Unterschriften übergeben

Dretzeler bekommen Unterstützung

Kreis-Bauausschuss: Verwaltung soll bei Standort für Funkmast vermitteln

Von Thomas Puschund Mike Fleske
Henry Krüger (links) und Thomas Richter nutzten die Sitzung des Kreis-Bauausschusses am Montagabend, um die Unterschriftenlisten zu übergeben. Rund 170 Anwohner haben darin für einen anderen Standort des Mobilfunkmastes plädiert. Foto: Thomas Pusch

Burg/Dretzel

60 Meter soll er hoch werden, der Funkmast, den die Telekom in Dretzel aufstellen will. Für den Ortschaftsrat Henry Krüger war dies zunächst eine optische Einschränkung. „Der ist immerhin zehn Meter höher als der Genthiner Wasserturm“, sagte er im Gespräch mit der Volksstimme. Doch in den Gesprächen mit den Nachbarn wurde ihm eine zweite Folge des Funkmastes immer bewusster: die Strahlung. Fast alle Dretzeler wohnen in einem Umkreis von 600 Metern zum geplanten Standort des Mastes. Zu dicht, befand Krüger, nachdem er sich intensiv mit der Materie befasst hatte. Unter anderem warnt die Weltgesundheitsorganisationen vor Gefahren.

Den Mast wollte er nicht verhindern, aber für einen alternativen Standort plädieren. Er sammelte knapp 170 Unterschriften. Zusammen mit dem Anwohner Thomas Richter nutzte er die Einwohnerfragestunde des Kreis-Bauausschusses, um die Listen zu übergeben. „Wir haben auch Alternativvorschläge, die Stadt Genthin unterstützt auch den Standort Weinberg“, sagte Krüger in dem Gremium. Dort wäre der Mast etwa eineinhalb Kilometer von den Dretzelern entfernt.

Gordon Köhler (AfD) wollte von Stefan Dreßler, Vorstand für Bau und Umwelt in der Kreisverwaltung, wissen, wie es mit dem Genehmigungsverfahren weitergehe, ob der Kreistag denn überhaupt Einfluss nehmen könne. Dem erteilte Dreßler eine Absage. Wenn es nach dem Baurecht möglich sei, bestehe für den Antragsteller das Recht, den Mast dort zu bauen. Mit dieser Erklärung wollten sich die Ausschussmitglieder allerdings nicht zufriedengeben.

„Ist es denn nicht möglich, nachzufragen, ob auch ein anderer Standort möglich wäre“, wollte Heinz Baltus (FDP) wissen. Dreßler argumentierte mit dem Neutralitätsgebot, und dass es nicht Aufgabe des Landkreises sei, einen Standort zu suchen. „Aber es gibt doch sicherlich auch Fälle, wo man eine Ausnahme machen und zum Telefonhörer greifen kann“, ließ Baltus nicht locker. Dreßler gestand zu, dass die Kreisverwaltung versuchen werde, zu vermitteln. Das wollte Jens Hünerbein (parteilos) manifestiert wissen. „Es sollte als Wunsch des Ausschusses, als Auftrag für die Verwaltung ins Protokoll genommen werden“, regte er an und bekam durchweg Zustimmung.

Telekom hält Alternativenfür gefährlicher

Henry Krüger nahm dieses positive Signal nur allzu gerne mit nach Dretzel. „Es zieht sich ein bisschen wie ein roter Faden durch die Diskussion“, sagte er am Tag nach dem Ausschuss im Gespräch mit der Volksstimme. Von allen Seiten bekomme er Zustimmung, aber durch die Rechtslage seien der Verwaltung die Hände gebunden. Im Baurecht werde ein Mobilfunkmast als ein Bauwerk gesehen wie ein Holzschuppen. Die Risiken der Strahlung würden dabei keine Rolle spielen. So ist Krüger froh, Unterstützung vom Bauausschuss bekommen zu haben. Die gab es auch von Genthins Bürgermeister Matthias Günther.

Allerdings sei die Stadt Genthin laut Telekomsprecher Georg von Wagner bereits 2018 über das Bauvorhaben in Dretzel informiert worden. Das sei eine Selbstverpflichtung des Unternehmens gegenüber den Kommunen, um diese in solche Entscheidungen einzubeziehen und Möglichkeiten für Hinweise und Stellungnahmen geben zu können. Allerdings habe die Stadt Genthin sich nicht zurückgemeldet. Günther wollte nach einer Volksstimme-Anfrage überprüfen, ob eine entsprechende Information eingegangen sei.

Bürgerversammlungnoch in diesem Monat

Die Telekom hat eine ganz andere Sichtweise als die Dretzeler. „Grundsätzlich gibt es bereits eine Anlage im Ort, eine solche ist auf einem Schornstein aufgebaut. Abstrahlungen sind also bereits vorhanden“, erklärte von Wagner. Der ausgewählte Standort für den Stahlgittermast auf der im Privatbesitz befindlichen Liegenschaft sei der optimale Platz für eine solche Anlage, um eine bestmögliche Nutzung zu gewährleisten. Würde man den Aufbau weiter von diesem Platz entfernen, würde die Abstrahlung der Anlage zu den Mobilfunkgeräten größer, umgekehrt müssten auch diese mehr Leistung abstrahlen, um Kontakt zur Sendeanlage aufzunehmen. Man hätte mehr Emissionen, je weiter man sich von der Wohnbebauung entfernt. Wer wenig Emissionen haben möchte, sollte eher für den neu gewählten Standort sein. Die Telekom sei sehr gern bereit mit den Einwohnern ins Gespräch zu kommen und ihre Gründe für die Errichtung des Gittermasten an eben diesem Standort zu erläutern.

„Ich habe gerade von Bürgermeister Matthias Günther erfahren, dass diese Bürgerversammlung am 18. oder 19. Mai stattfinden soll“, sagte Krüger gegenüber der Volksstimme.