Burg l Landrat Steffen Burchhardt hat sich mit der Lage der Freiwilligen Feuerwehren im Jerichower Land beschäftigt. „Sie sind in einer schwierigen Situation“, sagte er im Gespräch mit der Volksstimme. Alte würden ausscheiden, der Nachwuchs fehle, die Rahmenbedingungen müssten verbessert werden. So setzte er ein Schreiben an Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) auf, in dem er sieben Bereiche aufzählt, in denen er dringenden Handlungsbedarf sieht. Er betont, dass es sich nicht um eine Klageschrift handelt und dass sie in Zusammenarbeit mit den drei Kreisbrandmeistern und den Wehrleitern der acht Verwaltungseinheiten entstanden ist.

Anerkennung

Die Anerkennung muss nach Burchhardts Ansicht gesteigert werden. Eine Maßnahme könnte ein Prämien- und Ehrenzeichengesetz sein, wie es im Land Brandenburg gilt. Dort würden unter anderem Jubiläumsprämien und ein Zuschuss zur Aufwandsentschädigung gezahlt. Weiter sollten höhere Sätze bei Entschädigungen und die Nichtanrechnung von Entschädigungen auf Sozialleistungen geprüft werden.

Altersvorsorge

Burchhardt fordert den Abschluss einer deutlich besseren Altersvorsorge für jedes Mitglied der Feuerwehr oder auch eine Anrechnung von Jahren aktiver Mitgliedschaft bei den Rentenpunkten der jeweiligen Altersvorsorge.

Alarmierung

Sie sollte nur zum Brandschutz und bei technischer Hilfeleistung nach Unfällen erfolgen. Tragehilfe oder Beseitigungen sollten nicht mehr Aufgaben der Feuerwehr sein. Grundsätzlich zeichne sich nämlich ab, dass die Wehr immer häufiger zu diesen zwei Einsatzarten gerufen werde. Die Feuerwehrleute sollten ihre Freizeit nur für ernsthafte Einsätze opfern, sie seien keine schnelle Eingreiftruppe für alle Fälle. Vereinzelt seien zur Beseitigung von Ölspuren bereits in wenigen Gemeinden oder Städten entsprechende Verträge mit Fachfirmen abgeschlossen worden. Der Landrat unterließ absichtlich die Nennung von Namen.

Anreize

Für Unternehmen sollen Anreize geschaffen werden, Feuerwehrleute verstärkt einzustellen und für Einsätze ziehen zu lassen

Quereinsteiger

Es gibt einige Positionen in er Wehr, für die eine langwierige Ausbildung von Quereinsteigern nicht zwingend notwendig ist. Der Landrat fordert für die Feuerwehr eine größere Flexibilität. Die Laufbahnverordnung sehe vor, dass auf Vorschlag der Wehrleiter jedem Mitglied eine Funktion übertragen und der entsprechende Dienstgrad verliehen werden kann. Es solle sichergestellt werden, dass Ausbildungen zielgerichtet zur Übernahme von Funktionen absolviert werden, ein Lehrgangstourismus solle unterbunden werden.

Finanzielles

Die freiwilligen Feuerwehren sollten für ihre Einsätze an Autobahnen und die Bereitstellung von Löschwasserbrunnen unter anderem an den Autobahnen, aber auch in bewaldeten Gebieten und an Unfallschwerpunkten finanziell unterstützt werden. Der Landkreis habe wegen dieser Problematik Kontakt zum Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium aufgenommen. Er habe Vorschläge wie Löschwasser-entnahmestellen an Auf- und Abfahrten sowie Raststätten unterbreitet. Er wünscht sich dafür die Unterstützung des Landes.

Feuerschutzsteuer

Zur Verbesserung der Sicherheitsausstattung sollte die vollständige Feuerschutzsteuer an die Gemeinden ausgeschüttet werden. Nach dem Brandschutzgesetz erhalten die Gemeinden 70, die Landkreise 30 Prozent. Insgesamt werden drei Millionen Euro verteilt. Die 30 Prozent der Landkreise könnten auch den Gemeinden zugute kommen. In den vergangenen Jahren investierte der Landkreis Jerichower Land diese Mittel allerdings in eigene Maßnahmen.

Und in dem Schreiben werden noch weitere Vorschläge gemacht, um die freiwilligen Feuerwehren auch in den kommenden Jahren schlagkräftig zu gestalten. Für Burchhardt gehören dazu die Fortsetzung der Führerscheinförderungen, die Ausweitung der zentralen Beschaffung auch auf Kleinfahrzeuge wie Mannschaftstransportwagen und Einsatzleitfahrzeuge. Zudem gebe es einen erhöhten Bedarf an Fördermitteln zur Beschaffung neuer Fahrzeuge und den Bau sowie Umbau von Gerätehäusern.

„Nicht alle Vorschläge kosten Geld, vor allem ist die Anerkennung wichtig“, sagte Burchhardt im Gespräch mit der Volksstimme. Anerkennung statt Beschimpfungen, statt Beschwerden über Lärm, den ein Einsatz der Feuerwehr verursacht hat, das Bilden einer Rettungsgasse – all das gehört für ihn zusammen. Die Aufwandsentschädigung mache aus dem Ehren- noch lange kein Hauptamt. Und das wäre wohl nicht finanzierbar. „Außerdem halte ich das Freiwilligensystem für gut, es muss aber genügend gewürdigt werden“, fasste er zusammen. Jetzt seien Impulse von allen Seiten gefordert, damit die schwierige Situation der Wehren gelöst werden kann.