Burg l Sicherheitskonzept – diesen Begriff kannte man in der Verwaltung des Jerichower Landes bislang nur im Zusammenhang mit Veranstaltungen, wenn der Verkehr, der Einzelhandel, das Rettungswesen unter die Lupe genommen, aufeinander abgestimmt werden. Damit die Gaststätten im Jerichower Land bereits am Montag und nicht erst am kommenden Freitag öffnen durften, hatte das Land zwei Auflagen erteilt. Zum einen mussten die Restaurants einen Antrag inklusive Hygiene- konzept stellen, zum ande- ren der Landkreis ein Sicherheitskonzept für den kommenden Donnerstag erstellen. „So etwas hatte es bisher noch nicht gegeben“, sagte Landrat Steffen Burchhardt (SPD) am Montag.

Am Tresen stehen nicht gestattet

Offiziell heißt er Himmelfahrt und ist ein christlicher Feiertag. Für manche heißt er Herrentag und bedeutet die Gelegenheit zum Ausflug mit Freunden und im Grünen zu feiern. Für andere wiederum heißt er Vatertag und bedeutet, mit der Familie zusammen zu sein. Allein die unterschiedliche Herangehensweise zeigt wohl, wie komplex die Aufgabe war. „Es ist ein Feiertag, es gibt keinen Antragsteller, nicht einmal einen Hauptverantwortlichen“, meinte Burchhardt. Die Bitte ans Innenministerium, doch etwas genauer zu formulieren, was gewollt sei, habe zu einer Antwort geführt, die wenig Orientierung geboten habe.

Am Montag nun stellte Beigeordneter Thomas Barz (CDU) vor, was auch ohne weitere Hilfestellung aus Magdeburg erstellt worden war. Das Konzept sei zusammen mit der Polizei erstellt worden, deren Aufgabe sei an jenem Tag aber vorrangig zu überprüfen, ob auf Privatgrundstücken die Coronaregeln eingehalten werden. Der Landkreis hingegen werde bei den Gaststätten nachsehen, ob dort die vorgeschriebenen Hygienestandards beachtet werden. Letztlich kein Unterschied zum Betrieb an anderen Tagen, denn auch wenn die Gaststätten, die erst am Freitag öffnen, keinen gesonderten Antrag stellen mussten und am Wochenende überprüft wurden, die Hygieneregeln gelten für alle und sollen auch kontrolliert werden.

Wer in eines der rund 20 Restaurants geht, die übermorgen geöffnet haben, muss Platz an einem Tisch haben. Stehen, etwa am Tresen, ist nicht gestattet. Die Wirte würden aber wohl dafür sorgen, dass der Ablauf zügig geschieht, so dass mehrere Gäste zum Zuge kommen. Der Außer-Haus-Verkauf ist auch Gaststätten erlaubt. die keine Genehmigung zur Öffnung haben. „Das bedeutet dann aber auch, dass man sich nach Erhalt der Speise oder des Getränks von der Gaststätte entfernt“, erläuterte Barz.

Einen weiteren großen Unterschied zu den Himmelfahrtstagen vergangener Jahre wird es auch noch geben: „In allen Lokalitäten ist Musik untersagt“, sorgte Barz für einen kleinen Paukenschlag. So solle nicht ein zusätzlicher Anreiz geschaffen werden, sich in der Nähe einer Gaststätte aufzuhalten, ohne dort einen Tisch zu besetzen.

In Magdeburg dürfen die Restaurants erst wieder am 22. Mai, also am Freitag nach Himmelfahrt, öffnen. Doch auch mit möglichen Besuchern aus der Landeshauptstadt sieht Barz keine Probleme auf den Landkreis zukommen. Es werde nicht von einem Risiko größerer Gruppen ausgegangen, auch wenn es für viele seit langem die erste Gelegenheit sein werde, sich wiederzusehen. „In den vergangenen Wochen und Monaten lief hier alles sehr kooperativ ab, es gibt keinen Grund daran zu zweifeln, dass das am Donnerstag auch so sein wird“, sagte Barz. Größere Versammlungen seien zudem keine angemeldet worden.

Ungewollte Unterstützung

Eine Anekdote gab Barz schließlich noch zum Besten. Auf irgendwelchen Kanälen habe der Screenshot einer Nachricht aus dem verwaltungsinter- nen Intranet den Weg in soziale Netzwerke gefunden. Der Computerbildschirm zeigt den Aufruf „Zeugen gesucht“, wendet sich an die Verwaltungsmitarbeiter, die am Donnerstag bei den Kontrollen helfen wollen. Die Indiskretion hatte ungeahnte Folgen. „Wir haben tatsächlich Bewerbungen von draußen bekommen“, meinte Barz schmunzelnd. Die seien allerdings dankend abgelehnt worden, es handelte sich eben um einen internen Aufruf.