In Genthin erbeuten die Täter mit dem Enkeltrick 4000 Euro

Es klappt immer wieder: Wie ahnungslose Senioren am Telefon abgezockt werden

Von Falk Heidel

Unfassbar, mit welchen psychischen Tricks es Kriminelle schaffen, ältere Menschen einzuschüchtern. Schnell wechseln tausende Euro den Besitzer. Am Wochenende war eine solche Bande in Genthin unterwegs.

Genthin/Burg l "Liebe Oma, wie geht es dir? Ich komme dich bald mal wieder besuchen." Einen solchen Anruf bekam eine 80 Jahre alte Rentnerin aus Genthin am Sonnabend. Und schon nahm das 2000 Euro teure Unheil seinen Lauf.

Der junge Mann am anderen Ende klingt sympathisch. Und irgendwie auch vertraut. Er sagt: "Stimmt\'s Oma, du weißt doch, dass ich der Mann deiner Enkeltochter bin?" Es entwickelt sich ein nettes Telefongespäch. Ganz nebenbei lässt der liebe Verwandte durchblicken, dass er rein zufällig in der Nähe sei und für einen Kurzbesuch mal vorbeikommen könne.

Dann verabschiedet er sich ganz höflich. Alles scheint so harmlos.

Eine halbe Stunde später ruft der unbekannte Bekannte erneut an. Er berichtet von einem Verkehrsunfall, den er auf dem Weg zu ihr erlitten habe: "Mir ist nichts passiert, sie haben meine Personalien aufgenommen. Die Polizei lässt mich aber nur weiterfahren, wenn ich 2000 Euro als Sicherheit hinterlegen kann." Die Stimme des Anrufers wird dünner: "Kannst du mir helfen, liebe Oma?".

"Genau das ist die Masche solcher Enkeltrick-Betrüger", erklärt Burgs Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch: "Die Täter reisen fu¨r ihre Machenschaften häufig umher. Sie sind findig, flexibel und agieren mindestens zu zweit. Während ein Täter am Telefon die Geldu¨bergabe ausmacht, holt ein Bote das Geld ab. Die Vorgehensweise ist immer ähnlich."

Betroffen sind allein lebende, ältere Mitmenschen, die sich nicht mit jemandem aus ihrem Umfeld beraten können. Hinzu kommen weitere Faktoren wie Seh- oder Hörschwäche: So halten die Opfer die fremde Stimme am Telefon fu¨r die eines Verwandten.

Auch Vereinsamung, Zerstreutheit und Demenz machen Senioren zu leichten Opfern fu¨r diese Form des Betrugs.

Das telefonische Flehen um Hilfe hat bei der 80-jährigen Genthinerin Erfolg. Der angebliche Mann ihrer Enkelin reicht den Telefonhörer an den angeblichen "Polizeibeamten". Dieser erklärte der 80-Jährigen mit einer harten männlichen Stimme, dass demnächst eine Polizeibeamtin vorbeikommen würde und das Geld abhole.

Zehn Minuten später erscheint wirklich eine Frau, die sich als Polizeibeamtin ausgibt, an der Haustür der Genthinerin. Das Opfer gibt der Frau die 2000 Euro.

Polizeisprecher Kriebitzsch: "Diese Frau ist laut den Zeugenbeschreibungen etwa 25 Jahre alt und 1,60 Meter klein. Sie wird als sehr zierlich beschrieben."

Mit derselben Masche gab es in Genthin ein weiteres Opfer - eine 84 Jahre alte Frau. Sie bekam ihren Anruf am Freitag gegen Mittag. Die Nachricht: Ihr Enkel sei bei Roßdorf in einem Verkehrsunfall verwickelt. Er muss nun vor Ort 2000 Euro für diesen Unfall bezahlen. Und: Eine junge Frau komme gleich vorbei, um das Geld abzuholen. Auch hier gibt das Opfer der Betrügerin an der Haustür das Geld.

In einem dritten Fall ging es schief für die Kriminellen. Hier sollte eine 87-jährige Rentnerin 4000 Euro bezahlen, weil ihr Sohn in einem Unfall verwickelt sei. Täter und Opfer waren in einem Genthiner Café verabredet. Jedoch rief die Dame zuvor ihren Sohn an, der Schwindel flog auf. Im Café sind die Täter nicht erschienen.