Heyrothsberge l "Die Szene wächst und wächst", sagt Dirk Klocke, Organisator von Sachsen-Anhalts größtem Rock'n'Roll-Festivals Summershelter. Am Bunker in Heyrothsberge wurde die wilde Zeit des Rock'n'Roll, der heißen Caddis und Petticoats- kurz -die Fünfziger und Sechziger -Jahre zum Leben erweckt. Drei Tage feiern, sich austauschen, Kontakte knüpfen, auf Zeitreise gehen. Beim Summershelter-Festival gab es von allem etwas.

Dre Tage feiern

Dirk Klocke spricht eine Besonderheit an, eigentlich zwei: "Zum ersten Mal haben wir die Veranstaltung über drei Tage geplant und - wir haben prima Wetter."

Anders als in den letzten Jahren schien durchgehend die Sonne. Bei den Gästen war der Summershelter schon als "Rain-Shelter" in aller Munde, so Klocke, was dem Zuspruch aber nie entgegenstand. Um so mehr freut er sich, dass in diesem Jahr deutlich mehr Besucher und Fans den Weg nach Heyrothsberge gefunden haben: "Wir haben uns einen Namen gemacht in der Szene."

Bilder

Große Szene

Seit fünf Jahren finden sich die Freunde der Rock 'n' Roll- und Swing-Jazz-Gemeinde auf dem "Summershelter"-Festival zusammen. Die Idee einer Rock 'n' Roll-Party setzten die Organisatoren um "Subkultur"-Veranstalter Dirk Klocke erst auf einem alten Elbdampfer um. Es folgten einige Stationen, unter anderem im Gesellschaftshaus Magdeburg. Bald reichte das nicht mehr. Der Bunker erwies sich als perfekte Kulisse, um die große Schrauberszene, eine American-Car-Szene und eine vielbeachtete Swing-Jazz-Gemeinschaft, zusammenzuführen.

Internationalität war Trumpf: Gäste der Rockabilly- Szene kamen unter anderem aus Frankreich, Holland und Katalonien. Besucher erlebten den Kultu im Zeitraffer: von Modenschau, Tanzschulstunden, über alte amerikanische Kultwagen, Friseursalon, bis hin zu musikalischen Sahnestücken wie den "The Howlin Jaws" aus Paris und einer Bourlesque-Show.

"Neu ist unser Vintage-Trödelmarkt", so Klocke. Klamotten, Haushaltsgegenstände, LP`s, oder Nippes aus der Rockabilly-Zeit wechselten hier Besitzer und erfreuten so manchen Liebhaber.

Liebhaberstücke

Doch warum ist diese Szene am Wachsen, was begeistert gerade viele junge Frauen und Männer? "Frauen- und auch gerade Männer zogen sich elegant an und gingen höflich miteinander um", sagt Christin Winselmann aus Magdeburg. Ihre Freundin Sarah Franke sieht es ähnlich: "Es ist die Musik, es ist das Besondere, Individuelle, was es ausmacht." Ihr gefalle es, dass ihre Arbeit als Bürokauffrau es zulasse, auch im Alltag Vierziger- bis Sechzigerjahre-Outfits zu tragen.

Um Tanzen, Musik und ein Hauch von Freiheit dreht es sich bei drei Frauen aus Gerwisch: Antje Richter, Jessica Frese und Sandra Karmrodt. "Man hört die Jugendgeschichten von Oma und interessiert sich dann für die Zeit. So kommt eins zum andern", erzählt Antje Richter.

Gerade für die vielen weiblichen Fans der Szene ist es das Frauenbild, was die Zeit so interessant macht: Höflichkeit, Respekt und die bewusste Demonstration der Weiblichkeit. "Man hat sich immer zurecht gemacht, hat mehr auf sich geachtet", so Marylin Monroe-Double Monique Bangert aus Wernigerode. Sie modelte beim Summershelter als Double des Hollywood-Sterns. "Das Lebensgefühl von damals finde ich hier in der Szene wieder und fühle eine lockere und entspannte Atmosphäre, die gefällt."