Hohenwarthe l Der Name Franz König ist so eng mit Hohenwarthe verbunden, wie kaum ein anderer. War es doch der Schiffbauermeister aus Lauenburg, der das Gesicht und die frühe Geschichte des Ortes entscheidend mitprägte und beeinflusste.

Gründung mit 27 Jahren

Am 8. Mai 1870 wurde Frank König geboren. Damals gab es noch viele kleine Staaten in Deutschland. Für Franz König aber sollte dies kein Hindernis sein. Nach seiner Lehre und seiner Meisterprüfung verdingte sich König als reisender Schiffbauer. Als er mit 27 Jahren genug Erfahrungen, beruflich wie im Leben gesammelt hatte, blieb er im Neustädter Hafen. Dort gründete er seine erste Werft, die von 1897 bis 1908 existierte. Mit der Schließung der Werft in Magdeburg kam König nach Hohenwarthe, wo vieles sehr gut für ihn lief. Wirtschaftlich agierte König auf einer Welle des Erfolgs.

Moderne Maschinen wurden angeschafft und ermöglichten den Bau von bis zu vier Schiffen gleichzeitig. Immer größer wurde die Werft in Hohenwarthe, die in Spitzenzeiten mehr als 80 Arbeiter in Lohn und Brot hielt. Diese wollten natürlich bei schwerer Arbeit entsprechend verköstigt werden, weshalb Königs Frau Alwine eine kleine Küche betrieb.

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Der Weg in die Gastronomie

Schnell sprach sich die Qualität des Essens auch in der Bevölkerung und vor allem bei Ausflüglern herum, weshalb Alwine König 1912 eine Konzession für einen Ausschank beantragte. Die Anfänge der heute noch existierenden Waldschänke waren gelegt und durch den Geschäftssinn der Familie König auf ein breites Fundament gestellt. Denn neben der Werft und der Gastronomie entstand in Hohenwarthe ein kleines Strandbad, das als Fußbadeanstalt bereits 1911 in Betrieb ging.

Wolfgang Rust, der oberhalb der alten Werft auch heute noch eine kleine Radlerpension betreibt und sich mit der Geschichte der Werft und der Gastronomie vor Ort beschäftigt hat, kann zudem davon berichten, dass durch den königschen Eifer die Ausflugsschifffahrt in Hohenwarthe erst so richtig Fahrt aufnahm. War es doch einer der Schwiegersöhne von Franz König, der selbst Vater von vier Töchtern und einem Sohn war, der mit einem Ausflugsdampfer die Ausflugsgäste in Magdeburg abholte und nach Hohenwarthe brachte.

Bis zu 1500 Gäste

„So entstand die Magdeburger Runde. In der die Fahrgäste in Hohenwarthe ausstiegen, zu Fuß nach Möser liefen und dann mit der Bahn wieder nach Magdeburg zurückfuhren. An manchen Tagen legten selbst bis in die 1980er Jahre bis zu drei Ausflugsdampfer in Hohenwarthe an und brachten bis zu 1500 zahlende Gäste für die Lokale von Hohenwarthe bis Möser mit“, so Rust.

Damit schuf die Familie König den Grundstein für viele Jahrzehnte Gastronomie in der Region, die sich bis heute erhalten hat und sich noch immer als Anlaufpunkt für den Tourismus begreift.

Doch all das Wirken auf diesem Gebiet konnte den wirtschaftlichen Niedergang auf einem anderen nicht verhindern.

Das Ende der Werft

Mit der Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren begannen auch für die Werft in Hohenwarthe schwere Zeiten. Die Aufträge blieben aus und Franz König versuchte durch den Bau von Kranen auf Vorrat zumindest für sich und seine Arbeiter die Zeiten zu überstehen. Dies gelang ihm allerdings nicht. Die letzten Aufzeichnungen zum Werftbetrieb stammen aus dem Jahr 1937. Das Ende des Elbschiffbaus in Hohenwarthe war gekommen. Nicht aber für die vielen Werftanlagen, die noch in den 1950er Jahren in Teilen vorhanden waren und erst dann nach und nach für das Auge verschwanden.

Vieles ist noch heute da

In dem heutigen Geländeteil der ehemaligen Werft, der über die Jahrzehnte überwachsen ist, finden sich laut Rust noch immer Spuren aus der Vergangenheit. „Es ist keine Seltenheit, dass nach einem Hochwasser verschiedene Werkzeuge, vom Schraubstock bis zum Amboss, wieder auftauchen“, so Rust. Auch das Niedrigwasser der Elbe im vergangenen Jahr zeigte in beeindruckender Weise, was Franz König und seine Werft den heutigen Generationen vererbt haben.

Spurensuche

Neben einer alten Slipanlage für kleinere Boote finden sich auch heute noch viele Metallteile von Schiffen im seichten Wasser des Buhnenkopfes. Ein Spaziergang dort ist wie eine Spurensuche hin zu einer Reise in die Vergangenheit. Für Rust ist klar: „Hier bedarf es einer Renaturierung, dann würden sicher noch viel mehr Fragmente und Dinge der alten Werft zum Vorschein kommen.“ Darüber zu entscheiden hat aber das Wasserstraßenschifffahrtsamt, dem das Gelände heute gehört.

Franz König aber starb am 2. November 1952. Sein Grab existiert heute nicht mehr. 1936 widmete er dem Ort sogar ein eigenes Musikstück – „Das Lied von Hohenwarthe“.