Burg l Die kleine Fichte ist völlig vertrocknet, durch Borkenkäfer dem Untergang geweiht. Dabei ist sie etwas Besonderes: Als sogenannter Partnerbaum steht sie auf dem Burger Ostfriedhof und bietet eine Überdachung für Urnen, die in der darunter liegenden Erde beigesetzt sind. Nun müssen alle 20 Partnerbäume, die vom Schädling befallen sind, entfernt werden.

Braune Nadeln

"Der Borkenkäfer wird angelockt von den Zapfen der Fichten, die nach Harz duften. Dann sticht er sie und legt seine Eier in der Rinde ab. Die Larven fressen dann den Bast und der Baum stirbt ab", erklärt Wieland Günther. Er ist zuständiger Baum- und Grünflächenexperte der Stadtverwaltung Burg und kennt sich aus. Wenn der Baum grüne statt brauner Nadeln abwerfe, sei das ein sicheres Zeichen dafür, dass etwas faul ist.

"Bis in die 80er Jahre hinein wurden hier auf diesem Friedhof hauptsächlich Fichten und Blautannen gepflanzt, damit es schön grün aussieht", erinnert sich Wieland Günther. Da sich Borkenkäfer fast ausschließlich in Fichten fortpflanzen, bieten ihm Fichtenmonokulturen - wie auf dem Ostfriedhof - optimale Bedingungen.

Wurzelfräsen schädigt Urnen nicht

Neben den allgemeinen Friedhofsbäumen sind auch sogenannte Partnerbäume vom Schädlingsbefall betroffen. Die Grabnutzer wählen aus, welcher Baum ihnen gefällt und dieser wird dann auf dem Friedhof gepflanzt. Im Boden unter den Wurzeln werden die jeweiligen Urnen beigesetzt - bei Partnerbäumen sind es zwei, bei Gemeinschaftsbäumen bis zu zwölf Urnen.

Obwohl es nötig sei, auch die Wurzeln der Bäume zu entfernen, werde "der Seelenfrieden der Verstorbenen nicht angetastet", sagt Günther. Er zeigt an einem kleinen Exemplar, dass die eingesetzte Fräsmaschine nur soweit schneidet, wie die Wurzel reicht - in jedem Fall nicht so weit, dass sie die Urnen am Rand des Grabfeldes erreicht.

Es sei nur schlimm für die Angehörigen, dass der Baum, den man sich ursprünglich ausgesucht hat, weg ist. Aber zeitnah soll dann ein neuer Baum an der gleichen Stelle gepflanzt werden, um den Verlust auszugleichen.

Zentimeter für Zentimeter

Kleine Bäume, die von Käferlarven befallen sind, graben die Friedhofsmitarbeiter samt Wurzel selber aus. Die bis zu 70 Meter hohen Exemplare müssen mittels einer Fräsmaschine abgetragen werden. Diese wird aus Magdeburg angeliefert. Ein horizontales Kreissägeblatt arbeitet sich dann Zentimeter für Zentimeter durch das Holz. Dieses Vorgehen ist effektiv, aber nicht gerade kostengünstig: 50 Euro pro Zentimeter fallen für die Friedhofsverwaltung an Kosten an.

Äste werden verbrannt

"Die Grabnutzer werden aber nicht zur Kasse gebeten", stellt Günther klar. Sie haben einen einmaligen Betrag von circa 1500 Euro gezahlt, für die Pflege und Instandhaltung kommt die Stadt auf. Langfristig könne es höchstens sein, dass die Gebühren angehoben werden, um weiter kostendeckend arbeiten zu können. Hinzu kommt: Würden die gefällten Bäume nur kompostiert oder als Sägespäne auf dem Friedhof belassen, krabbeln die Larven heraus und befallen den nächsten Baum, wie Baumexperte Günther erklärt. "Wir haben uns deshalb bemüht, beim Landkreis eine Genehmigung zu erhalten, dass wir die Äste verbrennen dürfen."

In der kommenden Woche sollen die Fräsarbeiten auf dem Ostfriedhof beginnen.