Burg l Wer noch nie etwas vom Tosendland gehört hat, der Graumannsschlucht, Kohletal und Windgebirge, der kennt sicherlich den Roman „Der Herbst, in dem es uns nicht gibt“ auch nicht. Kein Wunder, schließlich ist es erst in diesem Monat erschienen. Entstanden ist die Geschichte im Kopf von Simon Schmidt, einem gebürtigen Burger.

Dass ihm das Schreiben einmal Spaß machen würde, war in seiner Schulzeit allerdings noch nicht abzusehen. „In Deutsch war ich eine volle Katastrophe“, gab er im Gespräch mit der Volksstimme unumwunden zu. Andere Fächer hätten ihn da mehr zum Schreiben inspiriert. Seine schulischen Leistungen konnten sich ansonsten auch sehen lassen, die Grundschule verkürzte er um ein Jahr, machte so 2015 mit 17 Jahren am Roland-Gymnasium sein Abitur. Da hatte er schon mit dem Schreiben an seinem ersten Roman begonnen.

Erst Ausbildung und Neuseelandreise

Gerne hätte er das Schreiben auch zu seinem Beruf gemacht, „aber da sind die Aussichten nicht besonders gut“, hatte er sich informiert. Als Verlagsautor müsste man zwei Publikationen im Jahr abliefern, das sei ein ungeheurer Druck. So absolvierte er zunächst einmal eine Ausbildung zum Vermessentechniker in Magdeburg, verbrachte danach vier Monate in Neuseeland und schrieb sich im vergangenen Jahr an der TU Dresden ein.

Neuseeland, Schauplatz der „Herr der Ringe“-Filme, und die Romanvorlage von John Ronald Reuel Tolkien inspirierten ihn einst zum Buch. Fantasy wurde sein Genre, aber auch klassische Literatur. „Ich habe viel Herrmann Hesse gelesen“, nannte er ein Beispiel. Mittlerweile würde er aber weniger lesen, mehr schreiben. Anime-Filme, japanische Zeichentrickfilme, und auch bestimmte Videospiele hätten ihn dann gänzlich für die Fantasy gefangengenommen.

Im Roman geht es um einen 14-Jährigen, wohl kein Zufall, dass Schmidt genauso alt war, als er mit dem Schreiben begann, der ohne Familie im Exil lebt. Als er in den Krieg ziehen soll, wird es ernst. Das könnte auch eine reale Geschichte sein, der Fantasy-Faktor kommt aber unter anderem in den Roman, indem die Naturgesetze außer Kraft gesetzt werden.

Großvater eine große Inspiration

Gute Ideen fürs Schreiben kommen Simon Schmidt am Schreibtisch grundsätzlich bei Wasser, nach sechs Uhr abends mag es auch mal ein Bier sein. Sein Erstlingswerk ist als sogenanntes „Book on Demand“ auf den Markt gekommen, es wird also erst gedruckt, wenn es jemand bestellt. So bleibt Schmidt das Schicksal vieler Hobbyautoren erspart, zunächst eine Erstauflage vorfinanzieren zu müssen und die Kosten mühsam dann wieder hereinzuspielen. Durchs Studium ist er gut eingespannt, denkt aber auch schon an das nächste größere Schreibprojekt. „Das wird dann wohl kürzer, klassischer und realitätsnäher“, nannte er erste Ideen.

Wenn er auch derzeit in Dresden lebt, so ist seine Verbundenheit zur Heimatstadt nach wie vor groß. „Ich könnte mir auch gut vorstellen, dass in meinem nächsten Buch der Schauplatz Burg vorkommt, allerdings ohne den Namen zu nennen“, sagte er. Und eine besondere Verbindung hat er auch zu seiner Familie. So ist „Der Herbst“ seinem Großvater Günter Schmidt gewidmet. Den Schneidermeister Schmidt hat der 22-Jährige selbst nicht mehr kennen gelernt, denn der ist seit knapp 30 Jahren tot. Und dennoch waren die Geschichten, die er über ihn gehört hat, große Inspiration. Vielleicht auch für den nächsten Roman.