Reesen l Auf der Anlage der Agrargenossenschaft Reesen sind nur noch die Reste des Kuhstalls zu sehen. Die Kraft der Flammen hat das Gebäude völlig zerstört. „Das ist schon ein Schlag. Damit rechnet man nicht“, sagt Ernest Golze, verantwortlich für den landwirtschaftlichen Betrieb in Reesen, der nun einen Schaden von rund 400.000 Euro verkraften muss.

Mitarbeiter der Spurensicherung haben am Dienstagmorgen die Arbeit aufgenommen. Um die genaue Ursache ermitteln zu können, wurden auch noch Brandermittler einbezogen. Dann erst wird sich zeigen, ob ein Defekt an der Photovoltaikanlage auf dem Dach die Ursache für das Feuer war. „Ein technischer Schaden ist durchaus möglich. Aber das müssen letztlich die Ermittlungen ergeben“, war aus dem Kreis der Spurensicherung zu hören.

Schlimmstes verhindert

Tatsächlich hätte es noch schlimmer kommen können. Eigentlich waren die Brüder Bernd und Burkhard Rose aus Reesen, beide leidenschaftliche Jäger, am frühen Montagabend zu einer Revierfahrt in der Gemarkung unterwegs, als sie Qualm aus Richtung der Stallanlage der Agrargenossenschaft Reesen sahen. Kurzentschlossen fuhren sie dorthin und sahen den Brand. Sie brachen mit Unterstützung von Ersthelfer Olaf Pfennighaus das Eingangsschloss zur Anlage auf. „Die Einsatzkräfte sollten ja schnell Zutritt haben“, begründet Bernd Rose. Die Anlage war verschlossen, weil um 16 Uhr Betriebsschluss war. Die Flammen loderten schon, als die Ersthelfer eintrafen. Seitlich neben dem Stallgebäude standen rund 40 Rinder, die schnell gerettet werden konnten. „Sie hatten augenscheinlich Zutritt zum brennenden Stall. Es musste verhindert werden, dass die Tiere da wieder reinlaufen“, erzählt Bernd Rose. Dann hieß es, die noch im Stall befindlichen Rinder herauszuholen. Die Zahl der getöteten Rinder, darunter auch ein Kalb, wurde am gestrigen Dienstag auf neun aktualisiert. Sieben der toten Tiere befanden sich am Dienstagvormittag noch im Stallgebäude, zwei außerhalb. Entgegen ersten Informationen am Brandabend musste kein Tier erschossen werden.

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Der bis auf die Grundmauern abgebrannte Kuhstall war der modernste der Agrargenossenschaft. Er wurde Ende der 1970er Jahre errichtet. Ernest Golze: „Er war der Dreh- und Angelpunkt der gesamten Stallanlage.“ Die geretteten Rinder wurden nun erstmal im Ferch untergebracht.

Eine der größten Einsätze 2020

Beeindruckt vom Einsatz der Kameraden und Kameradinnen zeigte sich der Reesener Ortsbürgermeister Otto Voigt (SPD) auch am Dienstagvormittag. „Der Einsatz der Feuerwehren war beispielgebend. Sie haben alle über viele Stunden ihr Bestes gegeben. Hier zeigte sich wieder einmal, dass die Feuerwehr in jedem Dorf dringend gebraucht wird.“ Und der Vorsitzende der Agrargenossenschaft, Hans-Georg Meyer, hatte schon am Brandabend den Einsatzkräften seinen Dank ausgesprochen.

Das Feuer beschäftigte gestern auch noch die Burger Wehr, die allein mit 26 Mitgliedern und fünf Fahrzeugen in Reesen angerückt war. So standen Reinigungs- und Wartungsarbeiten auf dem Plan. „Das war neben dem Waldbrand im Stadtwald im Frühjahr einer der größten Einsätze in diesem Jahr“, sagte Ortswehrleiter Jens Wiedemann. Insgesamt waren laut Kreisverwaltung 94 Feuerwehrmänner und -frauen mit den Löscharbeiten beschäftigt, teilte Pressesprecherin Claudia Hopf-Koßmann mit. Alarmiert wurden ebenfalls die Ortswehr Hohenseeden aus Elbe-Parey und die Genthiner Stadtwehr, die mit einer Drehleiter und einem Tanklöschfahrzeug anrückte. Durch das Feuerwehrtechnische Zentrum in Burg wurden 112 Schläuche getauscht.