Burg l Es fing damit an, dass der siebenjährige Christian die Schlüsselgewalt für das Musikzimmer in der Polytechnische Oberschule (POS) „Comenius“ bekam. „Da konnte ich mich richtig an den Instrumenten ausprobieren“, erzählt er rund 34 Jahre später im Gespräch mit der Volksstimme. Am Tag zuvor war ihm am Rand des Adventskonzertes in der voll besetzten Aula die Ehrennadel des Landes Sachsen-Anhalt verliehen worden.

Liebe zur Musik bleibt

Die Begeisterung für Musik, die Christian Hoffmann in sich entdeckte, ist geblieben. In der DDR habe die Musik nicht so einen hohen Stellenwert, habe etwas Dissidentenhaftes an sich gehabt. Dass er Rudern als Leistungssport betrieb, sei höher angesehen gewesen. So brachte er sich das Klavierspielen und Gitarrengriffe selbst bei. „Erst nach der Wende konnte ich an die Musikschule gehen“, erinnert er sich. Der damals Elfjährige geriet unter die Fittiche von Rainer Voß, der ihn weiter förderte. Als 17-Jähriger wechselte er nach Wernigerode aufs Landesgymnasium für Musik und fand im Chorpädagogen Friedrich Krell einen weiteren Förderer.

Viele Schüler an der Internatsschule seien von ihren Eltern sehr früh dorthin geschickt worden, manche ohne einen eigenen Antrieb. Das war bei Hoffmann anders, und Krell erkannte schnell Können und Willen. So wurde der Musikgymnasiast mit 17 Jahren einer der jüngsten Chorleiter.

Musik bei der Marine

„Es gibt nichts Schöneres als wenn ein Sohn in seine Stadt zurückkehrt und dort erfolgreich ist“, hat Landrat Steffen Burchhardt (SPD) in seiner Laudatio gesagt. Bis zu Hoffmanns Rückkehr nach Burg vergingen allerdings noch einige Jahre. Zunächst in Uniform. Er leistete seinen Wehrdienst ab, bei der Marine. Und auch dort gab es Musik.

Bei der Grundausbildung in List auf Sylt eroberte er die Standortkirche für sich, viel mehr die dortige Orgel. Mit einem Soldatenchor gab er zahlreiche Konzerte. „Es gab damals Charly Schmidt, der einen Seemannschor leitete und sich so langsam verabschiedete“, erzählt Hoffmann. Die Sänger habe er dann übernommen. Mit einem Schmunzeln erinnert er sich an den Auftritt anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Deutschen Marine. „Es löscht das Meer die Sonne aus“ war eines der Lieder, die damals gesungen wurden. Zur Vielfalt der Musik gehören für Hoffmann auch Shantys und andere Seemannslieder.

Entscheidung an Bord eines Zerstörers

Und es war noch während der Zeit bei der Marine, dass er eine wichtige Entscheidung traf: Er will Lehrer werden. „Das habe ich an Bord eines Zerstörers entschieden“, weiß er noch ganz genau. Er wollte unbedingt mit Menschen arbeiten und mit Musik sollte es zu tun haben. Er habe auch gute Vorbilder gehabt. Dieter Breitkreutz war ein weiterer von ihnen. Er war Musiklehrer an der Erweiterte Oberschule (EOS) „Geschwister Scholl“, dem späteren Roland-Gymnasium, sozusagen ein Vorgänger Hoffmanns.

Der begann 1999 in Magdeburg zu studieren, Musik und Slawistik. Russisch unterrichtet er auch heute noch, ist seit vier Jahren sogar Fachseminarleiter und damit verantwortlich für die Referendariate der Russischlehrer in ganz Sachsen-Anhalt.

Schüler für Musik begeistern

Seine erste Station als Lehrer war von 2006 bis 2014 das Siemens-Gymnasium in Magdeburg. Dann wechselte er nach Burg, „an seine alte Penne“, wie es der Landrat ausgedrückt hat. Drei Seiten hatte er über Christian Hoffmann zusammengefasst, um den Antrag auf die Ehrennadel beim Ministerpräsidenten zu begründen. „Er hat es mit seinem Engagement geschafft, einen Großteil der Schüler für Musik zu begeistern“, heißt es darin unter anderem. „Es ist unangemessen eine Ehrennadel für meine Arbeit zu bekommen, für die ich bezahlt werde, und ich mache hier nur meine Arbeit“, meint der Geehrte bescheiden. Andererseits nehme er sie aber auch sehr gerne an.

Und das hängt vor allem mit einem anderen Aspekt seines Tuns zusammen, das außerhalb der Dienstzeit liegt. „Er hat schon in Magdeburg Spuren hinterlassen“, heißt es dazu in der Begründung des Landrates. Dort hat Hoffmann den neuen Kammerchor aufgebaut. Er sitzt im Vorstand des DTKV, dem Berufsverband der freien Musikpädagogen und Komponisten. Darin geht es um soziale Absicherung und das Fördern von Aufführungen. 2015 ist er zudem von den Musikinstitutionen des Landes zum „Engagementbotschafter Kultur“ ernannt worden. Als solcher war es seine Aufgabe, ehrenamtliches Musizieren zu fördern. „Es ist nicht für alles Geld da, es braucht das Ehrenamt in der Musik, aber es lohnt sich, denn es macht die Gesellschaft reicher und bunter“, ist er überzeugt.

Jeder ist musikalisch

Möglicherweise hat er dafür nicht die Ehrennadel bekommen, aber in Steffen Burchhardts dreiseitigem Schreiben an Reiner Haseloff heißt es auch: „Er schafft es, ein Leuchten in die Augen so vieler zu zaubern“. Und das hat er auch selbst, wenn er von seinen Eltern spricht, die ihn immer unterstützt haben und es immer noch tun, von seinen Lehrern, die ihn so gefördert haben, und von seinen unglaublich talentierten Schülern. Vielleicht sind diese drei Säulen das Geheimnis seines Erfolges. Zusammen mit der Überzeugung: „Jeder ist musikalisch“.