Burg/Magdeburg l Der 4. Mai ist vielen Fans des 1. FC Magdeburg (FCM) wohl noch in Erinnerung. Und das nicht wegen der Niederlage ihrer Mannschaft, die an diesem Tag beim Auswärtsspiel in Bochum mit 2:4 unterlag. Sondern vielmehr, weil ungefähr 700 FCM-Anhänger von der Polizei rund drei Stunden auf dem Bochumer Hauptbahnhof festgehalten wurden – und das zwei Stunden vor Spielbeginn.

„Da muss noch viel aufgearbeitet werden. Die offizielle Begründung der Polizei war, dass kurz vor der Einfahrt Pyrotechnik im Zug gezündet und herausgehalten wurde“, sagt Maik Barthel. Der Anwalt fragt sich jedoch, wie die Polizei dann so schnell mit so viel Beamten am Hauptbahnhof sein konnte. Seine Vermutung: „Das war nur ein Vorwand für geplante polizeiliche Maßnahmen.“ Er weist zudem darauf hin, dass es sich um einen Sonderzug handelte, der von der aktiven Fanszene gebucht worden war. „Das ist ein extremes Beispiel, bei dem wir ins Spiel kommen“, sagt Maik Barthel. Der Burger ist Mitglied und Anwalt der Magdeburger Fanhilfe.

Der 2015 gegründete Verein, der sich laut Satzung als „Solidargemeinschaft“ versteht, hat derzeit 530 Mitglieder, „Tendenz stetig steigend“, wie Maik Barthel sagt. So sind allein seit Jahresbeginn rund 100 neue Mitglieder hinzugekommen. Vor allem seit dem „Fall Bochum“ sei die Anzahl nochmal deutlich angestiegen. Mehrere Betroffene haben sich an ihn gewandt. „Das hat uns viel Arbeit beschert. Wir werden uns sehr genau ansehen, was ihnen vorgeworfen wird und dann überlegen, wie wir vorgehen.“

Treuer FCM-Anhänger

Der 45-Jährige ist selbst ein treuer Anhänger des FCM. „Als 15-Jähriger habe ich das erste Spiel, damals noch im Ernst-Grube-Stadion, besucht“, erinnert er sich. In der Nachwendezeit hat er Jura in Jena studiert und sein Referendariat in Potsdam absolviert, bevor er zurück in seine Heimatstadt Burg gezogen ist, wo er eine Anwaltskanzlei betreibt.

Als Fan sei es ihm ein besonderes Anliegen, andere Fans zu beraten und zu unterstützen. Weitere Fälle, mit denen er beispielsweise konfrontiert ist, betreffen Stadion- und Betretungsverbote, die sich gar auf das gesamte Stadtgebiet beziehen können. Ein Widerspruch der Betroffenen bringe nichts, da sofortige Vollziehung gilt. „Sie müssten dann zum Gericht und vorläufigen Rechtsschutz beantragen. Das ist eine Hürde, die der Adressat nicht so einfach überwindet“, sagt Maik Barthel.

Er wendet sich dann an die betreffenden Stellen, um dagegen vorzugehen, wenn das Verbot „unbegründet oder sogar rechtswidrig ist.“ Für den entsprechenden Spieltag ist es dann zwar meist zu spät, aber es würde sich auch im Nachhinein noch lohnen, damit ständiger Wiederholung vorgebeugt werde und „der Schabernack unterbleibt“.

Rechtzeitig zum FCM-Spiel

Überhaupt ist die Zeit ein wichtiges Kriterium. „Vor dem Spiel wollen die Fans rechtzeitig zum Anpfiff im Stadion sein; danach müssen sie ihre Mitfahrgelegenheit erwischen.“ Wenn sie von der Polizei aufgehalten werden, müsse es also häufig schnell gehen. Und dann klingelt das Handy von Maik Barthel, der das Notfalltelefon betreut. „Ich versuche, mich mit dem Einsatzleiter verbinden zu lassen, um vielleicht schon telefonisch etwas regeln zu können.“

Ansonsten haben die Betroffenen lediglich die Pflicht, den Beamten ihre Personalien preiszugeben. „Alles andere, versuchen wir später zu klären.“ Teilweise handele es sich aber auch um Kleinigkeiten, „beispielsweise wenn ein Eingang kurzzeitig von Beamten versperrt wird“ und die Leute befürchteten nicht rechtzeitig auf die Tribüne zu gelangen.

Er habe aber auch die Erfahrung gemacht, dass bei Fußballfans wegen Delikten ermittelt wird, die im „normalen Leben“ nicht so streng verfolgt würden und nennt als Beispiel die Beleidigung „Bullenschwein“.

Gewalt schon immer Thema

Doch es gibt auch Fälle, bei denen die Fanhilfe nicht einschreitet. „Politisch motivierte Delikte erfahren keine Unterstützung. Wir sind politisch und weltanschaulich neutral und dulden keine extremistisch motivierten Vorgehen. Das hat auch nichts mit unserem Arbeitsziel zu tun“, macht Maik Barthel deutlich.

Gewalt sei im Fußball leider schon immer ein Thema und er schätze die Anwesenheit der Polizei sehr, „um das Sicherheitsgefühl der Bürger zu stärken.“ Es gebe aber Polizeipräsenz, „die rational nicht mehr zu begründen ist.“ Durch die Polizeiabsperrungen würden beispielsweise Bürger in ihrer Freiheit beschränkt. Er habe es selbst schon erlebt, dass er nach dem Spiel nicht zum Auto gekommen ist. „Es hätte mir ja ein gegnerischer Fan über den Weg laufen können.“ Auch das Auffahren von Wasserwerfern und den Einsatz von Helikoptern empfindet er als „unverhältnismäßig“.

„Ich gehe mit meiner zwölfjährigen Tochter ins Stadion. Wir haben keine Angst. Für uns ist das ein Erlebnis. Es geht um Fußball“, resümiert er.

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