Parchau l An einem Miteinander in der zweitgrößten Ortschaft von Burg mit 940 Einwohnern mangelt es nicht. Ob Natur- und Heimatverein, Angelverein, Sportverein, Laienspielgruppe, Posaunenchor oder die Ortsgruppe der Volkssolidarität – mehrere Hundert Einwohner haben sich hier zusammengefunden. „Auf diese breite Vielfalt können wir wirklich stolz sein“, freut sich Ortsbürgermeister Lutz Wernecke. Vor allem auch, weil auf diese Weise junge Leute das Dorf für sich entdecken „und auch dauerhaft bleiben wollen“. Was fehlt, ist jedoch eine Art zentraler Anlaufpunkt, eine Heimstätte für die vielen Aktiven, um sich auszutauschen, zu proben oder kleinere Treffen abzuhalten. Sie alle haben sich für die ehemalige Schule in der Kleinen Schulstraße entschieden, indem einst mehrere Generationen unterrichtet wurden. Das um 1910 erbaute Backsteingebäude steht bis auf das Büro des Ortsbürgermeisters weitestgehend leer und müsste nach und nach saniert werden. Mit einer Nutzfläche von etwa 180 Quadratmetern würden sich auch Lagerflächen ergeben, die die Vereine dringend benötigen.

Ortschaftsrat und Vereine sind überzeugt, dass sich durch ein breites Kultur- und Freizeitangebot die Lebensqualität in Parchau weiter erhöht. „Dazu ist ein Ort der Begegnung ideal“, sagt Vize-Ortsbürgermeister Marko Bölke.

Alle ziehen an einem Strang

Weil in dieser Beziehung alle an einem Strang ziehen, wurde unter Federführung des Natur- und Heimatvereins ein entsprechendes Konzept erarbeitet, das es mittlerweile mit auf die Förderliste des Leader-Programms für den ländlichen Raum geschafft hat. Demnach soll das Gebäude als Bürger- und Kreativhaus genutzt werden, wobei das Bürgermeisterbüro weiterhin dort zu finden sein soll. Auf der Prioritätenliste der Lokalen Aktionsgruppe „Zwischen Elbe und Fiener Bruch“ wird positiv festgehalten, dass „vorhandene Strukturen weiterentwickelt und Strukturen im ländlichen Bereich aufgebaut“ werden. „Der große Vorteil ist die 75-prozentige Förderung durch Leader“, sagen Bernd Ahlert und Brigitte Gensecke vom Natur- und Heimatverein. Das heißt: Bei einer geschätzten Investitionssumme von 100.000 Euro könnten Zuschüsse in Höhe von 75.000 Euro erwartet werden. Der Eigenanteil würde sich auf 25.000 Euro belaufen. Nicht gerade wenig, aber gemeinsam machbar, sind sich die Vereine sicher. Neben Spenden würden die Vereine auch aus Veranstaltungen Geld beisteuern, denn in das Gebäude müsse in jedem Fall investiert werden. Gespräche mit potenziellen Firmen liefen bereits.

Fehlt nur noch das grüne Licht der Stadt Burg, die Eigentümerin des Gebäudes ist. „Wir stehen jedem Vorhaben aufgeschlossen gegenüber, was die Attraktivität der Dörfer stärkt“, versichert Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD). Allerdings müsse sich die Stadt, die sich mitten in der Haushaltskonsolidierung befindet, auch an klare Vorgaben halten. Soll heißen: Das Haus müsse, wie vorgesehen, zum Verkauf ausgeschrieben werden. „Und dann sehen wir weiter“, so Rehbaum, der den Wunsch der Vereine nachvollziehen kann. Dass überhaupt ein Interessent das Objekt mit ganz wenig Grundstück und in direkter Nachbarschaft zur Kindereinrichtung erwerben will, hält man sowohl im Rathaus als auch in Parchau für ausgeschlossen. „Deshalb gehen wir in dieser Beziehung optimistisch ins neue Jahr“, sagt Wernecke.