Aufführung

Film von 1936 auf Dachboden

Auf einem Dachboden in Schopsdorf wurde ein 80 Jahre alter Film gefunden. Am 20. Mai soll er gezeigt werden.

Von Tobias Dachenhausen

Magdeburgerforth l Schwarz-weiß, stumm, mit Schriftzügen werden kommende Aufnahmen angekündigt. Der Film beginnt mit Sequenzen aus Gloine, wechselt zu den Schwänen auf dem Dorfteich in Magdeburgerforth. Ein Bus hält vor der Drewitzer Kirche. Ein Flugzeug und eine Kleinbahn huschen durch das Bild. In der nächsten Einstellung stehen Zuschauer an der leeren, neu gebauten Autobahn und schauen überrascht dem überschaubaren Verkehr hinterher. Anschließend planschen viele junge Menschen in der Badeanstalt von Magdeburgerforth – die „Perle der Jerichower Schweiz“, wie es in dem Film heißt. 20 bis 25 Minuten werden weitere Bilder aus der Region gezeigt. Das Werk stammt aus dem Jahr 1936, gedreht von Richard Kauert.

Dem Onkel von Wolfgang Kauert aus Drewitz, der von diesen Aufnahmen nichts wusste. Emotional war der Moment, als er sich das Werk anschaute. „Ich war den Tränen nah. Es ist einfach toll, wenn man soweit zurückblicken kann“, sagt der Drewitzer noch immer gerührt. Aufnahmen von seinem Großvater mit Spitzbart oder den Menschenmengen in Magdeburgerforth hätten ihn glücklich gemacht. „Dass hier so viel los war, ist wirklich unglaublich“, sagt Kauert. Das Hobby seines Onkels hat er ab den 70er Jahren fortgeführt und eigene Filmaufnahmen der Region gemacht. Zum Film von 1936 sagt er nur: „Da sind einige interessante Sachen drauf, die sicher auch andere Menschen aus der Region interessieren dürften.“

„Ein Sensationsfund“, sagt Rolf Czapiewski. Anfang April ist er in den Besitz des Filmes gekommen. Der Finder hat ihn beim Kleinbahnverein abgegeben. „Als wir zur Saisoneröffnung im dortigen Café waren, wurde ich angesprochen, ob ich da nicht was machen könne.“ Er konnte. In seinem kleinen Kino in der ehemaligen Schule in Magdeburgerforth hat er die entsprechende Technik. „Die Filmrolle war an vielen Stellen gerissen und musste entsprechend restauriert werden“, erklärt Czapiewski. Mit Filmkleber ist es gelungen, den Film fast ruckelfrei wieder herzustellen. Dann wurde er mit einer entsprechenden Kamera abgefilmt. Insgesamt hat es vier Stunden gedauert. „Es ist ein Unikat und eine einmalige Dokumentation für die Region“, sagt er.

„Wahnsinn“, sagt auch Edeltraud Hube vom Magdeburgerforther Heimatverein, nachdem sie gerade den Film gesehen hat. „Wir haben gerade angefangen eine Chronik des Ortes zu erstellen. So etwas dann zu sehen, ist natürlich etwas schönes für die Region“, macht sie deutlich.

Die Filmaufnahmen seien für die damalige Zeit enorm innovativ gewesen. Nach Einschätzung des Experten sei der Film auf einer seltenen Siemens-Filmkamera aufgenommen worden. „Die habe damals um die 3000 Reichsmark gekostet und war sehr kostbar“, erklärt Czapiewski.

Das fertige Werk soll am 20. Mai im kleinen Kino in der Alten Schule in Magdeburgerforth ab 19 Uhr gezeigt werden. „Ich könnte mir vorstellen, dass sich viele für die Aufnahmen interessieren.“ Entsprechende Aushänge will Czapiewski in den nächsten Tagen verteilen. Zudem ist er stets auf der Suche nach alten Filmen, die er kostenlos digitalisieren würde.

Wolfgang Kauert habe ihm bereits eine Tüte mit 25 Filmen aus den 50er und 60er Jahren gegeben. „Ich bin gespannt, was dort noch für Schätze zum Vorschein kommen“, sagt Czapiewski mit einem Lächeln im Gesicht.