Kooperationsvertrag

Fähre soll im September wieder Ferchland und Grieben verbinden

Die beiden Landräte der Landkreise Jerichower Land und Stendal sowie vier Bürgermeister haben den Kooperationsvertrag für die Fähre Ferchland-Grieben unterzeichnet.

Von Thomas Pusch
Die Landräte der beiden Landkreise Jerichower Land und Stendal sowie die Bürgermeister der Gemeinden Elbe-Parey, Jerichow, Tangermünde und Tangerhütte unterzeichneten den Kooperationsvertrag für die Fähre. Im Spätsommer soll sie wieder übersetzen.
Die Landräte der beiden Landkreise Jerichower Land und Stendal sowie die Bürgermeister der Gemeinden Elbe-Parey, Jerichow, Tangermünde und Tangerhütte unterzeichneten den Kooperationsvertrag für die Fähre. Im Spätsommer soll sie wieder übersetzen. Foto: Thomas Pusch

Ferchland - Die Kulisse hätte nicht besser gewählt sein können. Die Sonne spiegelte sich am Fähranleger in der Elbe und die führte auch genügend Wasser. Das Niedrigwasser hatte in den vergangenen Jahren zum Defizit der Verbindung zwischen Ferchland und Grieben beigetragen. „Wir wollten die Fähre nie einstellen, aber wir haben uns nicht mehr in der Lage gesehen, das Minus auszugleichen“, sagte Elbe-Pareys Bürgermeisterin Nicole Golz (parteilos). Der Gemeinderat beschloss, die Verbindung einzustellen, Ende Juni 2020 war es dann soweit. Der Protest dagegen war auf beiden Elbseiten groß. Auch angespornt durch die Bürgerinitiativen in Ferchland und Grieben machte sich Landrat Steffen Burchhardt (SPD) daran, eine Lösung zu finden.

Noch mehr Kooperationen der beiden Landkreise

Der Schlüssel dazu schien eine Zusammenarbeit zu sein, in der sich die Beteiligten das Defizit teilen. So holte sich Burchhardt seinen Stendaler Amtskollegen Patrick Puhlmann (SPD) und die Bürgermeister Nicole Golz, Harald Bothe (Jerichow), Jürgen Pyrdok (Tangermünde) und Andreas Brohm (Tangerhütte, alle parteilos) an einen Tisch. „Es war nicht ganz einfach, aber wir haben es geschafft, alle zu überzeugen“, sagte er am Mittwochvormittag vor der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages. Man sei mit Bedacht und nicht überstürzt vorgegangen. Mit dem Kooperationsvertrag sei ein wichtiger Schritt gegangen, allerdings lägen auch noch ein paar Schritte vor den Kooperationspartnern. So werde die finanzielle Unterstützung vom Land gebraucht.

Patrick Puhlmann mochte erst einmal das Erreichte würdigen. „Das Zustandekommen der Kooperation und dass die Fähre eine Zukunft hat, zeigt, dass es sich lohnt, etwas anzupacken, auch wenn es keine Chance zu geben scheint“, war der Moment Anlass fürs Philosophieren. Besonderer Dank gelte dem Landkreis Jerichower Land. Die Aufbruchstimmung ließ Nicole Golz auch den von ihr angekündigten Sarkasmus mit einem Lächeln im Gesicht sagen: „Das hätten wir einfacher haben können“. Eine Kooperation habe sie sich schon vorher gewünscht, aber dann wäre ihre Gemeinde wohl immer noch der Betreiber, es sei jetzt also die noch bessere Lösung gefunden worden.

Auch Andreas Brohm sah den großen Zusammenhang, lobte die große Kunst, alle zusammenzuführen, und die besonderen kommunikativen Wege. Doch das Ergebnis könne sich sehenlassen: „Die Elbseiten sind zusammengewachsen“. Den Aspekt hob auch Harald Bothe hervor, lobte die Zusammenarbeit und meinte, „das Land kann auch davon etwas lernen, dass es nicht um Parteiinteressen ging“. Jürgen Pyrdok blieb nichts hinzuzufügen, er signalisierte lächelnd nickend seine Zustimmung.

Burchhardt blickte in die Zukunft und meinte, es werde weitere Kooperationen beider Landkreise geben. Gerade im touristischen Bereich sei dort eine Menge möglich. So führe der Altmark-Rundkurs Radfahrer auch ins Jerichower Land. Wenn man daraus eine Marke machen wolle, müsse  es ein gemeinsames Engagement geben.

Betreiben wird die Fähre die Nahverkehrsgesellschaft Jerichower Land (NJL). Der Nachbarlandrat hatte sich schon neidisch ob der kommunalen Verkehrsgesellschaft gezeigt. Deren Geschäftsführer Thomas Schlüter blickte ein kleines Stück in die Vergangenheit. „Als der Landrat mir Anfang des Jahres die Idee vorstellte, war ich noch nicht sicher“, sagte er. Mittlerweile sehe er Ferchland-Grieben aber wie eine Linie. Sie verbinde zwei Punkte, zwei Landkreise und sei darüber hinaus landesbedeutsam. Beim Verkehrsverbund Marego sei sie auch bereits angemeldet. Im Spätsommer solle der Fährbetrieb wieder aufgenommen werden, auf Nachfrage präzisierte er: „Im September“.

Vereinbarung gilt zunächst bis Dezember 2025

Der Kooperationsvertrag sieht vor, dass die Beteiligten dem Landkreis Jerichower Land einen Ausgleichsbetrag zu den Betriebskosten zahlen. In der aktuellen Kalkulation wird von einem Zuschussbedarf in Höhe von 38.000 Euro ausgegangen. Die Gemeinden zahlen 4500 Euro, der Landkreis Stendal 10.000. Der Landkreis Jerichower Land selbst übernimmt ebenfalls 10.000 Euro. An mindestens 320 Tagen im Jahr soll die Fähre unterwegs sein. Der Vertrag tritt am 1. August in Kraft, ist zunächst bis zum 31. Dezember 2025 gültig. Schon ein Jahr vorher soll über eine Anschlussregelung entschieden werden. „Ich hoffe, dass die Kooperation noch lange Bestand hat“, meinte Nicole Golz und Harald Bothe ergänzte: „Gemeinsam sind wir stark“.