Freizeit

Spielplatz zwischen Trogbrücke und Doppelsparschleuse: Erlebnismeile am Mittellandkanal?

Hohenwarther spricht sich für Spielgeräte auf Deichkrone zwischen Trogbrücke und 

Von Anke Reppin

Hohenwarthe. Die  Vorstellungen und Planungen für einen Mehrgenerationenspielplatz in der Gemeinde Möser seien „ein löbliches Bestreben, die Infrastruktur der Gemeinde zu beleben und zu entwickeln“, sagt Wolfgang Rust. Auch er mache  sich als Einwohner der Gemeinde seine Gedanken dazu. Als Unternehmer stelle er sich aber auch Fragen wie die, wer die Einrichtung bezahlen soll, wer die Pflege übernimmt und wie ein schlüssiges Konzept aussehen könnte. Wesentlich ist aus seiner Sicht die Frage, ob eine ausreichende Frequentierung zu erwarten ist, sprich, ob einen solchen Spielplatz auch viele Menschen nutzen werden. Wolfgang Rust treibt die Frage nach Aufwand und Nutzen um.

In die seit Jahren anhaltende Debatte um einen solchen Spielplatz bringt Rust nun einen weiteren Vorschlag ein. Der sollte aus seiner Sicht damit einhergehen, einen besseren Namen für das Projekt zu finden. Erlebnismeile vielleicht, schlägt er vor.

Zu den Standortvoraussetzungen zählt aus Rusts Sicht, dass das Gebiet verkehrstechnisch gut erschlossen und erreichbar sein muss. Parkplätze sollten vorhanden sein, Gastronomie ebenfalls. Für Wolfgang Rust liegt es nahe, einen solchen Spielplatz nicht „irgendwo in den Wald“ zu bauen und darauf zu hoffen, dass sich Besucher dorthin verirren. Stattdessen sollten die Spielgeräte zu den Besuchern kommen. Das sei gegeben, wenn das Gebiet zusätzlich noch „landschaftlich einmalig und überregional interessant“ wäre. Im Auge hat Rust die Deichflächen am Mittellandkanal, zwischen Trogbrücke und Doppelsparschleuse Hohenwarthe. „Hier sind alle Voraussetzungen optimal gegeben“, betont Rust. Einschließlich der Besucher, die sich auch ohne eine solche Erlebnismeile schon zu Hunderten, insbesondere an den Wochenenden, hier tummeln. Spaziergänger, Radfahrer, Familien und Paare, jung und alt treffen hier am Wasserstraßenkreuz zusammen. Sie kommen aus der Region, aus Deutschland, ja sogar der ganzen Welt, unter anderem, um die längste Kanalbrücke der Welt zu bestaunen. Seit im Mai 2019 der Tourismuspavillon am Parkplatz Trogbrücke aufgestellt wurde, haben sie hier auch einen touristischen Anlaufpunkt. Aktuell gibt es Überlegungen, den Pavillon durch ein festes Besucherzentrum mit Ausstellungsraum, Infotheke, Abstellplätzen für Fahrräder und Toiletten zu ersetzen.

Weltweites Alleinstellungsmerkmal

Es ist ein weltweites Alleinstellungsmerkmal, mit dem die Gemeinde Möser und der Ort Hohenwarthe hier aufwarten können. Mit einer Erlebnismeile zwischen Doppelsparschleuse und Trogbrücke, die aus verschiedenen Spielgeräten für junge und ältere Menschen besteht, könnte der Standort noch attraktiver werden, ist sich Wolfgang Rust sicher. Die Voraussetzungen seien optimal. Sogar einen Behindertenparkplatz auf der Deichkrone gebe es bereits.

Eigentümer des Geländes auf der Deichkrone, das Rust im Auge hat, ist das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe. Es ist zuständig für mehrere Bundeswasserstraßen, so auch für den Mittellandkanal. Vor einigen Jahren, erzählt Wolfgang Rust, habe der Ortsteilentwicklungsverein Hohenwarthe vandalensichere Bänke auf dem Deich aufgestellt, die von den Besuchern bis heute fleißig genutzt würden. Die Verständigung darüber mit dem Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt sei unproblematisch gewesen, erinnert er sich. Deshalb sieht er darin für eine Erlebnismeile, beispielsweise mit Wippe, Karussell und Klettergerüst kein Hindernis. 

Die von ihm vorgeschlagene Erlebnismeile könnte überregionale Bedeutung erlangen, ist sich Rust sicher. Weil auch Gewerbetreibende aus der erlebnisorientierten Einrichtung ihren Nutzen ziehen könnten, lautet sein Vorschlag, die Spielgeräte könnten von Unternehmern gesponsert und instand gehalten werden. Seine Frau und er würden sich mit ihrer Pension „Unser Paradies“ am Elberadweg auf jeden Fall beteiligen, kündigt Wolfgang Rust an.

Die Idee, den Spielplatz zu den Menschen zu bringen statt umgekehrt, sei grundsätzlich nicht neu, sagt Hohenwarthes Ortsbürgermeister Frank Winter. Diese Überlegung spiele auch in dem von der Gemeinde in Auftrag gegebenen Konzept für einen Mehrgenerationenspielplatz für die Gemeinde eine Rolle. Der Infopunkt an der Trogbrücke sei vom Planungsbüro Brinkhoff in die Überlegungen bereits einbezogen worden. Zusätzlich zu dem vom Planungsbüro vorgelegten Grundkonzept gebe es inzwischen weitere Überlegungen, beispielsweise von Mösers Ortsbürgermeister Peter Hammer, sagt Winter. „Wichtig ist, dass die Konzepte am Ende wie Zahnräder ineinander greifen“, betont Winter. Radwegekonzept, Mehrgenerationenspielplatz, Beschilderungskonzept - all das müsse am Ende dazu führen, dass man in der Gemeinde von Ort zu Ort unterwegs sein und dabei attraktive Angebote vorfinden könne. Als großer Publikumsmagnet müsse die Trogbrücke dabei eine entsprechende Berücksichtigung finden.

Spielplätze in allen Ortschaften angeregt

Aus Sicht von Wolfgang Rust sollte noch einmal gut überlegt werden, für wen der zurzeit geplante Mehrgenerationenspielplatz gedacht sei und, ob für die Errichtung und die Instandhaltung gemeindliche Mittel und Kapazitäten gebunden werden sollten. Das Vorhaben war zuletzt Anfang März 2021 im Bauausschuss der Gemeinde Möser beraten worden. Ergebnis: Zur Umsetzung eines Mehrgenerationenspielplatzes mit verschiedenen Stationen in allen Ortschaften der Gemeinde Möser soll im Mai dieses Jahres ein Grundsatzbeschluss im Gemeinderat Möser gefasst werden. Die Vorhaben sollen priorisiert und über mehrere Jahre verteilt für eine europäische Förderung aus dem Leader-Programm angemeldet werden, so die Bauverwaltung der Gemeinde . Vorschläge zur Umsetzung hatte es aus einzelnen Orten bereits gegeben. Das bei einem Planungsbüro in Auftrag gegebene Grundkonzept für einen solchen Mehrgenerationenspielplatz war von den Gemeinderäten zum Teil als zu teuer, unrealistisch und zu wenig vor Ort abgestimmt kritisiert worden.