Burg l Die Kreisstadt will den Umstieg von Verbrennungs- auf Elektroautos forcieren. Das aber gelingt nur, wenn auch ausreichend Ladestationen zur Verfügung stehen und diese auch publik gemacht werden. Ob und wie das funktioniert – dafür ist die Stadt ein Pilotprojekt eingegangen, das gemeinsam mit der Uni Magdeburg, dem Fraunhofer-Institut und den Stadtwerke-Energienetzen Burg gesteuert wird. Das Ergebnis stehe nun fest, sagte Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) auf der jüngsten Stadtratssitzung, nachdem verdutzt nachgefragt wurde, ob die Kommune tatsächlich für entsprechende Ladestationen Geld ausgeben wolle. „Wir sind froh, Teil dieses Forschungsvorhabens zu sein und profitieren direkt davon“, antwortete Rehbaum. Das nennt sich Inkola und heißt „Infrastrukturkopplung – Platzierung und Betrieb von Ladestationen aus Verkehrs- und Energienetzsicht“. Eine stattliche Fördersumme in Höhe von 375 000 Euro steht dafür zur Verfügung. Das Problem, das Inkola in den vergangenen Monaten unter die Lupe nahm, lässt sich so zusammenfassen. Wo das Auto laden, wenn es tagsüber benutzt wird? An welchen Stellen müssen mit Blick auf Verkehrsfluss und Stromnetz Ladesäulen gebaut werden, um die Fahrzeuge optimal nutzen zu können? Denn je nach Bauart und Modell reicht eine Ladung bislang nur wenige Hundert Kilometer weit.

Jetzt steht für die Stadt fest, an welchen Standorten Lade-stationen aufgestellt werden. Und zwar auf dem Rolandplatz, dem Parkplatz Mauerstraße, auf dem Gelände der Alten Kaserne und auf dem Parkplatz des Burger Ballspiel Clubs (BBC) 08 neben dem Flickschupark. Die Federführung dafür übernehmen die Stadtwerke-Energienetze, bestätigte Geschäftsführer Mathias Holzberger. Konkret werden vier Ladesäulen mit je zwei Mal 22 kW (AC-Wechselstrom) gestellt. Es handelt sich hierbei um Schnellladesäulen. Wobei: „Der Begriff Schnellladung ist natürlich relativ. Wir haben im so genannten AC-Bereich Ladesäulen beziehungsweise Wallboxen von 3 bis 44 kW, im DC-Gleichstrombereich gibt es Schnelladesäulen von 50 bis demnächst 350 kW. Allerdings wird die Masse der Elektrofahrzeuge noch nicht in der Lage sein, in diesen Dimensionen schnell zu laden“, erläutert Holzberger.

Neue Erfahrungen für die Zukunft

Nach Auskunft von Robert Feldberg, Projektleiter Beleuchtung der Stadtwerke, werden die entsprechenden Stationen Ende dieses Monates geliefert und dann Anfang Juli installiert. Dazu werde es noch notwendige Informationen - auch zur Bedienung - geben.

Stadt-Pressesprecher Bernhard Ruth ist indessen froh, dass das Vorhaben nun ganz praktisch umgesetzt werden kann. „Daraus lassen sich dann für die Zukunft neue Erfahrungen sammeln.“

Bisher nur 79 Elektroautos in Burg

Die Gesamtzahl an Elektrofahrzeugen ist im Jerichower Land noch überschaubar. Zum Ende des Jahres 2019 waren im Landkreis insgesamt 79 reine Elektrofahrzeuge registriert. Das teilte die Kreisverwaltung auf Nachfrage der Volksstimme mit. Dazu zählen allerdings keine Plug-in-Hybride, also Fahrzeuge mit Akku und Verbrennungsmotor, teilte Pressesprecherin Claudia Hopf-Koßmann mit. Die Anzahl könnte steigen, wenn es tatsächlich verstärkt Kaufanreize durch den Bund gibt.

In Sachsen-Anhalt ist die Zahl der Ladestationen in den vergangenen Jahren gestiegen. Einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa zufolge gab es im Dezember 2019 rund 340 solcher Stromtankstellen. Das waren 53 Prozent mehr als noch Ende 2018. Im ungefähr gleich großen Nachbarland Thüringen gab es Ende vorigen Jahres rund 600 Stromtankstellen. In Deutschland sind bislang 24.000 Ladepunkte registriert.