Burg/Genthin l Grüner Wald, Wiese, beinah idyllisch, wäre da nicht die grausame Vergangenheit, die wie ein Nebel über dem Waldboden auf dem Gelände des ehemaligen Vernichtungslagers Treblinka wabert. Nur wenig erinnert an die Gräuel, die hier von den Nationalsozialisten begangen wurden. „Der Besuch ist auch deshalb eine besondere Herausforderung für die Schüler, sie müssen viel Quellenarbeit leisten“, weiß Ralf Siebert.

Wieder gefördert

Der Geschichtslehrer am Burger Roland-Gymnasium ist zuletzt im September 2018 mit Schülern nach Treblinka gefahren. Auch das KZ Auschwitz wurde schon von den Schülern in den Jahren davor besucht. Diese Fahrten organisiert das Gymnasium auch in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung.

Diese teilte zum internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar mit, dass das Land Sachsen-Anhalt die Fahrtkosten für Schulklassen bei Gedenkstättenbesuchen ab 2019 dauerhaft zu 100 Prozent finanzieren wird.

Für Frank Kopf, ebenfalls Lehrer am Burger Roland-Gymnasium und einer der Organisatoren der Fahrten, ist es vor allem das vor-Ort-sein, das einen entscheidenden Unterschied macht. „Die Schüler begreifen dann oft erst richtig, was ein Vernichtungslager bedeutet hat“, so der Pädagoge.

Fahrten sind freiwillig

Und dies hinterlässt einen bleibenden Eindruck bei den Jugendlichen. „Viele der Schüler, die 2018 Abitur gemacht haben, erzählten mir, dass die Fahrt nach Auschwitz eine der wichtigsten Erinnerungen an ihre Schulzeit ist“, weiß Frank Kopf.

Die Fahrten in die Vernichtungslager Treblinka und vor einigen Jahren auch nach Auschwitz gehört für die Schüler des Burger Roland-Gymnasiums nicht zum Pflichtprogramm. Sie bilden ein zusätzliches bildungspolitisches Rahmenprogramm der Schule.

Fester Bestandteil des Geschichtsunterrichts der Zehntklässler ist hingegen die Fahrt in die Gedenkstätte Sachsenhausen. „Demokratie ist kein Selbstläufer“, betont Frank Kopf. Auch um das Bewusstsein dafür zu schärfen, unternimmt die Schule diese Fahrten.

Sie sind wichtiger Teil der Erinnerungskultur. Denn die Zeitzeugen, die den Nationalsozialismus überlebt haben, sterben aus. Umso wichtiger sind die Gedenkstätten, betont Maik Reichel, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung: „Der Besuch solcher Orte der Erinnerung bietet jungen Menschen nicht nur die Chance, etwas über die deutsche Geschichte zu lernen, sondern auch etwas über die Wirkung und unserer Verantwortung bis heute zu erfahren.“