Burg/Gerwisch l „Ich hatte noch nicht eine Pilzberatung in diesem Jahr“, sagt die Gerwischer Sachverständige Elke Tantzen. „Vier Schopftintlinge habe ich bislang gesehen.“ Das sei aber die absolute Ausnahme. Ohne weiterhin andauernden Regen und entsprechend milde Witterung sei auch in diesem Jahr kaum mit vielen Pilzen in den Wäldern zu rechnen, schätzt sie ein. Der Boden in der Region sei einfach viel zu lange trocken. Die Geflechte zögen sich weiter zurück und lebten von den Wurzeln der Pflanzen im Boden, die noch an Wasser kommen, schildert sie die Situation. Das Wachstum der Pilzgeflechte im Boden und die Ausbildung von Fruchtkörpern setze viel Wasser voraus. Aktuell können es sich die Pilze, die biologisch weder den Pflanzen noch den Tieren zugeordnet werden, nicht leisten, Fruchtkörper zu bilden, um sich über die dort vorhandenen Sporen zu vermehren.

Radioaktive Belastung

Das Gesundheitsamt, erzählt sie, hätte auch gern ein halbes Kilogramm Maronen gehabt, um die Pilze zur Messung der radioaktiven Zäsiumbelastung in ein Labor zu schicken. Auch viele Jahrzehnte nach dem schweren Reaktorunglück in Tschernobyl werden Pilze noch überwacht. Bestimmte Sorten können radioaktive Stoffe anreichern. In großen Mengen gegessen können die dann im menschlichen Körper zu einem Problem werden, so die Expertin.

Auch die anderen Pilzsachverständigen in der Umgebung hätten seit Monaten kaum Pilze in der Natur gefunden. Demnächst stehe das Herbsttreffen der Pilzsachverständigen vor der Tür. Sie hoffe, dass einige Kollegen dafür noch einige Exemplare finden und mitbringen. Dann hätten alle mal frische Pilze aus dem Wald und den Wiesen gesehen.

Neue Erkenntnisse

Die Treffen sind wichtig, um die auf dem aktuellen Stand zu halten. Denn Pilze sind nicht nur faszinierende Lebewesen. Regelmäßig gibt es in der Wissenschaft ebenso neue Erkenntnisse. Viele Exemplare, die vor Jahren noch als genießbar galten, sind es heute nicht mehr, macht Elke Tantzen deutlich. Es gebe aber immer noch Leute, die noch Pilze auf dem Wissensstand von vor vielen Jahrzehnten sammeln, weiß sie aus den Beratungen. Dabei werden sogar Pilze gegessen, die heute als ungenießbar gelten. Sammler, die auch exotische Exemplare gern mitnehmen, sollten sich daher von zeit zu Zeit über die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse informieren. Das machen auch die Sachverständigen. Auch sie haben sich in der Vergangenheit schon gewundert, welche Pilzsorten inzwischen als nicht mehr genießbar gelten. Eine solche Sorte sei beispielsweise der Kahle Krempling, erzählt sie. Früher wurde der Pilz oft und gern mitgenommen und gegessen. Inzwischen gilt er als ungenießbar.

Strenger Artenschutz

„Viele Pilzsammler wissen auch nicht, dass nicht wenige Pilze unter strengem Artenschutz stehen“, sagt sie. Nur in kleinen Mengen für den eigenen Verzehr ist nach den gesetzlichen Bestimmungen die Mitnahme erlaubt. In der Regel sei das unter einem Kilogramm.

Viele Pilze im Westharz

Wer in diesen Tagen reichlich Pilze suchen möchte, müsse weiter fahren. In anderen Regionen der Bundesrepublik habe es deutlich mehr geregnet. Schon im Westharz sei mit vielen Pilzen zu rechnen. Aber auch im Süden der Bundesrepublik würden die Waldspaziergänger bestimmt fündig, meint sie. Wichtig sei aber, dass nur die Pilze mitgenommen werden, deren Bestimmung zweifelsfrei möglich ist. Wer sich unsicher ist, ob die gesammelten Pilze auch essbar sind, sollte sich immer an einen der flächendeckend vertretenen Pilzsachverständigen wenden, rät sie. Wichtig ist es dabei, den ganzen Pilz zu der Beratung mitzunehmen. Nur anhand des gesamten Pilzes kann der Sachverständige die zweifelsfreie Bestimmung durchführen und klären oder der Pilz genießbar ist.

Im Zweifel sollten Pilze, die nicht zweifelsfrei bestimmt werden können, nicht verzehrt werden, rät die Sachverständige dringend zur Vorsicht. Vermeintlicher Mut könne sich hier ganz schnell bitter rächen.