Burg l „Die Menschen ringsum, auch die Firmen im Industrie- und Gewerbepark, fragen schon mal nach: Was macht ihr da eigentlich“, erzählt Daniel Ahlert, seit Anfang März neuer Leiter der Feuerwehrtechnischen Zentrale des Jerichower Landes (FTZ), dessen Gebäude sich mitten im Gewerbegebiet erhebt. Es ist eine Aufgabe des Landkreises, einen zentralen Dreh- und Angelpunkt zu betreiben, in dem Technik vorgehalten, Ortsfeuerwehren unterstützt und ausgebildet werden können, so Ahlert. „Hier ist der Landkreis in der Pflicht, das ist vom Brandschutzgesetz vorgeschrieben.“

Bundeseigene Technik

Da ist es schon für die Betriebe im Gewerbegebiet an der B 246 a interessant zu wissen, was so ein Stützpunkt leisten kann. Es ist kaum bekannt, dass der Landkreis für größere Einsätze 15 Sonderfahrzeuge, Rettungs-Technik und Ersatzteile vorhält. „Das fängt bei dem Fahrzeug mit einem Wechselladebehälter an, geht über ein TLF 16/25 und hört bei Schere und Spreizer, also den Rettungsgeräten, nicht auf“, erklärt Ahlert. Auch bundeseigene Technik hat der Landkreis, die in der FTZ einsatzbereit gehalten wird. So befindet sich im Landkreis eine vollständige Dekontaminations-Ausstattung für die Abwehr und den Umgang mit atomaren, biologischen oder chemischen Stoffen. Die Besatzungen dieser Spezialfahrzeuge kommen aus den Ortsfeuerwehren. Es stehen ausgebildete Maschinisten und Bediener bereit, um im Alarmfall ihren „Mann“ zu stehen.

Behandlungsplatz für Notfall

„Wir können auch bei einem Massen-Anfall von Verletzten einen Behandlungsplatz für die Versorgung von 50 Menschen pro Stunde einrichten“, sagt der Leiter und kommt zu einer Kernaufgabe der FTZ: Die Sicherstellung der materiellen Versorgung nach und während der Einsätzen, so weit möglich, aller 92 Feuerwehren des Landkreises. Dafür hat die FTZ eine Rufbereitschaft eingerichtet, um bei Bedarf Schläuche, Atemschutztechnik oder Sondertechnik an die Einsatzkräfte auszugeben. Bei größeren Schadenslagen, so Ahlert, nimmt sich der Bereitschaftsdienst ein Fahrzeug und belädt es mit allem, was beim aktuellen Einsatz durch die dortige Ortswehr angefordert und getauscht werden soll. Die benutzten Schläuche oder Atemschutzgeräte nehme er zurück in die FTZ, um sie dann zu prüfen und später wieder an die Stammwehr auszugeben. „Das hat den Vorteil, dass die Feuerwehr vor Ort sofort wieder einsatzbereit ist und wir uns Wege sparen“, so Ahlert.

Etwa 2700 Schläuche prüfen die Mitarbeiter der Zentrale pro Jahr. Nach dem Waschen und Prüfen kommen die Schläuche in den 30 Meter hohen Turm, Markenzeichen der FTZ, zum Trocknen. Je nach Wetter dauere das Trocknen mal länger, mal kürzer, weiß der gelernte Schlauchwart Ahlert, erst dann werde repariert und zusammengerollt.

Schläuche werden geprüft

Woran erkennen die Schlauchwarte, ob ein Schlauch defekt ist? Der Gerätewart prüft den Schlauch mit 12 bis 16 Bar mittels einer extra dafür vorgesehenen Anlage, manche Feuerwehrleute machen einfach einen Knoten an einem der beiden Schlauchenden. So sieht der Prüfer: „Ah, da muss ich genauer gucken.“

Wo Schläuche trocknen

Der Parchauer Daniel Ahlert ist Feuerwehrmann in der dritten Generation. Schon sein Großvater löschte in der Ortswehr Brände. Vater Bernd Ahlert ist auch Feuerwehrmann und leitete bis Dezember 2018 die Feuerwehrtechnische Zentrale.

