben ergeben, dass der natürliche Wechsel von Jahren, in denen etwa der "Kleine Frostspanner" mal mehr, mal weniger stark vorkommt, sich zum Negativen verändert hat. "Statt bislang meist drei Fraßjahren haben wir nun fünf Jahre in Folge registriert", erklärte Dr. Michael Habermann von der Versuchsanstalt. Dem Baum geht bei so einer Attacke die Kraft aus, sich durch die Produktion von Abwehrstoffen selbst zu wehren.

Zweifelhafter Popularität erfreute sich zuletzt auch der Eichenprozessionsspinner. In den vergangenen zwei Jahren hat er sich stark vermehrt und für Kahlfraß gesorgt. "Wir müssen uns entscheiden, ob wir einen dritten Kahlfraß hinnehmen wollen", mahnte Dr. Habermann in Möckern. Erfahrungsgemäß stirbt eine Eiche nach viermaligem Befall durch den Eichenprozessionsspinner ganz ab.

Doch die Maßnahmen zur Bekämpfung sind an ein enges Zeitfenster geknüpft, in dem entschieden werden muss, welche Mittel ergriffen werden sollen. Nur durch Ausnahmegenehmigungen konnten im Vorjahr und auch 2013 - zwischen dem 6. und 10. Mai - auch geschädigte Gebiete in Möckern beflogen werden. Dabei kamen die Mittel "Dipel ES" und "Karat" zum Einsatz. Zusätzlich wurden Sprühfahrzeuge an Kreisstraßen eingesetzt.

Bei allen Maßnahmen sei ein enger Schulterschluss zwischen Forstbehörden und privaten Waldbesitzern nötig, um frühzeitig über Basiswissen und nötige Genehmigungen zu verfügen, erklärte Dietmar Specht, Leiter des Landeszentrums Wald.

Zum Aufgabenprofil des landesweit tätigen Betriebes gehört auch die Betreuung des Privat- und Körperschaftswaldes. Es führt im Auftrag der Landkreise jene Maßnahmen im Wald durch, die von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt vorgeschlagen und vom Land Sachsen-Anhalt abgesegnet wurden. Grundlage sind dabei stets die Beobachtungen und Informationen der Forstleute in den Wäldern.

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln steht in der öffentlichen Kritik, weiß auch Dr. Habermann. "Wir machen das aber nicht vorsorglich, sondern nur dort, wo es nötig ist. Ziel soll sein, dass sich die Bäume selbst helfen können. Dazu brauchen sie aber derzeit Hilfe." Und Waldbesitzer Franz zu Salm-Salm stellte abschließend die Frage: "Wollen wir die Deutsche Eiche oder tote Wälder?"