Gommern l Während die Ü 40- und Ü 50-Jährigen in den Ortsfeuerwehren recht stark vertreten sind, gibt es eine Lücke bei den Mitte 20- bis Ende 30-Jährigen. Dabei ist es gerade die Ü 30-Generation, die langsam Verantwortung übernehmen müsste. Es werde aber immer schwieriger, junge Kameraden zu finden, die dazu bereit wären, sagte Gommerns Stadtwehrleiter Heiner Wolter.

Viel Zeit fürs Ehrenamt

Dabei spielen viele Faktoren eine Rolle: Lassen die berufliche und familiäre Situation das Ehrenamt zu? Wer Gruppenführer werden möchte, muss an der BKS in Heyrothsberge einen 14-tägigen Lehrgang absolvieren. Zwar erhält der Arbeitgeber die Kosten erstattet, aber nicht jeder will oder kann zwei Wochen lang auf einen Mitarbeiter verzichten. Wer Wehrleiter werden möchte, muss einen weiteren einwöchigen Lehrgang besuchen.

Hinzukommt, dass die Ausbildung für Feuerwehrleute ganz allgemein immer anspruchsvoller und auch die gesundheitlichen Voraussetzungen immer umfangreicher werden.

Ein weiterer Faktor ist entscheidend. „Man braucht das Vertrauen der Kameraden, bis man für eine Funktion vorgeschlagen und gewählt werden kann“, erklärte Heiner Wolter.

Nachwuchs ist gefragt

Dann gibt es in den Wehren noch die „jungen Wilden“, also die Nachwuchskräfte, die aus der Jugendfeuerwehr in die aktive Wehr nachwachsen. Sie beginnen parallel aber ihre Ausbildung oder gehen zum Studium. Ob sie ihrer Ortsfeuerwehr tatsächlich auf lange Sicht zur Verfügung stehen, ist offen.

Die derzeitige Grundausbildung, die Ende April abgeschlossen wird, besucht wieder ein Mix aus den 16- und 17-Jährigen sowie aus Quereinsteigern.

In vielen Ortsfeuerwehren der Stadtfeuerwehr Gommern sind Frauen unter den Einsatzkräften keine Seltenheit mehr. Beispiele sind Gommern, Dannigkow und Vehlitz. Heiner Wolter begrüßt das unbedingt. Dem Umgangston in den Wehren komme das auch zugute.

Leitzkauer Fahrzeug ist defekt

Die Kinder- und Jugendarbeit wird in der Stadtfeuerwehr groß geschrieben. Probleme gibt es trotzdem. Die Jugendfeuerwehr Prödel/Lübs, die sich schon zusammengeschlossen hat, habe gerade zu kämpfen. Dagegen gebe es in Leitzkau einen sehr starken Zuspruch und in Gommern sei man mit dem neuen Team auf einem guten Weg, gab Heiner Wolter einen Überblick.

Schön seien Kinderfeuerwehren, die die Jungen und Mädchen schon vor dem 10. Geburtstag an die Aufgaben der Feuerwehr heranführen könnten. Allerdings bräuchte man für Kinderfeuerwehren auch Leute mit der entsprechenden Ausbildung.

Nach wie vor müssen wochentags zwischen 6 und 18 Uhr in der Regel zwei Ortsfeuerwehren alarmiert werden, damit sichergestellt ist, dass eine handlungsfähige Gruppe vor Ort eintrifft.

Technik wird benötigt

Am Montagnachmittag wurden beispielsweise die Leitzkauer und die Ladeburger Wehren zu einem Ödlandbrand gerufen. Die Leitzkauer sind weiterhin einsatzbereit, obwohl an ihrem Fahrzeug bei einer planmäßigen Reparatur durch einen Fehler ein wirtschaftlicher Totalschaden entstanden ist. Die Ortsfeuerwehr Gommern hat kurzfristig mit einem Fahrzeug ausgeholfen. Aus der Summe des Restwertes des kaputten Fahrzeuges und dem Verkauf des Gommeraner Autos wird eine Ersatzbeschaffung für die Leitzkauer Ortsfeuerwehr möglich gemacht.

Die reguläre Fahrzeugbeschaffung betrifft in diesem Jahr nach der Drehleiter 2016 erneut die Ortsfeuerwehr Gommern, die ein neues Tanklöschfahrzeug benötigt. Der Kauf ist zum einen mit der Risikoanalyse begründet und zum anderen weist Heiner Wolter darauf hin, dass die Gommeraner auch die meisten Einsätze absolvieren, ihre Technik also auch am stärksten beanspruchen.

Rein statistisch gesehen muss die Ortsfeuerwehr Gommern fast jede Woche ausrücken, andere Ortsfeuerwehren werden durchschnittlich nur einmal pro Monat gerufen, noch andere nur einmal im Quartal

Den Stadtwehrleiter ärgert allerdings, dass sich das Land Sachsen-Anhalt bei Ersatzbeschaffungen extrem zurückhalte. „Das Land lässt die Wehren im Regen stehen.“ Angedacht sei in absehbarer Zeit ein Gerätehaus-Programm des Landes. In der Einheitsgemeinde gibt es mindestens in Menz und Dornburg großen Bedarf.

Eigenleben der Wehren ist gewünscht

Ausstattung und Ausrüstung der Gommeraner Feuerwehren sei gut, setzte Heiner Wolter hinzu. Der Stadtrat sei sich seiner Verantwortung bewusst. Das Löschwasserkonzept werde die Stadt noch auf Jahre beschäftigen, da aufgrund der Haushaltssituation jedes Jahr nur eine begrenzte Summe zur Verfügung stehe.

Der Stadtwehrleitung ist es einerseits wichtig, Aufgaben zu bündeln. Dazu gehört beispielsweise die Grundausbildung, die für alle zwölf Ortsfeuerwehren zentral durchgeführt wird. Die Vorteile liegen auf der Hand: Die Feuerwehrleute, die bei Einsätzen zusammenarbeiten müssen, verfügen über die gleiche Ausbildung und kennen sich schon untereinander.

Andererseits will die Stadtwehrleitung aber nicht zu viel zentralisieren. Ein Eigenleben der Wehren sei ausdrücklich gewünscht, sagte Heiner Wolter. Die Führungskräfte vor Ort sollen ihre Wehren leiten.

Vorgesehen ist, die Wehren stärker zu spezialisieren. Es soll einen Löschzug Allgemeine Brandbekämpfung, eine Gefahrgut-Einheit, eine Einheit zur allgemeinen Gefahrenabwehr und eine Führungsunterstützungsgruppe geben. Letztere soll die Einsatzleitung bei Gefahrenlagen gezielt unterstützen.