Möckern l „Welchen Wunsch würden Sie den Grundschulen erfüllen (wenn Sie könnten)?“ Diese Frage prangte vor Kurzem auf der neu angeschafften Digitaltafel im Klassenraum der Grundschule Möckern. Vor der Tafel saßen neben Vertretern der Stadt Möckern, Schulamt und Kommunalpolitik auch die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) und der Bildungsminister von Sachsen-Anhalt, Marco Tullner (CDU).

Anlass des Ministerbesuches: der zu diesem Zeitpunkt noch nicht beschlossene Bildungspakt zwischen Bund und Ländern. Die Bundesministerin und der Landesminister wollten sich über den Umgang mit der Digitaltechnik in Möckern informieren.

Warum ausgerechnet Möckern Schauplatz des Treffens war, erklärt Stadtchef Frank von Holly: „Möckern ist die erste und einzige Gemeinde im Land Sachsen-Anhalt, die alle Grundschulen mit digitaler Technik ausgestattet hat. Alle anderen Gemeinden im Land haben erstmal nur ein bis zwei Musterschulen ausgerüstet. Wir sind den konsequenten Weg gegangen und haben gesagt: Wenn Digitalisierung, dann alle vier Grundschulen.“ Die Stadt ist Träger der Grundschulen in Möckern, Loburg, Grabow und Wörmlitz.

Von Holly ist allen dankbar, die an der Vorbereitung des Besuchstages mitgewirkt hatten: „Vor allem dem Loburger Grundschulleiter Ulf Hentrich, der bereits vor Jahren mit der Digitalisierung seiner Schule begonnen hat.“

Hentrich hatte für den Tag eine Präsentation vorbereitet, um zu zeigen, wie die digitale Verknüpfung von Tafeln und mobilen Taschencomputern im Klassenraum schon jetzt genutzt werden kann. Er hatte darin eine Umfrage eingebaut, dabei die eingangs gestellte Frage auf die Tafel getippt und auch gleich ein paar Antwortmöglichkeiten vorgeschlagen:

Antwortmöglichkeit 1: „Schnelles Internet für alle Schulen.“ Dieser Wunsch lässt sich derzeit in Möckern so noch nicht ganz erfüllen, denn selbst wenn derzeit Breitband verlegt wird, ist der Lückenschluss zu den Grundschulen noch nicht erfolgt.

Antwortmöglichkeit 2: „Regelmäßig Nachschub bei der neuesten Technik“. Dazu hat sich auch Möckerns Stadtchef schon seine Gedanken gemacht: „Wenn wir nur das, was jetzt angeschafft worden ist, in fünf Jahren erneuern müssen, liegen wir allein hier in Möckern bei 400 000 Euro Beschaffungskosten.“ Bei technischen Geräten sei von einer Haltbarkeit von fünf Jahren auszugehen. Nicht unerwähnt lässt dabei Frank von Holly die Folgekosten, die mit der Digitalisierung der Schulen zu erwarten sind. Die technische Betreuung der vier Grundschulen im Stadtgebiet wird mit 10 000 Euro pro Schule und Jahr beziffert.

Antwortmöglichkeit 3: „Ein Unterrichtsfach ‚Digitale Grundlagen‘ “. Die Schaffung von gemeinsamen Grundlagen spielt insgesamt eine entscheidende Rolle, glaubt Frank von Holly und verweist auf die weiterbildenden Schulen: „Es ist fraglich, wie das Thema Digitalisierung in den weiterführenden Schulen umgesetzt wird. Es bringt ja nichts, wenn in den Grundschulen Fundamente gebaut werden, die oben nicht funktionieren. Ich erwarte, dass dann die weiterführenden Schulen dran sind. Für Möckern bedeutet das: Auch in der Gemeinschaftsschule Möckern müssen jetzt die technischen Voraussetzungen geschaffen werden.“

Auch die Qualifizierung und die Vereinheitlichung von Arbeitsmaterialien steht zur Diskussion: Wer bezahlt die Endgeräte, mit denen Kinder lernen? „Ich hoffe, dass Tablet-Computer zur Selbstverständlichkeit werden“, so Frank von Holly. Er hoffe auf ein elektronisches Schulbuch für alle: „Wenn solche Bücher kommen, wird aus dem Tablet-PC ein ganz anderes Thema, dann wird es wie ein Schulbuch genutzt und auch finanziert“, glaubt der Möckeraner Stadtchef. Derzeit sei ein Schulbuch auf dem Tablet so teuer wie das in Papierform.

Als Antwortmöglichkeit 4 stand an der Tafel: „Ich kann leider nicht zaubern“. Das brauchen die Minister auch gar nicht. Nach der jüngsten Entwicklung schätzt Möckerns Stadtchef , dass der Digitalpakt Mitte 2019 in trockenen Tüchern ist. Die Chancen stünden gut, dass bis 2020 auch in Möckern die finanziellen Folgen zu spüren sein könnten.