Zehntes Jubiläum

Einrichtungen aus dem Jerichower Land blicken auf zehn Jahr Bundesfreiwilligendienst zurück

Wer länger arbeitslos ist oder nur wenig berufliche Erfahrung vorweisen kann, hat es oft nicht leicht auf dem Arbeitsmarkt. Dann kann eine Teilnahme am Bundesfreiwilligendienst helfen. Dieses Angebot wird nun zehn Jahre. Wie wird es im Jerichower Land angenommen?

Von Nicole Grandt 11.07.2021, 13:54
Kinder brauchen manchmal Hilfe beim Lernen oder bei anderen Aufgaben. Teilnehmer beim Bundesfreiwilligendienst können hier die helfende Hand sein. Im Jerichower Land beschäftigen Einrichtungen wie das Tierheim Burg oder die Seniorenhäuser in Genthin-Süd die Bufdis.
Kinder brauchen manchmal Hilfe beim Lernen oder bei anderen Aufgaben. Teilnehmer beim Bundesfreiwilligendienst können hier die helfende Hand sein. Im Jerichower Land beschäftigen Einrichtungen wie das Tierheim Burg oder die Seniorenhäuser in Genthin-Süd die Bufdis. Foto: BMFSFJ/Bertram Hoeckstra

Burg - Im Juli 2011 startete der Bundesfreiwilligendienst. Nun wird dieses Angebot zehn Jahre alt. Auch im Jerichower Land gibt es einige Einrichtungen und Institutionen, die den Bundesfreiwilligendienst anbieten. Wie waren die Erfahrungen mit den Menschen, die den Dienst ausüben?

Beim Tierheim des Tierschutzvereins Burg und Umgebung können Interessierte bereits seit mehreren Jahren den Bundesfreiwilligendienst absolvieren. „Wir hatten bei uns sechs oder sieben Personen im Bundesfreiwilligendienst“, blickt Astrid Finger, Leiterin des Tierheims zurück. Derzeit ist im Tierheim niemand aus dem Bundesfreiwilligendienst tätig. Wenn es nach Astrid Finger ginge, kann sich dieser Umstand aber gern wieder ändern. „Wer möchte, kann sich gern bei uns melden, und dann schauen wir, ob wir zusammenkommen“, erklärt sie. In den vergangenen Jahren haben sich die Freiwilligen immer selbst beim Tierheim gemeldet und angefragt, ob sie ihren Dienst antreten können. Dabei kamen auch schon einige berufliche Erfolgsgeschichten zustande. „Wir hatten hier eine junge Frau, die sich bei uns sehr wohl gefühlt hat. Sie hat nach dem Bundesfreiwilligendienst dann eine Ausbildung bei uns gemacht und auch eine Weile danach bei uns gearbeitet“, berichtet Astrid Finger. In der Regel dauert der Dienst ein Jahr, dieser kann aber auch auf 18 Monate verlängert werden.

Menschen wollen aus Arbeitslosigkeit heraus

Aus welchen Gründen wollten die Freiwilligen in den vergangenen Jahren Teil des Teams im Burger Tierheim werden? „Es gibt natürlich verschiedene Gründe, aber der am häufigsten genannte ist, dass die Menschen gern aus der Arbeitslosigkeit heraus wollen. Sie wollen wieder ins Berufsleben einsteigen, und der Bundesfreiwilligendienst ist eine gute Möglichkeit, in einen Beruf hineinzuschnuppern und sich auch wieder an ein geregeltes Arbeitsleben zu gewöhnen.“

Die Grundidee des Bundesfreiwilligendienstes geht auf die Diskussionen zurück, als im Jahr 2010 der Wehr- und Zivildienst ausgesetzt wurde. Daraus folgte ein Gesetzentwurf des Bundesfamilienministeriums für den Bundesfreiwilligendienst. Einige Monate später wurde der Bundesfreiwilligendienst als Initiative zur freiwilligen, gemeinnützigen und unentgeltlichen Arbeit in Deutschland eingeführt. Allerdings können Teilnehmer ein Taschengeld von maximal 426 Euro von der jeweiligen Einrichtung bekommen.

Über 400 000 Menschen haben Dienst geleistet

Der Dienst soll die bestehenden Freiwilligendienste ergänzen und das bürgerschaftliche Engagement fördern. Seit 2011 haben bisher über 400 000 Menschen diese Chance genutzt und einen Bundesfreiwilligendienst geleistet. Den Bundesfreiwilligendienst können alle Personen antreten, die die Vollzeitschulpflicht erfüllt haben. In der Regel ist das mit 16 Jahren der Fall. Darüber hinaus spielen Alter, Geschlecht, Nationalität oder die Art des Schulabschlusses in der Regel keine Rolle.

Das Burger Tierheim ist aber nicht die einzige Einrichtung im Jerichower Land, bei dem Interessierte den Dienst absolvieren können. Auch beim Deutschen Roten Kreuz Regionalverband Magdeburg-Jerichower Land ist dies möglich. „Auch bei uns kann man den Dienst machen, bis zu sieben Personen sind im Einsatz. Drei davon im Fahrdienst, die anderen vier arbeiten in der Pflege“, erklärt Christian Luckau, Pressesprecher des DRK-Regionalverbandes. „Ab August haben wir außerdem wieder freie Stellen, die dann jeweils für ein Jahr besetzt werden können. Wer Interesse hat, kann sich gern bei uns melden“, ergänzt er.

Er verdeutlicht, dass der Bundesfreiwilligendienst keine Konkurrenz für den ersten Arbeitsmarkt darstellt, sondern dafür geeignet ist, einen Beruf genauer kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln. „Manche Personen merken dann, dass der Beruf nichts für sie ist, aber es gibt auch gegenteilige Erfahrungen. Dann besteht auch durchaus die Möglichkeit, dass eine Ausbildung beim DRK folgen kann. Die Teilnehmer beim Bundesfreiwilligendienst haben dann den Vorteil, dass sie die Strukturen im Arbeitsleben bei uns schon kennen, und dann gibt es keine Überraschungen oder Enttäuschungen.“

Teilnehmer sind eine Bereicherung

Das Arbeitsfeld der Pflege können Freiwillige auch bei der Johanniter Seniorenhäuser GmbH im Johanniter-Haus Genthin-Wald kennenlernen. „Wir haben die Teilnehmer vom Bundesfreiwilligendienst als eine Bereicherung wahrgenommen, wenn sie bei uns im pflegerischen Bereich geholfen haben“, berichtet Claudia Tritt, Leiterin des Seniorenhauses. Ansonsten waren die Teilnehmer auch im Bereich der Hauswirtschaft und der Organisation tätig. „Allerdings waren sie in der Pflege dann immer mit einer ausgebildeten Fachkraft eingesetzt, denn sie selbst sind ja zu der Zeit lediglich angelernt.“ Sie empfand es auch als schön, dass die Freiwilligen den dementen Bewohnern der Seniorenhäuser gegenüber unvoreingenommen waren und so eine harmonische, angenehme Zusammenarbeit entstand. Unterstützung von Teilnehmern des Bundesfreiwilligendienstes bekamen die Seniorenhäuser bisher fast jedes Jahr. „Im Moment suchen wir auch wieder jemanden, der uns demnächst wieder unterstützen wird“, erklärt sie. „Wir bieten auch grundsätzlich an, dass nach dem Dienst eine Ausbildung bei uns folgen kann.“

Wer Interesse hat, kann sich an Einrichtungen wenden oder im Internet unter https://www.bundesfreiwilligendienst.de die Einsatzstellensuche nutzen, um dann eventuell in den Wunschberuf zu starten.