Biederitz l Das vollständige Skelett eines Pferdes und damit mit hoher Wahrscheinlichkeit den Hinweis auf eine Pferdebestattung fanden Archäologen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt im Biederitzer Ortskern. Das Skelett war bei Grabungsarbeiten an der Baugrube des entstehenden Mehrgenerationenhauses in der Breiten Straße 34 und 35 gefunden worden. Hier hatten die Archäologen im Vorfeld der Baumaßnahme bis Ende Oktober 2019 Grabungen vorgenommen.

„Pferdebestattungen sind recht häufig bei den Altsachsen“, erklärt Dr. Donat Wehner, Referent der Abteilung Bodendenkmalpflege des Landesamtes. Deren Unterwerfung sei im Magdeburger Raum mit der Anlage des Kastells im Jahr 806 endgültig von den fränkischen Karolingern besiegelt worden, sagt Wehner und meint das Grenzkastell, das die Archäologen ebenfalls im Biederitzer Ortskern fanden. Es handelt sich um eine Befestigungswerk aus zwei Wällen mit jeweils vorgelagertem Graben. Die militärische Befestigungsanlage wird Karl dem Großen zugeschrieben, der die Anlage alten Chroniken zufolge zur Sicherung der Ostgrenze des sächsischen Siedlungsgebietes gegenüber den Slawen um 806 errichten ließ.

„Kostbare Reitpferde sind Ausdruck von Mobilität und Macht. Sicherlich waren sie im Fall von bewussten Bestattungen auch mit kultischen Vorstellungen verbunden“, erklärt Donat Wehner zum gefundenen Pferdeskelett. Im vorliegenden Fall sei das Pferd im äußeren Graben des Kastells gefunden worden. „Möglicherweise kam das Pferd bei einem Überfall auf das Kastell zu Tode, der zum Ende der Befestigungsanlage führte“, sagt der Archäologe.

Dem Pferdeskelett beiliegende Scherben von Keramikgefäßen sprächen für eine frühmittelalterliche Datierung, ganz sicher sei dies bislang allerdings nicht, so Wehner. Die Knochen würden durch das Landesamt zur Zeit mit naturwissenschaftlichen Methoden, wie einer Radiokarbondatierung, auf ihr Alter hin untersucht.