26 Jahre für sichere Straßen

Im Jahr 1992 wurde die Verkehrswacht gegründet. Anfangs waren der Verein für die Stadt Burg zuständig.

Nach Gebietsreformen fusionierten die Verkehrswachten Burg und Genthin, später kam ein Gebiet aus Zerbst hinzu.

Von einst 40 arbeitenden Verkehrswachten in Sachsen-Anhalt sind inzwischen nur noch 23 aktiv.

Insgesamt 3000 Schüler aus dem Jerichower Land machte die Verkehrswacht im Jahr 2017 fit für den Verkehr.

Burg l „Uns steht die Angst im Nacken“, sagt Joachim Borghans. Seit 26 Jahren ist er fast ununterbrochen Vereinsvorsitzender der Verkehrswacht, noch nie waren die Probleme so akut. Ende des Jahres 2017 bürgt er mit einem Privatkredit für die Verkehrswacht, die er mit Herzblut aufgebaut hat. Der Verein ist am Limit, die Mitarbeiter fühlen sich allein gelassen. In seiner Not wendet sich Borghans an den Landkreis, der bereits vor Jahren finanzielle Hilfe zugesagt hatte.

„Wir können nur auf das Geld hoffen. Noch so ein Jahr schafft die Verkehrswacht nicht“, sagt Borghans. Der Verein arbeitet nicht gewinnorientiert. Die Verkehrswacht finanziert sich durch Spenden und Fördermittel. Trotzdem reicht das Geld kaum aus, um die Rechnungen zu begleichen. Laut Borghans fallen 30.000 Euro für die Betriebskosten am Standort kurz vor den Toren Burgs an. Weitere 90.000 Euro sind Lohnkosten für Mitarbeiter des Bundesprogramms „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“. Damit summieren sich die ständigen Ausgaben der Verkehrswacht auf über 120.000 Euro im Jahr.

Verkehrswacht strauchelt seit Jahren

Das Geld für die Betriebskosten muss erwirtschaftet werden. Die Verkehrswacht bietet Fahrsicherheitstrainings, die Verkehrserziehung in den Kindertagesstätten und Schulen, öffentliche Aktionen sowie Schulungen für Senioren an. Einen Obolus nimmt sie für die Verkehrserziehung, der Großteil der angebotenen Aktionen geschieht ehrenamtlich. Durch Bundesprojekte kann die Verkehrswacht sich über Wasser halten. „Trotzdem leben wir nur von der Hand in den Mund. Wir schaffen es finanziell nicht mehr“, sagt Borghans.

Der 79-Jährige möchte sich am Ende des Jahres in den Ruhestand verabschieden – obwohl er das 2017 schon einmal getan hat. Durch interne Querelen und aus privaten Gründen trat der Vorsitzende Siegfried Weiß, der fortan die Fäden ziehen sollte, wieder zurück. Ein weiterer Schlag für die strauchelnde Verkehrswacht.

Verein steht vor der Schließung

Der Vereinsvorsitzende bat den Landkreis, sich mit jährlich 5000 Euro an den Betriebskosten zu beteiligen. Dies wird nun Thema im Kreistag werden. „Es wäre eine freiwillige Leistung des Landkreises“, betont Landrat Steffen Burchhardt (SPD) auf Volksstimme-Anfrage. Für die Mitglieder der Verkehrswacht ist das ein positives Zeichen – mit einem bitteren Beigeschmack. Bereits 2008 beschloss der Kreistag einen jährlichen Zuschuss von 5000 Euro. Umgesetzt worden ist der Beschluss bis heute nicht. „Zehn Jahre später stehen wir wieder da, wo wir 2008 schon standen“, sagt Borghans.

Der Landkreis wertschätze die Arbeit der Verkehrswacht, unterstreicht Steffen Burchhardt. So könne er sich vorstellen, für das Segment der Verkehrserziehung an Schulen und Kitas eine regelmäßige Unterstützung der Arbeit zu leisten. Wie diese aussehen soll, ließ der Landrat offen.

Positives Signal aus Burg

Dabei gibt es bereits ein positives Beispiel der Unterstützung: Die Stadt Burg übernimmt die Kosten der Verkehrserziehung. Ein Vertrag regelt, dass die Stadt für jedes Kind vier Euro zahlt. Damit wird er Geldbeutel der Eltern geschont. „Eine solche Regelung streben wir in allen Gemeinden an“, sagt Borghans. Dabei sind die Schulen zur Verkehrserziehung gesetzlich verpflichtet – ohne die Verkehrswacht müsste dies in Eigenregie geschehen.

Inzwischen hat der Verein die Schulden an Joachim Borghans zurückgezahlt. Hätte er nicht mit seinem Privatvermögen ausgeholfen, gäbe es die Verkehrswacht Jerichower Land wohl nicht mehr – und ohne Hilfe ist Ende des Jahres Schluss.