Burg l 22 steile Stufen zum Saal, Fenster, durch die auch im geschlossenen Zustand ein Männerfinger passt, eine zu kleine Küche, enge Gänge, an denen sich Menschen, die auf die Toilette wollen, an Wartenden der Tafel vorbei drängeln müssen – es gibt mehr als einen Grund, das evangelische Gemeindehaus an der Grünstraße zu sanieren. Und das Projekt wird in 2020 angegangen.

Eine Sanierung, die hat es schon 1993 gegeben, wie Dominik Patté, der Vorsitzende des Gemeindehausausschusses weiß. „1993 wurde aber vieles auch sehr in Eile gemacht und es entspricht nicht mehr den heutigen Standards“, sagt er im Gespräch mit der Volksstimme. Dazu gehören eben auch die Fenster, die für den Laien einen völlig intakten Eindruck machen, aber ganz und gar nicht intakt sind. Dass er durch manche seinen kleinen Finger stecken kann, selbst wenn sie geschlossen sind, bedeutet nicht nur, dass es ständig zieht, sondern auch, „dass wir fast die Hälfte für draußen heizen“.

Enge Wege im Erdgeschoss

Am augenfälligsten ist aber, dass das Gemeindehaus, das vor fast 150 Jahren einmal als Feierhaus errichtet wurde, so ganz und gar nicht barrierefrei ist. Und dass es sich bei den „sch…“ 22 Stufen nicht nur um ein Hindernis für Menschen mit Rollstuhl handelt, kann Patté ganz schnell erklären. Da gehe es auch um den Kinderwagen und ganz einfach um die immer älter werdenden Gemeindemitglieder, die natürlich auch Zugang zu ihrem Gemeindehaus haben sollen. Klebestreifen an den Stufen sorgen schon seit einiger Zeit dafür, dass der Kontrast dargestellt wird, nachdem sich Besucher darüber beschwert hatten, sie nicht zu erkennen.

„Keine Schwellenangst“, so heißt das Motto der Sanierung, denn es ist nicht nur die Treppe, die ein Hindernis darstellt. „Der unebene Fußboden ist durch Schwellen auch ausgeglichen worden und das sind Stolperfallen“, erklärt Patté. Auch sie sollen durch die Sanierung verschwinden.

Doch nicht nur im Obergeschoss gibt es Sanierungsbedarf. Im Untergeschoss ist die Diakonie beheimatet. Menschen kommen zur Tafel, um sich Lebensmittel abzuholen, die Suppenküche sorgt für eine warme Mahlzeit. Aber auch dort hat sich in den vergangenen Jahren etwas verändert. „Anfang der 90er Jahre gab es einen Ausgabetag“, erklärt Patté. Heute sind es vier, einmal ist die Tafel mobil unterwegs. Und die Zahl der Bedürftigen habe sich verdreifacht. Es wird also mehr Platz gebraucht. Für die Lagerfläche und die Kunden der Tafel. Und dass der Weg zur Toilette nicht mehr an den Wartenden vorbei führt, ist ein weiteres Bedürfnis.

Mit inneren Bauarbeiten, die unter anderem für auch einen sicheren Fluchtweg sorgen sollen, und einem Anbau, der aus der beengten Küche einen vernünftigen Arbeitsraum werden lässt, soll das evangelische Gemeindehaus den Bedürfnissen aller Besucher gerecht werden. Und das kostet natürlich Geld. „Wir gehen im Moment von 1,35 Millionen aus“, sagt Patté, wohlwissend, dass sich Baukosten im Laufe der Zeit immer nach oben entwickeln können.

Kirchenkreis und Landeskirche sind mit rund einem Drittel dabei, die Stadt Burg mit der Unterstützung über Förderprogramme mit einem weiteren Drittel, doch da ist Patté vorsichtig. „Das hat natürlich immer etwas mit dem jeweiligen Haushalt zu tun“, stellt er klar. Der Rest der Summe soll von Initiativen wie der Aktion Mensch und Spendern kommen.

Wenn auch die Finanzierung noch nicht bis ins Detail feststeht, den Bauplan gibt es schon. Er ist in vier Abschnitte eingeteilt. Angefangen wird mit dem Austausch der Fenster und der Neugestaltung des Treppenhauses in diesem Jahr. Das bedeutet für die Besucher des Hauses noch keine Umstellung. Im kommenden Jahr aber stehen der Bau des Anbaus und vor allem der umfangreiche Um- und Ausbau des Gebäudes an. Dann wird es nicht mehr nutzbar sein, die Diakonie und die Gemeinde werden vorübergehend neue Orte für ihre Angebote finden müssen.

Ausweichquartiere werden gesucht

„Für die Gemeinde ist das weniger ein Problem“, weiß Patté. Pfarr- und Gemeindehäuser sind gute Ausweichorte. Für Tafel und Suppenküche wird nach Ausweichplätzen gesucht, einen gemeinsamen für alle Angebote werde es wohl nicht geben. Doch das Ziel rechtfertigt wohl die zwischenzeitlichen Schwierigkeiten. Und Patté, Chef der ebenfalls im Gemeindehaus beheimateten Kabaretttruppe Cat-Stairs, die sich auch an den Kosten beteiligt, bringt es bühnenreif ohne Pathos auf den Punkt „Wir sind es einfach auch der Stadt schuldig, dass dieses Haus wieder schön aussieht“.

Wer die Sanierung unterstützen will, kann dies mit einer Spende tun. KKA Magdeburg, Sparkasse Jerichower Land, IBAN: DE38810540000511002645, Stichwort: Sanierung Ev. GH Burg.