Schon als Kind interessiert

Daniel Ahlert interessierte sich schon mit zehn Jahren für die Feuerwehr, machte seine ersten Schritte noch bei den „Jungen Brandschutzhelfern“, so hieß zu DDR-Zeiten die Jugendfeuerwehr. Von der obligatorischen Truppmann-Ausbildung über den Gruppen- zum Zugführer qualifizierte sich Daniel Ahlert beim Dienst in der freiwilligen Feuerwehr des Burger Ortsteils Parchau. „Als Gas- und Wasser-Installateur konnte ich meine Kenntnisse im Umgang mit Armaturen und Wasser in meiner Lehrzeit gut anwenden“, sagt Ahlert zu seiner Berufswahl. 2010 bewarb er sich beim Landkreis als Gerätewart mit der Spezialisierung Schlauchwart.

 „Man fängt als Gerätewart an, prüft und repariert Pumpen, Armaturen oder Leitern“, so Ahlert, der erklärt: „Für den fachgerechten Umgang mit Schläuchen muss man auch geschult sein.“ Als Leiter der FTZ sieht er sich als Planer, Koordinator und Berater. „Absprachen mit Werkstätten und Ortswehren durchführen, Angebote einholen, Instandsetzungsaufträge schreiben, aber auch mit zufassen, wenn Not am Mann ist, wenn mal ein Gerätewart Hilfe braucht.“ Da macht es schon etwas aus, wenn ein Chef von der Pike auf gelernt habe.

Die FTZ gehört laut Ahlert zum Sachgebiet 38 der Kreisverwaltung. Zu diesem zählen auch die Leitstelle und die Sachbearbeiter für Brandschutz, Rettungswesen und Katastrophenschutz. „Derzeit arbeiten sie noch in der Bahnhofstraße, doch es ist vorgesehen, dass alles, was zu dem Sachgebiet gehört, hier in die FTZ zieht.“ Bis auf die Leitstelle.

Kreisausbildungsplan

Der zweite Schwerpunkt besteht für Ahlert in der Vorbereitung und dem materiellen Sicherstellen der Ausbildung. Es gibt einen Kreisausbildungsplan, erzählt Ahlert, in dem unter anderem die Standortausbildung und die Übungen festgelegt sind. Am Schlauchturm üben die Ortswehren das Eindringen in obere Stockwerke oder das Retten. Als Herzstück der FTZ gilt die Atemschutzübungsanlage – unter den Fachleuten auch „Käfig“ genannt.

Zirka 28 Belastungsübungen mit jeweils 20 Teilnehmern stehen hier pro Jahr an. „Dazu kümmern wir uns um alles, was mit Atemschutz zu tun hat.“ In einer extra dafür ausgerüsteten Werkstatt zerlegen, waschen und prüfen die Gerätewarte Sven Fleischhauer und Gerold Wünsch die Atemschutztechnik der Gemeinden und des Landkreises. Im Bestand sind 1492 Masken, 640 Pressluftatmer, 112 Lungenautomaten, 1592 Flaschen und 47 Chemikalien-Schutzanzüge, die nach Herstellerangaben oder Übungen und Einsätzen geprüft werden müssen.

Können wird perfektioniert

Nach einem abgestimmten Plan bringen die Ortsfeuerwehren ihre Fahrzeuge. An ihnen prüfen die fünf Gerätewarte der FTZ die Feuerwehrtechnische Beladung, wie etwa die Atemschutzgeräte, die wasserführenden Armaturen und Pumpen. Die FTZ gilt im Landkreis als Kompetenz-, Ausbildungs- und Anlaufstelle für sämtliche Ortsfeuerwehren, einschließlich der Kinder- und Jugendwehren. „Bei uns“, fasst Daniel Ahlert zusammen, „erlernen die Kameraden neue Kenntnisse und perfektionieren ihr Können“.