Gemeindehaus

Frist für Förderung abgelaufen: Heimatverein Parchau kann alte Schule nicht kaufen

Vereine brauchen ein Zuhause, in dem sie aktiv sein können. Für die Parchauer Vereine galt bisher die alte Schule als klarer Favorit, doch die Verkaufsverhandlungen mit der Stadt Burg zogen sich in die Länge. Jetzt haben die Vereine andere Möglichkeiten gefunden.

Von Thomas Skiba und Mario Kraus
Der Backsteinbau gilt als kleines Wahrzeichen für Parchau. Auch als Vereinshaus kommt es nun nicht mehr in Frage.
Der Backsteinbau gilt als kleines Wahrzeichen für Parchau. Auch als Vereinshaus kommt es nun nicht mehr in Frage. Foto: Thomas Skiba

Parchau/Burg - Eine unendliche Geschichte geht wohl jetzt zu Ende: Der Heimatverein Parchau wird das ehemalige Gemeindehaus doch nicht übernehmen. Mittlerweile sei zu viel Zeit ins Land gegangen, sagt dessen Vorsitzender Jörg Schade: „Wir haben den Förderanspruch auf Leader-Mittel verloren, da wir uns mit der Stadtverwaltung nicht einigen konnten.“

75-prozentiger Zuschuss möglich gewesen

Die Vorgeschichte: Der Heimatverein wollte das ehemalige Gemeindebüro, ein markanter Backsteinbau aus dem Jahr 1910, für einem symbolischen Euro von der Stadt erwerben. Zur Erneuerung der Anschlüsse für Wasser, Strom und Gas beantragte der Vorstand Fördermittel. „Uns hätten diese Arbeiten rund 100 000 Euro gekostet, die hauptsächlich über Fördermittel bezahlt worden wären“, erläutert Schade. „Der große Vorteil wäre hier der 75-prozentige Zuschuss durch Leader gewesen.“ Das bedeutet: Bei einer geschätzten Investitionssumme von 100 000 Euro hätte der Verein eine Förderung in Höhe von 75 000 Euro bekommen – bei einem Eigenanteil von 25 000 Euro. Nicht gerade wenig, aber gemeinsam machbar, waren sich alle Akteure im Ort sicher.

Neben Spenden hätten die Vereine auch aus Veranstaltungen Geld beisteuern müssen, denn in das Gebäude müsse in jedem Fall investiert werden. Gespräche mit potenziellen Firmen liefen bereits. Dazu stellte der Verein Anträge, fügte ein Konzept bei und hoffte auf Zuspruch. Schade zufolge rutschten die Parchauer auf einen Platz in der Rangliste, der auf eine Zusage der Fördermittel hoffen ließ. In der zweitgrößten Ortschaft von Burg mit 940 Einwohnern gibt es schließlich ein reges Vereinsleben. Ob Natur- und Heimatverein, Angelverein, Sportverein, Laienspielgruppe, Posaunenchor oder die Ortsgruppe der Volkssolidarität – mehrere Hundert Einwohner haben sich hier zusammengefunden. „Auf diese breite Vielfalt können wir wirklich stolz sein“, sagt Ortsbürgermeister Lutz Wernecke. Vor allem auch, weil auf diese Weise junge Leute das Dorf für sich entdecken „und auch dauerhaft bleiben wollen“. Was bisher fehlte, ist jedoch eine Art zentraler Anlaufpunkt, eine Heimstätte für die vielen Aktiven, um sich auszutauschen, zu proben oder kleinere Treffen abzuhalten. Darum haben sich alle Vereine und Freundeskreise für die ehemalige Schule in der Kleinen Schulstraße entschieden, in dem einst mehrere Generationen unterrichtet wurden.

Stadt Burg muss ausschreiben

Doch die Stadt sei daran interessiert gewesen, so Schade weiter, das Haus anderweitig zu veräußern, um einen höheren Preis zu erzielen. Über diese Angebotserstellung und Prüfung ging Zeit ins Land. Das bestätigt Bernhard Ruth, Pressesprecher der Stadtverwaltung. „Wir sind bei einem angedachten Verkauf von kommunalem Eigentum zur Ausschreibung verpflichtet.“ Ziel sei es immer, einen marktüblichen Preis zu erzielen. Gelinge das nicht, stehe einer Abgabe an Interessenten für den symbolischen Euro nichts mehr im Weg. „Die Ausschreibung dauert und die Fristen dafür sind vorgeschrieben“, so Ruth weiter. Eine Nutzung des Gebäudes als Stützpunkt für Vereine, bei dem die Stadt Besitzer bleibt, kommt für Ruth ebenfalls nicht in Frage. „Das Betreiben von Vereinshäusern zählt unter freiwillige Aufgaben – und die sind für Burg jetzt schon zu hoch“, heißt es aus der Stadtverwaltung. Neun Prozent sind es derzeit, was die Stadt für Vereine, Anlagen, Sportplätze und Parks ausgibt, unter anderem fällt die Pflege der Laga-Flächen darunter. „Drei Prozent dürfen es aber nur sein, das mahnt uns die Kommunalaufsicht in unseren Haushaltsaufstellungen jedes Mal an“, so der Pressesprecher. Damit seien der Verwaltung die Hände gebunden. Darauf hatte bereits der ehemalige Burger Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) vor Monaten hingewiesen: „Wir können nicht einfach ein Objekt verschenken. Schließlich befindet sich Burg in der Haushaltskonsolidierung.“

Alternativobjekt gefunden

Für die Parchauer eine schlechte Nachricht, da mit der Ausschreibung kostbare Zeit ins Land ging. „Die Bürokratie ist da unerbittlich. Für eine Zusage der Fördermittel hätten wir Eigentümer sein müssen und das wurden wir nicht“, sagt Heimatvereinsvorsitzender Schade und ärgert sich: „Die Leader-Gelder sind jetzt passé.“ Vor Kurzem erst lief die Ausschreibung ab, es fand sich kein Käufer und die Stadtverwaltung bot dem Verein das Haus für den symbolischen Preis zum Verkauf an, „doch was nützt uns das, wenn wir jetzt kein Geld für die notwendigsten Arbeiten haben“.

Mittlerweile verhandeln die Vereine über eine andere Bleibe und das Backsteingebäude stehe nicht mehr ganz oben auf der Wunschliste. Ob es eventuell für den obligatorischen Euro doch noch übernommen wird, entscheide sich danach, „ob wir über Firmen und Sponsoren unterstützt werden“, so Schade. Ansonsten geht das markante Gebäude wohl den gleichen Weg wie viele nicht genutzte Objekte: Es könnte abgerissen und die Freifläche dem Kindergarten zur Verfügung gestellt werden.

Der Vorsitzende des Natur- und Heimatvereins Parchau, Jörg Schade, brütet über den Schriftverkehr mit der Stadt.
Der Vorsitzende des Natur- und Heimatvereins Parchau, Jörg Schade, brütet über den Schriftverkehr mit der Stadt.
Foto: Thomas Skiba