Burg/Tucheim l Der Westwind peitscht durch den Fiener über die Äcker und Wiesen. Ein großer Sprung von Feldrehen hat sich niedergetan, Hasen hoppeln an den Rändern der neuen landwirtschaftlichen Wege. Wo könnten hier Trappen zu beobachten sein?

Marcus Borchert muss bei dieser Frage nicht lange überlegen und steuert seinen Wagen so gezielt, als würde er die Tagesplätze mit den seltenen Tieren täglich persönlich abstimmen.

Nur hundert Meter von einem Hauptweg entfernt hält der Vorsitzende des länderübergreifenden Fördervereins Großtrappenschutz an, schaut kurz durchs Fernglas und ist binnen weniger Sekunden sicher: „Da steht die ganze Gruppe.“ Und tatsächlich: Nicht zehn, 20, 30 oder 40 Trappen lassen es sich auf dem Wintergetreide gut gehen – es müssen so knapp um die 100 sein, auf der einen Seite die Hähne, dahinter die Hennen. „Diese Geschlechtertrennung ist ganz normal und ändert sich nur während der Paarungszeit ab Mitte April“, sagt Borchert, der die Entwicklung des Tierbestandes seit Mitte der 90er Jahre mit begleitet und um das Auf und Ab der unter Schutz stehenden Vögel bestens weiß.

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Hilfe vom Menschen notwendig

Der Fachmann ist sich sicher: Ohne die Hilfe des Menschen würden heute so gut wie keine Trappen mehr zu sehen sein. Andere Behauptungen, wonach es zu DDR-Zeiten ohne die Schutzprogramme weitaus mehr Trappen gegeben haben soll, weist er zurück. „1997 gab es ganz Deutschland noch 57 Großtrappen, der Tiefststand war im Fiener zur Jahrtausendwende bei fünf Exemplaren erreicht. Seitdem steigt der Bestand stetig an.“

Derzeit sind es rund 100 Trappen, die im typischen Kern des insgesamt 9000 Hektar großen Fiener ihren Platz haben - und an diesem Beobachtungstag ein eindrucksvolles Bild ergeben. In Deutschland tummeln sich heute wieder rund 300 Tiere, vornehmlich im Havelländischen Luch, den Belziger Landschaftswiesen und im Fiener. Für Marcus Borchert ist dies ein Beleg, dass die Population durch „bewusste Hilfen und Förderungen“ deutlich ansteigen konnte. Die Trappen-Zahl sei auch deshalb stetig gewachsen, weil es neben den Auswilderungen auch immer mehr Tiere gibt, die sich im Freiland entwickeln. So konnten in den zurückliegenden zehn Jahren mehr als 40 flügge Küken gezählt werden.

Ein absolutes Rekord-Jahr war für den Verein 2018, als innerhalb des Schutzzaunes im etwa 140 Hektar großen Naturschutzgebiet elf Wildküken aufwachsen konnten, außerhalb waren es zwei, die leider nicht flügge wurden. „Allerdings werden für einen stabilen Bestand pro Jahr durchschnittlich 20 flügge Jungtrappen benötigt“, erläutert Borchert.

Elf Wildküken in 2018

Bis diese Zahl erreicht ist, könne auf Auswilderungen nicht verzichtet werden. Und auch nicht auf die 19 Hektar große Fläche im Herzen des Fiener Bruch, die die Trappen zum Brüten annehmen und die Schutz vor Füchsen oder Marderhunden bietet. „Etwa ein Drittel der weiblichen Trappen nutzt diese Brutfläche“, erläutert Borchert. Verlaufen Brut und Aufzucht erfolgreich, verlassen die Hennen mit ihren Küken sechs bis zehn Wochen nach dem Schlüpfen das sichere Areal.

Damit sie in der freien Landschaft überleben, müssen die natürlichen Feinde kurz gehalten werden. Das gelinge nur in einer engen Partnerschaft mit den örtlichen Jägern, versichert der Vereinsvorsitzende. So gäben sich die Weidmänner aus Tucheim, Paplitz und Karow alle Mühe, damit die erwähnten Füchse oder Marderhunde nicht Überhand nehmen. „Die Kooperation klappt gut“, versichert Borchert. Auch viele Landwirte ziehen beim Trappenschutz seit Jahren mit an einem Strang – beispielsweise bei der Abstimmung zu Gelegeschutzzonen, Mahdterminen oder beim Anlegen von Blüh- oder Altgrasstreifen. Denn nur eine breite Artenvielfalt sichere die Trappenbestände langfristig.