Ärztemangel in Sachsen-Anhalt

Als Förderregionen bei der Versorgung von Hausärzten gelten die Gebiete Bitterfeld-Wolfen, Burg, Dessau-Roßlau, Eisleben, Gardelegen, Halberstadt, Haldensleben, Halle-Umland, Jessen, Salzwedel, Sangerhausen, Staßfurt und Wernigerode.

Bei den Augenärzten besteht Bedarf in den Städten Zerbst und Magdeburg.

Im Altmarkkreis Salzwedel droht eine Unterversorgung an Hausärzten.

In der Region Magdeburg werden Kinder- und Jugendpsychiater gesucht.

Burg l Immer mehr Ärzte im Jerichower Land haben Probleme, einen Nachfolger zu finden. Die Folge sind Praxisschließungen. Das Personal ist überlastet, die Kapazitäten erschöpft, Patienten nehmen immer weitere Wege auf sich. Um dem Ärzteschwund entgegenzutreten und mehr junge Mediziner ins Jerichower Land zu locken, soll ein Förderprogramm helfen.

Die gesetzlichen Krankenkassen und die Kassenärztliche Vereinigung wollen in den kommenden drei Jahren insgesamt 2,8 Millionen Euro investieren, um überall im Land die Versorgung mit Vertragsärzten sicherzustellen. Somit können unter anderem Praxisgründungen oder -übernahmen in den Förderregionen, zu denen Burg und Zerbst zählen, mit einem Zuschuss von bis zu 60.000 Euro gefördert werden. Anstellungen von Ärzten können in bestimmten Regionen mit bis zu 10.000 Euro gefördert werden.

In Burg und Zerbst fehlen Ärzte

Zu den Förderregionen in Sachsen-Anhalt zählen unter anderem Burg und Zerbst. Der einen Stadt fehlen die Hausärzte, der anderen droht eine Unterversorgung bei Augenärzten. Laut Kassenärztlicher Vereinigung kommen in Burg 1611 Patienten auf einen Arzt, in Genthin sind es 1587. Eine Unterversorgung droht, wenn diese Zahlen drastisch steigen – die Arbeit ist für die Ärzte dann nicht mehr zu schaffen.

Die entsprechende Förderung müssen junge Mediziner beantragen. Bereits im Studium können sie von den finanziellen Mitteln profitieren – wenn sie sich für ein Studium an Sachsen-Anhalts Universitäten entscheiden. Seit 2010 bietet die Kassenärztliche Vereinigung Stipendienprogramme für Medizinstudierende an, die ihre Tätigkeit nach einer Weiterbildung zum Allgemeinmediziner in Sachsen-Anhalt aufnehmen wollen. Im Zuge dieser Weiterbildung legen sich die jungen Ärzte auf bestimmte Regionen fest, in denen sie arbeiten wollen – und in denen eine Unterversorgung droht.

Zwei junge Mediziner kommen nach Burg

Derzeit befinden sich laut Janine Krausnick, Pressesprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung, zwei Ärzte in dieser Weiterbildung zum Allgemeinmediziner. Beide Mediziner haben angegeben, später in der Region Burg als Hausarzt tätig werden zu wollen. Das Förderprogramm zeigt also erste Ergebnisse und macht Hoffnung.

Inzwischen haben 110 Stipendiaten in Sachsen-Anhalt das Programm in Anspruch genommen, davon befinden sich derzeit 50 in der Weiterbildung. Wenn sich noch mehr für das Jerichower Land entscheiden, ist die drohende Unterversorgung abgewendet.

Junge Ärzte binden sich an Regionen

Doch kann man junge Menschen wirklich mit finanziellen Mitteln an ländliche Gebiete binden? „Unsere Erfahrung zeigt, dass Ärzte sehr genau wissen, in welcher Region sie ansässig werden wollen und damit auch eine entsprechende Bindung eingehen“, sagt Janine Krausnick.

Mindestens vier Jahre binden sich die Ärzte an eine Region, wenn sie die Förderung in Anspruch nehmen. Sollten sie die Verpflichtungen nicht einhalten, müssen die Fördermittel zurückgezahlt werden. Die Erfahrung zeige laut Krausnick, dass die Ärzte auch nach Ablauf der vier Jahre in den Orten bleiben.

Wohlfühlfaktor in ländlichen Gebiet

Dass junge Ärzte gefördert werden, ist für die Ärztekammer Sachsen-Anhalt ein Erfolg. „Wir sind froh über jede Förderung, die die Ärzte auf das Land bringt“, sagt Tobias Brehme, Pressesprecher der Ärztekammer. Gerade die Möglichkeit, junge Ärzte anzustellen, sei für diese attraktiv, denn eine Praxisübernahme sei ein großer Schritt. Die Angst vor der Selbständigkeit plagt auch junge Mediziner.

Um ländliche Regionen für junge Menschen attraktiv zu machen, müsse laut Tobias Brehme „das Drumherum“ stimmen: „Junge Ärzte wollen Kindertagesstätten und Schulen in ihrer Nähe sowie eine funktionierende Infrastruktur – wie der Rest der Bevölkerung auch.“ Arbeits- und Privatleben müssen in einem Einklang stehen, damit junge Mediziner sich wohlfühlen und bereit sind, zu bleiben.