Biederitz/Heyrothsberge l Über die Weihnachtsfeiertage hatte das Netzwerk Flüchtlingshilfe keine Veranstaltungen angeboten. Doch am Sonntag gab es im Begegnungscafé ein Treffen zwischen den Helfern und den Flüchtlingsfamilien. Eingeladen waren vor allem Familien mit Kindern, sagt Pfarrer Johannes Henke.

Über die Helfer des Roten Kreuzes, die im Notaufnahmelager des Landes in der Heyrothsberger Feuerwehrschule arbeiten, dringen die Nachrichten von den Angeboten in Biederitz zu den Flüchtlingen, bestätigt Bürgermeister Kay Gericke. Hermetisch wird das Lager von der Außenwelt abgeschirmt. Die Mitglieder des Netzwerkes dürfen die Einrichtung nicht betreten. Empfangen dürfen sie die Flüchtlinge nur außerhalb der Feuerwehrschule.

In die Cafeteria des Gemeindeamtes strömen an diesem Sonntag die Familien. In einem großen Kreis sitzen die Eltern mit ihren Kindern. In der Mitte wartet Ulrike Reinhold mit ihrer Tochter Luise auf die Kinder. Als Engel haben sich die beiden verkleidet. Ulrike Reinhold, die in Nürnberg wohnt, aber aus der Region stammt, betreibt in Nürnberg ein kleines Theater und hat spontan die Kostüme mitgebracht, als sie ihre Eltern besucht.

Zusammen mit den anderen Helfern will sie den Kindern etwas vom christlichen Weihnachtsfest vermitteln. Dazu gibt es jede Menge Kuchen und Kaffee. Die Geschenke für die Kinder sind nach Jahren geordnet. Für Kleinkinder und größere Kinder gibt es kleine Präsente. Einige Kinder stellen sich mehrfach an, um vielleicht mehrere Geschenke zu bekommen.

Neue Angebote

Erst nach einigen Minuten kehrt etwas Ordnung ein. Kurdische, syrische und afghanische Familien nehmen an der Veranstaltung teil, schildert Pfarrer Johannes Henke. In den kommenden Tagen laufen die Angebote des Netzwerkes Flüchtlingshilfe wieder an. Neben dem Begegnungscafé gibt es vor allem regelmäßig Deutschkurse. Diese seien sehr gut besucht und sehr nachgefragt, freut sich der Pfarrer. Die Menschen seien sehr wissbegierig und wollten viel über Deutschland erfahren, hat er erfahren.

Im Begegnungscafé gibt es dagegen regelmäßig Zeit für die Flüchtlinge. An Tischen sitzen dann die Menschen beieinander und versuchen, trotz der Sprachbarrieren eine normale Kommunikation zu führen. Mitunter hätten die Helfer auch noch Kontakt zu Flüchtlingen, die das Lager in der Feuerwehrschule längst verlassen haben, schildert der Pfarrer.

Etwa 50 Freiwillige arbeiten zurzeit in dem Netzwerk mit. Bis zur Erschöpfung seien die Menschen tätig, beschreibt er. Zu den Gruppen gehört noch die Freizeitgruppe, die Angebote für die Flüchtlinge entwickelt, damit die Tage nicht so lang werden. Eine andere Gruppe kümmert sich um die Organisation und den inneren Ablauf und sorgt mit Spendenaktionen dafür, dass die Flüchtlinge unterstützt werden. Immer wieder wenden sich die Mitglieder des Netzwerkes an die Öffentlichkeit, um Spenden für die Menschen zu erbitten. „Die Spendenbereitschaft ist sehr groß“, lobt der Pfarrer. Die Menschen geben gern, hat auch Bürgermeister Kay Gericke die Erfahrung gemacht. Mit seiner Gemeindeverwaltung unterstützt er ebenfalls das Netzwerk und veröffentlicht Aufrufe ebenfalls auf der Internetseite der Gemeinde.

Regelmäßig ist der Gemeindechef bei Veranstaltungen des Netzwerkes dabei. Als die Kinder am Sonntag die Geschenke haben, zieht es die Jungen raus. Vor dem Gebäude wollen sie Fußball spielen. Einer der Jungen lädt den Bürgermeister ein, mitzuspielen. Dankbar lehnt Kay Gericke aber ab. Nach gut zwei Stunden endet die Veranstaltung wieder. Die Familien laufen die kurze Strecke zum Haupteingang der Feuerwehrschule zurück. In den kommenden Wochen werde viele von ihnen noch öfter die Angebote des Netzwerkes nutzen und in Gesprächen mit den Helfern viel über ihr Gastland erfahren.

Das Interesse an dem Land, sagen die Helfer, ist bei allen stark gestiegen.