Burg l Wie ein Astronaut stapfe ich ungelenk über den Flur. An den Füßen habe ich keine Stiefel, sondern kiloschwere Ledertreter. Zusammen mit der Wattekombi aus Hose und übergroßer Jacke fühle ich mich wie ein fellkostümiertes Lebendmaskottchen im Fußballstadion bei 30 Grad Hitze. Doch ich bin noch lange nicht komplett: Im Ausbildungsabteil des Feuerwehrtechnischen Zentrums legt mir Daniel Ahlert die Sauerstoffflasche an. Hinzu kommen Atemschutzmaske, Helm und Lederhandschuhe – fertig ist der Feuerwehrmann auf Probe.

Ich will es genau wissen: Welchen Stress müssen sich Feuerwehrleute antun, um bei den großen Feuern als Atemschutzgeräteträger an der Spitze der Brandbekämfung eingesetzt zu werden. Laut Kreisbrandmeister Metscher gibt es knapp 500 solcher Spezialisten: „Sie müssen jährlich die entsprechende Ausbildung nachweisen können.“

Meine Ausrüstung ist gute 20 Kilo schwer – so schnell werden aus meinen 80 Kilogramm satte 100. Diesen Ballast schleppe ich über die Ausbildungsstrecke, die Metscher zufolge einen Wohnungsbrand symbolisiert.

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Mit Genthins Bürgermeister Thomas Barz bilde ich ein Team, das vor einem mehrstöckigen Käfigkomplex der Marke Legehennen steht. „Da müssen wir jetzt durch“, erzählt er mir, während er wie auf dem Mond die Pressluft aus der Sauerstoffflasche ein- und ausatmet. Im Gegensatz zu mir weiß Feuerwehrmann Barz was er tut.

Wir zwängen uns durch Öffnungen, die so schmal sind wie das Türchen vom Kaninchenstall. Mein Kopf geht durch, aber die Sauerstoffflasche bleibt hängen. Feuerwehrleute sind Kameraden, die sich gegenseitig unterstützen. Wir robben durch die einzelnen Käfige – nach rechts, nach oben, nach hinten und runter.

Nächster Raum. Es ist dunkel. Es ist heiß. So fühlt es sich an, wenn ein Wohnzimmer in Flammen steht. Neben Couch, Tisch und Schrank liegt eine bewusstlose Person (ein sogenannter Dummy), auf dem Fensterbrett befindet sich ein abgetrennter Unterschenkel wie nach einem Haiangriff.

Barz drückt mir die Spritze in die Hand. In gebückter Haltung löschen wir den Brand, ehe wir uns um den Bewusstlosen kümmern.

In der Kammer daneben beobachten die Feuerwehrleute am Bildschirm, wie wir unsere Aufgaben meistern: „Gar nicht schlecht“, wird uns der Kreisbrandmeister später loben.

Wir verlassen das jetzt nicht mehr brennende Haus. Aber nix mit Feierabend. Einer muss in voller Ausrüstung aufs Laufband, der andere steigt zwei Minuten lang eine bewegliche Leiter hinauf. Danach tauschen beide, ehe wir ein zweites Mal durch die engen Käfige müssen.

Fertig! Ich bin durchgeschwitzt und japse nach Luft. Die Atemschutzmaske macht das Luftholen doppelt schwer. „Weil es eine Extrem-Belastung ist, gibt es vor jeder Ausbildung einen Gesundheitscheck“, erklärt mir Bernd Ahlert vom FTZ, wie das Feuerwehrtechnische Zentrum genannt wird.

Ich fühle mich, als ob ich eine Stunde lang um mein Leben gerannt wäre: „Tatsächlich waren es 15 Minuten“, erklärt mir Daniel Ahlert.

„Ich bin sportlich nicht ganz unbeleckt, aber selten so schnell so intensiv ins Schwitzen gekommen“, sagt Landrat Steffen Burchhardt. Er war später ebenso auf der Übungsstrecke unterwegs wie die Bürgermeister Kay Gericke (Biederitz) und Jens Hünerbein (Gommern) sowie Daniela Quenstedt vom Kreisfeuerwehrverband und Stephan Jacobs aus Wahlitz für die Jugendfeuerwehr.

Auch Hünerbein gehört zu den gestandenen Feuerwehr-Führungskräften, die eine solche Ausbildung jedes Jahr absolvieren. Sein Kopf erinnert nach dem Training an eine heiße Glühbirne. Doch schon wenige Minuten später hat er sich wieder erholt: „Ich habe ansonsten mit Sport weniger am Hut.“ Hünerbein ist seit 25 jahren Feuerwehrmann, seit 20 Jahren darf er die Atemschutzmaske im Ernstfall tragen. Den letzten großen Einsatz hatte er mit seiner Wehr bei einem Gebäudebrand im Juni in Gommern.

Mittlerweile hat auch er seine Sauerstoffflasche abgeschnallt. Sie ist gefüllt mit 1800 Litern Pressluft. Laut Bernd Ahlert vom FTZ reicht diese Luft im Schnitt für 25 Minuten. Vier Minuten vor dem Ende gibt es einen Piepton – dann heißt es für den Feuerwehrmann, raus aus dem Getümmel. Ablösung!