Burg l Von Magdeburgerforth nach Magdeburg. So könnte im kommenden Jahr der Weg für Rüdiger Claus aussehen. Zumindest hat seine Partei den Kreisvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen zum Direktkandidaten für die Landtagswahl nominiert. „Ein gutes Wahlergebnis“, wolle er erzielen, sagte er im Gespräch mit der Volksstimme auf dem Storchenhof Loburg. Ob das mit dem Direktmandat klappt, sei dahingestellt, aber er will möglichst viele Stimmen für die Grünen sammeln.

Und das mit markanten Themen, die er für die ländliche Region ausgemacht hat. „Wir werden auf dem Land nicht die gleichen Verhältnisse wie in der Stadt haben, Magdeburgerforth wird nicht wie Magdeburg sein, das muss es aber auch nicht“, sagt er. Schließlich seien viele Menschen ganz bewusst aufs Land gezogen. Der Ortsbürgermeister von Magdeburgerforth, der nach einigen Jahren in der Schweiz in sein Elternhaus zurückgekehrt ist, freut ich über den Zuzug junger Familien. Gleichzeitig müsse aber auch verhindert werden, dass ältere Menschen zunehmend die Dörfer verlassen, weil sie nicht altersgerecht genug sind, zu viele Barrieren existieren.

Klimawandel Grund für Parteieintritt

Radwege sind ein weiteres wichtiges Thema für ihn. Es könne auf dem Land eben nicht alles durch den ÖPNV abgedeckt werden. Zudem sei Radfahren durch die Bewegung auch gesund. Daher sollten auch die Radwege nicht immer nur unter dem Tourismusaspekt betrachtet werden, Einheimische würden genauso davon profitieren. Aber auch auf die touristischen Routen solle ein Auge geworfen werden, so führe auch der Radwanderweg Hameln-Berlin durchs Jerichower Land.

Der zunehmend spürbare Klimawandel und der Artenschwund waren vor drei Jahren Auslöser für Claus, zu Bündnis 90/Die Grünen zu gehen. Ein Jahr später kehrte er ins Jerichower Land zurück. Nach dem Abitur in Ziesar hatte er Wirtschaftswissenschaften in St. Gallen studiert, danach Tätigkeiten als Unternehmensberater und Geschäftsführer verschiedener Unternehmen in der Schweiz gehabt.

Zwischen Wolf und Tierhaltern

Die Artenvielfalt nimmt ab, eine Art ist in den vergangenen Jahren aber zurückgekehrt und sorgt damit nicht nur für Begeisterung: der Wolf. Wie sein Kreisverband begrüßt auch Claus dessen Rückkehr. Er sieht aber auch, dass er für Probleme sorgen kann. Allerdings fängt das bei ihm nicht dort an, wo Wölfe in der Nähe von besiedelten Gebieten gesichtet werden. Er ist davon überzeugt, dass der Wolf ein scheues Tier ist, trotz wachsender Population habe es in Deutschland auch noch keinen Übergriff auf einen Menschen gegeben. Er versteht aber Ängste, kann die Probleme der Tierhalter nachvollziehen, zumal die Risszahlen in den vergangenen Jahren zugenommen haben, auch in Dorfnähe. Und schließt auch Konsequenzen nicht aus: „Problemwölfe müssen auch entnommen werden können.“ Das Wort abschießen vermeidet er, entnehmen müsse auch nicht töten bedeuten. Für das Jerichower Land sieht er aber die Auseinandersetzung mit dem Wolf auch nicht als das drängendste Problem an.

„Zurück zur Natur – zurück aufs Land“ lautet einer seiner Leitgedanken. Gerade seit Beginn der Coronakrise sei zu beobachten gewesen, dass viele Großstädter in den ländlichen Raum geflüchtet seien, der eine Sehnsucht nach Schutz und Geborgenheit erfüllen mag. Nach vielen Jahren der Landflucht sei nun ein gegenteiliger Trend zu beobachten. Und auch wenn „zurück aufs Land“ nicht für alle eine Lösung sein kann, so könne doch ein Stück mehr „zurück zur Natur“, ein Stück mehr Regionalität bei Reisen und Konsum viel Positives bewirken. Auch dafür will Rüdiger Claus im Landtagswahlkampf werben.