Burg l Lag es am Wetter, an der Pandemieverordnung oder an der Urlaubszeit – die Anzahl der Gäste hielt sich in überschaubaren Grenzen. „Wir werden den Termin unserer Treffen überdenken“, informiert einer der Administratoren der Gruppe, Kevin Polefka, die Besucher und weiß um die besondere Situation in diesem Jahr. Der plötzliche Tod von Mitglied Burkhard Werner überschattete die Veranstaltung. „Mit ihm bricht eine wichtige Säule unserer zeitgenössischen Dokumentation zu Burg und dessen Einwohnern weg“, bedauert Burger Ansichten-Gründer Marco Herbort. Der Administrator erinnert an die verschiedenen Meilensteine, die der Verstorbene setzte, wie etwa das Sonntagspreisrätsel, unzählige Bilderalben oder das Bild des Monats. Mit einer Schweigeminute gedachten die Besucher des Treffens noch einmal Burkhard Werner und zollten ihm so Respekt für seine unermüdliche Arbeit.

Burger Ansichten gibt es viele, so die Meinung der Gäste, alte und neue, weniger schöne und manchmal gänzlich unbekannte. Eine ausgestellte Bildergalerie zu Burg, mit Fotografien und Malereien, die die Stadt im 19. und 20. Jahrhundert zeigen, räumte mit manch idealisierter Vorstellung auf, und Marco Herbort musste für einige Tage mit einem bilderlosen Wohnzimmer vorlieb nehmen. Ein Hingucker und Gesprächs-Anlass: die Aufsteller zum Thema Ihle. „In diesem Jahr durfte der Tag der Ihle nicht stattfinden“, nennt Herbort den Grund, warum die Informationstafeln zu sehen waren.

Einige unveröffentlichte Heimatfotos

Wie könnte man den Stadtfluss präsentieren? Dazu machten sich Heinz Jericho, Kevin Polefka und Marco Herbort vor zwei Jahren Gedanken, entwickelten eigene Ideen, die in einer Tafelausstellung mündeten. Unter anderem gibt es bisher unveröffentlichte Fotografien zu sehen, etwa zu den Themen „Ihle durch Burg“, oder „Bäder an der Ihle“ aus dem Postkarten- und Bilder- Fundus der Heimatforscher Herbort und Jericho.

Bilder

Viele dieser spannenden Beiträge führen am Fuß des Wasserturms zu lebhaften Diskussionen, da so manches Stück Land heute nicht mehr so aussieht wie früher. So sei selbst für Eleonore Schwarzlose der Standort der „Frauen- und Mädchenbadeanstalt“ nicht mehr auffindbar – sie lag übrigens da, wo sich heute der Ihleanger befindet und war mit astlochfreien Brettern umgeben.

Austausch über 1000 Kilometer hinweg

Mittlerweile vereint die virtuelle Facebook-Gruppe „Burger Ansichten“ rund 5000 Burger, ob daheim geblieben oder fern der Heimat. Hier nutzen Burger die Möglichkeiten des World Wide Web, um miteinander in Kontakt zu treten und zu bleiben, manchmal über Tausende Kilometer hinweg. Und das kann den Bogen weit spannen: Veranstaltungen, ob gelungen oder nicht, Suchmeldungen nach Katzen, Hunden oder Schlüsselbunden, Ärger über Vandalismus in den Parkanlagen und vor allem Fotos. So werden Kometenbahnen minutiös dokumentiert oder Stadtansichten abgewandelt, je nach Geschmack und Fantasie des Bearbeiters. Doch das sind, wie so vieles im Leben, „Momentaufnahmen“, sagt einer der Gruppen-„Väter“, Marco Herbort.

Fazit: Die „Ansichten“-Gruppe als Austausch- und Informationsplattform hat sich in neun Jahren etabliert, und viele Burger finden sich und ihren Alltag dort wieder. „Das war auch von Anfang an unser Ziel“, so Marco Herbort: für Burger, ob fern oder nah, ein Stück Heimat erlebbar machen. Das Jubiläumstreffen im nächsten Jahr, dem zehnten, soll, nach den Vorstellungen der Organisatoren, im September stattfinden.

Übrigens: Der Gast mit dem am weitesten entfernten Wohnort hieß Charlotta Leoni und wohnt jetzt in Celle/Niedersachsen.