Derben/Ferchland l Traditionell steigen die Ferchländer Triathleten beim Winterschwimmen am Ferchländer Feuerlöschteich als erste Gruppe in die winterlich kalten Fluten. Einer wird in diesem Jahr nur Zuschauer bleiben: Rainer Bonitz.

Seit mehr als einem Jahrzehnt nimmt der Triathlet nicht unter seinen Badefreunden am Winterschwimmen teil und kann seinen Sportskameraden nur aus der Ferne zujubeln.

Lebensbedrohliche Gefahr

Fast unbemerkt schlich sich die lebensbedrohliche Gefahr für seine Gesundheit ein. „Ich bemerkte beim Training zum Anfang ab und zu ein Stechen im oberen Brustkorb und auch meine Leistungsfähigkeit nahm plötzlich ab“, erzählt der 65-Jährige von den Umständen, die ihn schließlich ratsuchend zum Arzt gehen ließen. „Und dann ging alles ganz schnell“, sagt Bonitz mit einem Kloß im Hals.

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Eine verschlossene Vene, der auch mit dem Einsatz eines Stands nicht mehr beizukommen war, war Ursache des Übels. Noch im August 2018 war der Derbener Radrennen gefahren. Im September 2018 fand er sich in der Klinik bei einer Operation am offenen Herzen wieder. „Nach der Diagnose war ich erstmal total am Boden“, sagt der Triathlet. Mit Blaulicht ging es im Krankenwagen nach Coswig. „Da hat man viele Gedanken. Mein weiß ja nicht, ob man wieder aufwacht.“

Unklare Ursache

Die Ursache für die verstopfte Vene ist unklar. Da Bonitz seit seinem sechsten Lebensjahr durchgehend Sport betrieb, nicht rauchte und selten Alkohol trank, vermuten die Ärzte inzwischen eine genetische Ursache. Venen-Ersatz kam aus seinem linken Unterschenkel.

Nun gilt es, sich langsam zurück ans sportliche Pensum zu tasten. Erschrocken darüber, wie schnell sich die Muskulatur abbaut, durfte Triathlet Bonitz den Brustkorb zunächst nur mit maximal drei Kilo belasten.

Sparflamme

Verschiedene Medikamente, Blutverdünner und Beta-Blocker, lassen ihn aufgrund des Verletzungsrisikos und der Gefahr einer starken Blutung sportlich auf Sparflamme fahren. Ein Trost für den Derbener Sportfan: Seit Ende Oktober darf er mit ärztlicher Erlaubnis wieder täglich seine fünf bis sechs Kilometer laufen. Wenn möglich soll es bald auch wieder einmal die Woche ins Schwimmbad gehen. 80 Bahnen schwamm er dort in 45 Minuten.

In Bonitz‘ Garage warten Rennrad und Mountainbike, beides Profimodelle, darauf, im Frühjahr wieder zum Einsatz zu kommen. Unzählige Urkunden mit sportlichen Erfolgen und Teilnahmen an den größten und bekanntesten Wettbewerben Deutschlands zieren die Wände. „Im Mittelfeld landen war immer mein Ziel“, sagt Bonitz über den persönlichen Platzierungswunsch bei Events, wo bis zu 20.000 Sportler starteten.

Herausforderungen

Eine seiner größten Herausforderungen war die Teilnahme am „Black Forest“, einem 40 Kilometer langen Radrennen mit einem zu überwindenden Höhenunterschied von gut 1800 Metern im Schwarzwald. „Gut ein Drittel der Strecke musste gelaufen werden“, erinnert er sich. Da zahlt es sich aus, dass sein Profirad ein Leichtgewicht ist. Ein unvergessenes Sportereignis für den Derbener, wenn es auch mit einem Sturz und einer gebrochenen Schulter endete.

Tatsächlich entdeckte der Triathlet seine Leidenschaft für Wettkämpfe dieser Art verhältnismäßig spät mit Anfang 50. Regelmäßiges Eisbaden kam 2006 dazu. Ab 2007 stiegen die Ferchländer Triathleten traditionell am Neujahrstag gemeinsam mit den Winterbadern der „Frosty Koalas“ aus Kade ins Nass des Feuerlöschteiches.

Nächstes Jahr dabei

In puncto Winterschwimmen in Ferchland war Bonitz immer „Der Mann mit der Axt“, wie ihn zum Beispiel Winterbadefreund Hartmut Nothe von den „Frosty Koalas“ gern nennt. „Am Vormittag habe ich mit der Axt ein Loch ins Eis auf dem Teich gebrochen, am Nachmittag sind wir reingekrabbelt“, sagt der ehemalige Angestellte des Wasserschifffahrtsamtes. „Und im nächsten Jahr ist Rainer auch wieder dabei. Da bin ich sicher“, sagt Nothe zuversichtlich.

Eisbaden könne jeder. „Es ist natürlich eine kleine Überwindung und braucht etwas Mut“, betont Bonitz und erinnert sich: „In einem Jahr hatte das Winterschwimmen nicht stattgefunden. Im Winter ist hier nicht viel los. Es hat gefehlt.“

Fanfarenklänge

Und am 26. Januar startet bereits das 32. Winterschwimmen am Ferchländer Feuerlöschteich. Am Elbelandhaus sammeln sich die Eisbader-Teams, die aus ganz Deutschland anreisen. Mit einem Umzug und Fanfarenklängen geht es am frühen Nachmittag zum Ort des Geschehens. Eine Truppe nach der anderen erobert ab 14 Uhr den Feuerlöschteich. Im Anschluss gibt es Kaffee und Kuchen in einem beheizten Zelt und um 17 Uhr Musik mit dem Pareyer Gesangsensemble „Ice Cream“.

Gegen 18 Uhr haben die Veranstalter ein Feuerwerk mit Lasershow angekündigt und im Anschluss dreht DJ Basti die Plattenteller. Das gab es zum ersten Winterschwimmen im Jahre 1986 auch noch nicht.

Nasses Element

„2020 möchte ich gern wieder dabei sein“, so Bonitz. Das glaubt man einem passionierten Sportler, dem die Liebe zum Wasser in die Wiege gelegt wurde, gern. Waren doch seine Eltern Schiffer und er beruflich als Wasserbautechniker mehr als vier Jahrzehnte lang stark mit dem nassen Element verbandelt.