Berlin/Burg l Die 85. Internationale Grüne Woche in Berlin hat am ersten Wochenende auch für eine proppevolle Sachsen-Anhalt-Halle gesorgt. Auch vor dem Stand des Jerichower Landes drängelten sich die Neugierigen.

Kleine Brothappen, mit oder ohne Butter – Stephanie Krüger von der Bäckerei Delorme musste nicht lange warten, bis ihre Teller wieder leer waren. Das Burger Traditionsunternehmen überzeugte am gestrigen Sonntag viele Besucher davon, dass auch unerwartete Kombinationen ganz ausgezeichnet schmecken können. Vielleicht mal ein Brot probieren mit Süßkartoffel und Möhre? Oder doch lieber die Schinkenkruste, mit Käse, Schinken und Zwiebeln – im Brot verarbeitet, wohlgemerkt, nicht obendrauf? Viele studieren die Zutaten-Schildchen, auch die Genthiner Kartoffelkönigin ließ sich die handgemachte Leckerei nicht entgehen. Die meisten Fragen kommen zu den Inhaltsstoffen. Senior-Chefin Michaela Delorme findet es gut, dass wieder mehr Menschen sich für ihr Essen interessieren.

Bäcker bleibt Ursprüngen treu

Auf der Grünen Woche ist sie, um für den Landkreis zu werben. Mehrere Paletten Kekse haben die Mitarbeiter gebacken und einzeln verpackt, dort prangt gut sichtbar das Landkreis-Logo. Sie werden im Laufe der zehn Tage verteilt – schließlich sollen die Leute wissen, woher das Präsent kommt. Es ist eine Werbeidee, die schon für die Laga funktionierte. Und den Besuchern, die nicht aus der Umgebung kommen, sage sie oft: „Geht zu Eurem Bäcker“. Derzeit wollen viele wieder zurück zum Ursprung. „Wir sind beim Ursprung, die ganzen Jahre über, immer geblieben.“

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Schon am Sonnabend war der Andrang groß gewesen – es stand Eierlikör auf dem Tisch. Denn Hartmut und Heike Gentz hatten nicht nur 1000 Zeitpläne gedruckt, wann und wo die Parchener in diesem Jahr Hühner, Enten und Gänse verkaufen. Auch die Varianten des selbst produzierten Likörs sind wieder mehr geworden – mit Limette und Orange jetzt sind schon 14 Sorten im Angebot. Zum 1-Euro-Probebecherchen ließen sich viele Vorbeiziehende gern überreden. „Wie geschmiert“, freute sich Gentz, der Mitte der 1990er Jahre zum ersten Mal als Aussteller in Berlin war – damals übrigens noch mit Hühnern in der Tierhalle. Auf dem Verkauf der Tiere liegt weiterhin das Hauptaugenmerk. Hier hat Hartmut Gentz schon Veränderungen ausgemacht. Der Bedarf sei insgesamt ein bisschen rückläufig, sagt Gentz, die Parchener konnten ihre Zahlen aber trotzdem halten. Dass jemand 20 Tiere kauft oder hält wie früher, komme selten vor, fünf oder sechs Hühner reichen meist. Dafür haben die Tiere einen höheren Stellenwert, in manchen Familien wurden ihnen auch Namen gegeben. Der Geflügelhof Gentz war als zweiter Gast am Landkreis-Stand gewesen. Den Auftakt hatte am Freitag die Leinölmühle Parchen gemacht. Neben Buchweizenkeimen als Knabberzeug wurde auch Wintersalat mit Kürbiskernölpesto frisch zubereitet.

400 Sorten Tee

Aber es ist nicht nur der Landkreis, der sich aus dem Jerichower Land in der Hauptstadt präsentiert. Auch Stefanie Nagels Tee und Café Cult aus Burg ist wie seit vielen Jahren mit einem eigenen Stand vertreten. Rund 400 Sorten stehen dort fein säuberlich aufgereiht. Langsam sei kein Platz mehr, findet die Inhaberin, die sich überlegt, auf einige Sorten zu verzichten. Aber auf welche bloß? Viele Kompositionen kann man auch mit kaltem Wasser aufgießen, sie sind säurearm und der Inhalt „zum Mitessen“– „darauf haben wir uns spezialisiert“, so Nagel, die neu auch Apfel-Rhabarber, Kiwi-Stachelbeere und die Lustige Helene im Angebot hat. Auch bei den Liköransätzen wurde immer wieder gern zugegriffen. Auch der Elbwurm aus Tryppehna ist wieder in der Hauptstadt dabei. Zum dritten Mal sind die traditionsreichen Wurstverkäufer in Halle 1.2 – und zum ersten Mal nach der ungewollten Aussiedlung aus der Sachsen-Anhalt-Halle im Jahr 2018 (Volksstimme berichtete) ist das Familienunternehmen zufrieden. Am gut laufenden Geschäft dürfte auch die Messe-Gesellschaft ihre Anteil haben. Sie hat einen bunten Essens-Marktplatz kreiert und dabei Fleisch, Alkohol, Süßigkeiten und ausländische Spezialitäten abwechslungsreich nebeneinandergestellt. Die Nachfrage nach dem neu aufgelegten Reisebuch für das Jerichower Land und der Radwanderkarte war übrigens am höchsten.