Votum des Kreistages

Einstimmig für Portalklinik in Genthin

Der Landkreis Jerichower Land unterstützt das Anliegen der Stadt Genthin, die Sicherstellung der medizinischen Grundversorgung auf hohem Niveau zu erreichen. Einstimmig befürwortete der Kreistag diesen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen.

Von Thomas Pusch
Der Eingang zum ehemaligen Johanniter-Krankenhaus in Genthin. Die Gebäude dahinter samt Pförtnerhäuschen stehen unter Denkmalschutz, während ein Großteil der neueren Bauten abgerissen worden sind.
Der Eingang zum ehemaligen Johanniter-Krankenhaus in Genthin. Die Gebäude dahinter samt Pförtnerhäuschen stehen unter Denkmalschutz, während ein Großteil der neueren Bauten abgerissen worden sind. Foto: Susanne Christmann

Burg - Ursprünglich sollte es bei der außerordentlichen Sitzung des Kreistages am Mittwochabend nur um die Vereidigung von Landrat Steffen Burchhardt (SPD) gehen. Doch Lutz Nitz (Bündnis 90/Die Grünen) brachte noch einen Eilantrag zur gesundheitlichen Versorgung in Genthin ein. „Wir stehen mit der Staatssekretärin Beate Bröcker in ständigem Kontakt, und sie hat uns zur Eile geraten“, sagte der Fraktionsvorsitzende in der Begründung. Möglichst schnell solle es zu einem Gespräch auf Landesebene kommen, bevor die neue Landesregierung ihre Ziele abgesteckt hat. Der nächste Kreistag im September oder Oktober wäre zu spät.

Von dem Gremium sollte das Signal ausgehen, dass der Landkreis die Stadt Genthin dabei unterstützt, die medizinische Grundversorgung auf hohem Niveau sicherzustellen. Einstimmig sah der Kreistag die notwendige Eile geboten und gab so Nitz die Möglichkeit, den Antrag näher zu erläutern. Der betonte, dass diese Initiative nicht nur von seiner Partei komme, sondern auch von Christoph Neubauer (SPD), Gabriele Herrmann (Die Linke), Gerd Mangelsdorf und Norbert Müller (beide CDU) unterstützt werde. Positive Signale habe er zudem von Wolfgang Bernicke (Die Linke), Maria Pfannkuchen (SPD) und Volker Bauer (CDU) empfangen. Nun fehle nur noch der Kreistagsbeschluss, um beim Land Aufmerksamkeit zu erlangen.

Krankenhaus früher alsangekündigt geschlossen

2017 wurde das Genthiner Krankenhaus nach 150 Jahren von den Johannitern geschlossen. Statt wie ursprünglich vorgesehen, sogar schon im September und nicht erst am Jahresende. 2004 hatte die Landesregierung den Beschluss gefasst, den Standort Genthin sogar bis 2019 aufrechtzuerhalten. In jenem Jahr sollte der Ausbau des Johanniter-Krankenhauses in Stendal abgeschlossen sein. Die Schließung sei aber schon zwei Jahre früher notwendig gewesen, da das Krankenhaus nicht mehr kostendeckend betrieben werden könne, Millionenverluste einfahre, argumentierte der damalige Geschäftsführer Franz Caesar. Tatsächlich hat der Neubau des Stendaler Krankenhauses vor allem durch Verzögerungen für Schlagzeilen gesorgt, ist immer noch nicht komplett fertig.

In Genthin wollte man diese schmerzliche Versorgungslücke nicht hinnehmen. Anders als in Havelberg, wo mit wöchentlichen Demonstrationen gegen die Schließung des dortigen Krankenhauses protestiert wird, gab es zwar keine öffentlichen Kundgebungen dieser Art, aber umfangreiche Aktivitäten, beispielsweise Unterschriftensammlungen und Diskussionsrunden. Außerdem wurde im Stadtrat ein Ausschuss „Medizinische Versorgung“ gegründet. Eine seiner Kernforderungen ist eine stationäre Versorgung in der Stadt, 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche.

Der Schlüssel dazu könnte eine Portalklinik sein. Bei einer Sondersitzung des Ausschusses, zu dem auch die gesundheitspolitischen Sprecher aller Landtagsfraktionen gekommen waren, erläuterte der aktuelle Geschäftsführer des Johanniter-Krankenhauses, Thomas Krössin, dieses Konzept. Grundgedanke ist, dass aus einem Schwerpunktkrankenhaus (Stendal) ein Kontingent an Betten an einen anderen Standort im Umkreis von 40 bis 50 Kilometern (Genthin) verlegt wird. Merkmale der Portalklinik laut Thomas Krössins Konzept sind unter anderem Ersteinschätzung und notfallmäßige Basisversorgung, Erstdiagnostik bei kardiologischen, neurologischen und chirurgischen Notfallsituationen sowie 5 bis 50 stationäre Betten.

Enge Zusammenarbeitmit Landkreis Stendal

„Es ist jetzt auch der Begriff 24/7-Notfallgrundversorgung im Gespräch“, sagte Lutz Nitz am Donnerstag gegenüber der Volksstimme. Das Modell werde vom Ministerium allerdings als Nebenbetriebsstätte angesehen, die im Krankenhausgesetz nicht vorgesehen ist. Helfen könnte da ein ähnliches Konzept, das von der Salus gGmbH für Havelberg entworfen wurde. „Das ist eine Landesgesellschaft, die dem Krankenhausgesetz Genüge tun wird“, so Nitz. Das Konzept hatte sie im Auftrag der Landesregierung für den Standort Havelberg entwickelt. „Wir arbeiten eng mit dem Landkreis Stendal und den Havelbergern zusammen“, so Nitz. Im Nachbarlandkreis hat der Kreistag am 22. April mit seinem Beschluss den Landrat beauftragt, in Abstimmung mit der Landesregierung für die Sicherstellung einer medizinischen Grundversorgung auf hohem Niveau am Standort Havelberg zu sorgen.

Nun sollte der Beschluss aus dem Jerichower Land für Genthin folgen. „Der Kreis geht damit keine Verpflichtung ein, es kommt keine finanzielle Belastung auf ihn zu“, betonte Nitz vor der Abstimmung. „Wenn es den Genthinern geschlossen so wichtig ist, sollten wir uns auch dafür starkmachen“, forderte Landrat Steffen Burchhardt (SPD), der zusicherte, sich auch selbst in die Gespräche einzubringen. Einstimmig entschlossen sich die Kreistagsmitglieder, mit ihrem Votum den Bemühungen der Stadt Genthin Rückenwind zu verleihen.