Burg l Hoch oben auf der Dachterrasse des bekannten Gebäudes Markt 1 ist der Blick über Burg imposant. Hier sieht jeder schnell, wie sich die Stadt in den vergangenen Jahren herausgeputzt hat und was in einigen Bereichen geschaffen wurde. Und jetzt, nach Jahren des Leerstandes, soll der nachts blau beleuchtete Glasturm wieder in den Mittelpunkt gerückt werden – als eine Art lebendige Begegnungsstätte, als Ort der Vielfalt für alle Burger und Burgerinnen. Dafür steht die gemeinnützige Gesellschaft benvivo, die zum Jahresbeginn gegründet wurde. Das Konzept ist vielversprechend: „Veranstaltungen, Kurse, kulturelle Höhepunkte und jede Menge offene Angebote sollen künftig auf fünf Etagen zum Mitgestalten und Mitmachen einladen“, erklärt Geschäftsführerin Silke Kirchhof.

Die studierte Sozialpädagogin kann in diesem Metier auf jahrzehntelange Erfahrung verweisen. „Wir wollen vom Keller bis zur Dachterrasse das Burg-er-Leben durch eine Vielzahl von Aktionen bereichern.“ Beispiele dafür seien das gemeinsame Kochen oder Backen mit Oma und Opa, wobei die älteren Burger mit traditionellen Rezepten überzeugen, oder die so genannte digitale Sprechstunde, in der die Jugend den Umgang mit dem Smartphone zeigt. Überhaupt gebe es jede Menge Möglichkeiten, damit die Generationen mit- und voneinander lernen können. Auch Nachbarschaftstreffs und -hilfen sollen durch benvivo ins Leben gerufen werden. „Dafür bietet sich unter anderem ein Reparatur-Café an, wo Alltagsgegenstände gemeinsam auf Vordermann gebracht werden und wo man sich darüber einfach nur austauschen kann.“

Sich gegenseitig ein Lächeln schenken

Aktuell ist bereits das Projekt Fensterpaten zwischen den Bewohnern im Concerthaus-Carré und den überwiegend älteren Nachbarn an der Ecke Deichstraße/Breiter Weg gestartet. Das Prinzip ist so einfach wie wirkungsvoll: „Ein Lächeln gegenseitig von Fenster zu Fenster geschickt – darüber freuen sich Kinder und Oma oder Opa gemeinsam. Ein kurzes Gespräch, eine Frage ,Wie geht es heute?’ oder ,Können wir etwas mitbringen?’ können Wunder bewirken. Mit solchen kleinen guten Taten muntern sich die Burger gegenseitig auf und sind füreinander da“, sagt Silke Kirchhof, die – obwohl stadtbekannt – auf diese Weise selbst viele neue Leute kennengelernt hat. „So habe auch ich noch intensiver mitbekommen, dass der Wunsch nach mehr Miteinander vorhanden ist. Nichts ist schlimmer als Einsamkeit.“ Dass durch solche Aktionen alle Altersgruppen profitieren können, davon ist auch Bärbel Michael, Geschäftsführerin der Wohnungsbaugesellschaft Burg (Wobau), felsenfest überzeugt. Immerhin unterstützt die Wobau die Gründung von benvivo durch ein Startkapital in Höhe von 50.000 Euro und stellt das Gebäude Markt 1 mietfrei zur Verfügung, was ebenfalls jährlich 25.000 Euro entspricht. „Außerdem bringt sich unser Wobau-Team ehrenamtlich mit in benvivo ein, weil wir diesen Weg gemeinsam gehen wollen“, versichert Michael. „Denn wir wollen die Burger noch mehr zusammenbringen.“

Jetzt komme es darauf an, weitere Projekte auszufeilen. Genau so wichtig sei es, dass in vielen Bereichen des Gebäudes Hand angelegt werde. Allein die Instandsetzung des fünfstöckigen Turms wird mit rund 50.000 Euro beziffert, zudem sind Materialspenden beispielsweise für eine Küchen- oder Bistroeinrichtung, willkommen. „Und wir freuen uns über jeden Einzelnen, der Zeit und Lust auf gemeinsame Aktionen hat oder seine handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis stellen kann“, sagt Silke Kirchhof. „Jeder kann seine Ressourcen und Ideen einbringen.“ In den kommenden Tagen will das benvivo-Team auf regionale Kooperationspartner zugehen und das Gesamtkonzept erläutern.