Burg l Es ist nichts Ungewöhnliches, dass Interessierte von weiter weg die Clausewitz-Erinnerungsstätte in der Burger Schulstraße besuchen. Besuch aus China ist denn aber doch etwas Besonderes, erst recht, wenn es sich lediglich um einen Fan des preußischen Soldaten, nicht den Vertreter eines Museums oder einer Universität handelt. Yang Liu wurde vom Leiter der Erinnerungsstätte, Rolf Reiner Zube, sowie Bernd Domsgen und Olaf Thiel von der Forschungsgemeinschaft Clausewitz in Burg begrüßt.

Von philosophischen Gedanken fasziniert

Bereits Mitte der 90er Jahre, als Jugendlicher von 15, 16 Jahren, hatte Liu den ersten Kontakt mir Carl von Clausewitz. „Ich bekam die chinesische Ausgabe eines Buches über ihn in die Hände“, schilderte er. Es handelte sich um das 1954 in der DDR erschienene Buch „Feder und Degen“ von Franz Fabian. Dieses Buch machte etwas mit ihm. „Als Teenager hatte ich, wie viele andere, an wenig Interesse, aber dieses Buch verschlang ich auf einem Baum sitzend“, erinnerte sich Liu. Groß geworden ist er im Nordosten Chinas, in der Nähe zur nordkoreanischen Grenze. Rund 8000 Kilometer entfernt und gut 160 Jahre nach dem Tod der Hauptperson begann Yang Liu sich für Carl von Clausewitz, für Preußen, für Tugenden und Bräuche zu interessieren. „Ich bin kein Militärmensch, aber die philosophische Seite von Clausewitz hat mich fasziniert“, sagte er.

Er bezeichnete es als „das wichtigste Buch in meinem Leben“. Clausewitz‘ Interesse an Literatur und Musik riss ihn mit, der Antrieb, hart zu studieren, sich immer weiter zu verbessern sei auch für seinen weiteren Lebenslauf prägend gewesen. Er ist in Qatar als Manager für ein führendes Leasingunternehmen, das seit 2007 Kräne für die Bauindustrie und Betreiber von Öl-, Gas- und Versorgungsunternehmen in dem Land anbietet. Einige Monate des Jahres verbringt der zweifache Familienvater aber zu Hause in China.

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Clausewitz-Tasse als Erinnerungsstück

„Ich hätte gar nicht gedacht, dass es dieses Buch auf Chinesisch gibt“, war Zube ganz überrascht und erfreut, als ihm der Besucher zusicherte, ein Exemplar für die umfangreiche Ausstellung in der Erinnerungsstätte nach Burg zu schicken. Liu hat sich auch mit Clausewitz‘ Standardwerk „Vom Kriege“ auseinandergesetzt. „Das ist wirklich sehr schwieriger Stoff“, sagte Zube. Aber auch diese Lektüre ergriff den asiatischen Clausewitz-Fan – nicht wegen der rein militärischen Aspekte. „Die Waffen haben sich mit der Zeit verändert, aber das Denken über Strategie bleibt logisch, auch in anderen Lebensbereichen“, erklärte er.

Ursprünglich hatte Yang Liu schon früher nach Burg kommen wollen, aber da hatte das Clausewitz-Hotel nicht geöffnet. Doch das Warten hatte sich gelohnt, bekam er doch nun nicht nur Quartier, sondern neben Besichtigung von Erinnerungsstätte und Taufkirche auch einen Besuch im Clausewitz-Café. Auch musste er Burg nicht mit leeren Händen verlassen, als Erinnerungsgeschenke bekam er unter anderem die Sonderausgabe eines Clausewitz-Magazins und eine Clausewitz-Tasse mit auf den Weg. Zwei Tage in Berlin standen noch auf seinem Programm, das mit einem Besuch in Mainz, dem Ort der ersten Kriegserfahrungen Clausewitz’, begonnen hatte. „Aber ich werde wiederkommen“, versprach er.