Büden l Für Christian März und einige andere Büdener seiner Generation gilt die aktuelle Friedhofsatzung der Stadt Möckern nicht. Christian März hat diese Welt im Jahr 1911 verlassen, das belegen die Lebensdaten auf seinem Grabstein. Denn der steht – aller sonst üblichen Nutzungsfristen und Pflegepflichten zum Trotz - reichlich überwuchert und schon etwas schräg auch im Jahr 2020 immer noch auf dem Büdener Gottesacker.

Im Ortschaftsrat von Büden stört sich keiner daran, dass auf dem sogenannten Gräberfeld 1 im nördlichen Teil des Friedhofes sowie im oberen Randbereich etliche Gräber aus den letzten beiden Jahrhunderten ungepflegt zuwuchern. Im Gegenteil, längst ist für sie dieser Teil des Friedhofes zu einer Art Denkmal geworden.

Besagter Teil hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einem mystischen Fleckchen entwickelt, auf dem manch ein Fotograf nur zu gerne seine morbid-schönen Schwarz-Weiß-Aufnahmen anfertigen würde.

Pflegeaufwand hoch

Doch es gibt auch Menschen, die Probleme mit diesem Zustand haben. Zum einem stehen die ungepflegten Grabstätten bei aller Romantik der gepflegten Umgebung der anderen Grabfelder mit noch laufenden Liegefristen entgegen, zum Anderen erschweren sie dem Friedhofsteam der Stadt Möckern die Pflege des gesamten Friedhofes. „Zum Teil müssen die Mitarbeiter hier mit dem Freischneider arbeiten“, führte Stadtmitarbeiterin Gudrun Donner gegenüber den Büdener Ratsleuten aus. Der Ortschaftsrat hatte sich unlängst getroffen, um über die künftige Belegung und konzeptionelle Entwicklung des Friedhofes zu entscheiden.

In seiner Sitzung beschloss der Ortschaftsrat daher, dass künftig alles seine Ordnung haben soll: Wenn schon nicht auf dem besagten Gräberfeld, so doch wenigstens auf dem Papier. Laut Friedhofssatzung ist der Ortschaftsrat für die Anlage und auch für die Schließung von Grabfeldern zuständig.

Man einigte sich darauf, einerseits das große historische Gräberfeld 1 auch weiterhin sich selbst überlassen. Es erfolgt keine Pflege mehr, auch keine Baumpflege. Das Feld wird für den Zugang gesperrt. Auch die am nördlichen Seitenrand befindlichen Grabfelder dürfen ungepflegt weiter verwildern.

Das gegenüberliegende noch in Nutzung befindliche Gräberfeld soll dagegen in einen durchweg satzungskonformen Zustand gebracht werden. Das bedeutet, dass die dort seit Jahrzehnten abgelaufenen Gräber ungeachtet ihres möglicherweise historischen Wertes abgeräumt werden. Gemeinsam mit dem Ortschaftsrat solle entschieden werden, inwieweit erhaltenswerte Grabsteine umgebettet werden können. Dazu könnte sowohl das Grabfeld 1, als auch das ehemalige Kindergrabfeld genutzt werden. Letzteres soll ebenfalls so erhalten werden. Büdens Ortsbürgermeisterin Erika Specht sprach aus, was wohl einige Büdener denken: „Es würde mir schwerfallen, diese Gräber abzuräumen und einzuebnen.“

Langfristig sei geplant, den nördlichen Teil des Friedhofes zu schließen, so Verwaltungsmitarbeiterin Gudrun Donner. Der nun vom Ortschaftsrat bestätigte Beschluss sieht vor, dass neue Grabstellen nur noch auf einem Gräberfeld im südlichen Teil vergeben werden sollen.

Ein benachbartes Feld im Südteil steht für Bestattungen in der Reihengrabgemeinschaftsanlage und in der Urnengemeinschaftsanlage zur Verfügung. Wie fast überall dominiert auf dem Büdener Friedhof mit über 90 Prozent die Urnenbestattung. Jährlich finden hier im Durchschnitt zwei bis drei Bestattungen statt.