Lübs l Vor knapp zehn Jahren fing alles an. Der Ruf nach einem Lübser Heimatverein wurde immer lauter. 2009 war es dann soweit. Der Heimat- und Kulturverein „Liubatici“ wurde gegründet. Von Anfang an dabei: Marcus Krause als Vereinsvorsitzender. Seither hat sich der Verein prächtig entwickelt und kann auf mittlerweile 35 Mitglieder verweisen.

„Ja, es hat sich gut entwickelt“, sagt Marcus Krause nicht ohne ein wenig Stolz in der Stimme. „Jeder hat seine Aufgabe gefunden, um die er sich kümmert. Seit der Initialzündung der Gründung ist daraus ein dynamischer Prozess geworden. Es gibt Leute, die kümmern sich um alle Belange beim Weihnachtsmarkt, andere um die Theateraufführungen, um die Busfahrten, Tanzveranstaltungen, die Bibliothek und vieles mehr. Wir versuchen von Anfang an, jeden Monat etwas anzubieten“, sagt der Vereinsvorsitzende. Und auch er hat sein Metier gefunden. Marcus Krause hat ein Faible und ein kreatives Händchen für ausgefallene Metallarbeiten.

Eines seiner Werke konnte erst kürzlich wieder bei der Lübser Weihnacht bewundert werden: Ein etwa drei Meter großer Metall-Drachen. Das Besondere am Drachen ist, dass er als Ofen fungiert, um den sich bei kaltem Wetter schnell die Leute scharen, um sich zu wärmen. Dazu sind zusätzlich seitlich vier Stehtische montiert, die Platz für bis zu 40 Personen bieten. Der Rauch des Feuers entweicht nach oben durch das Maul des Ungetüms. Man könnte meinen, er würde Feuer speien. Und auch seine Klauen brennen. Weit ausladend sind an den Armen des Metall-Kolosses Halterungen angebracht, die mit Spiritus getränkte Toilettenpapierrollen aufnehmen und so für diese Illusion der Feuerklauen sorgen.

Idee zum Drachen kam bei Weihnachtsfeier

„Die Idee dazu hatte ich auf einer Weihnachtsfeier meiner Firma, für die ich arbeite. Dort war ein ähnlicher Drache aufgebaut. Und ich dachte: ‚Wow, das ist ja ein geiles Teil, sowas brauchen wir in Lübs, das mache ich auch‘“, erinnert sich Marcus Krause. Das war 2012.

Zusammen mit seinem Neffen Christian Krause ging es dann an die Arbeit. „Wir sammelten zusammen das passende Material. Christian ist dann beim Bauen immer mit dabei - es gab ja nach dem Drachen noch andere Dinge - beim Flexen, beim Schweißen, beim Zusammensetzen und so weiter. Ohne ihn ginge es nicht“, sagt Marcus Krause.

Der Korpus des Drachens - der Ofen - ist aus Radfelgen zusammengesetzt, fünf Stück übereinander, mit Ascheklappe und Feuerklappe. Darüber, als oberer Abschluss des Ofens, ist ein Scheibeneggen-Rad verschweißt. Daran montiert ist der Hals des Drachens, ein geschwungenes Stahlrohr. Die Flügel bestehen aus stabilem Gittermaterial.

Vor dem Bau eine Zeichnung angefertigt

„Für den Kopf habe ich vorher eine Zeichnung gemacht und genau überlegt, wie ich es mache.“ Dazu wurde ein Rohr aufgeschnitten, das Maul ausgeformt und Zähne sowie Zunge eingeschweißt. Selbst an bedrohlich dreinschauende Augen haben die Drachenbauer aus Lübs gedacht. Sie bestehen aus dicken Schnapsgläsern - packt man Knicklichter dahinter, leuchten sie.

„Was wir verbauen, sind alles Fundsachen, Abfälle und Schrott“, erklärt Marcus Krause. Schrott zu einem Kunstwerk verarbeitet, zu Neu-Deutsch: Upcycling - die Wiederverwertung von Abfallprodukten oder scheinbar nutzloser Stoffe in neuwertige Produkte.

Christian und Marcus Krause haben für den Bau knapp vier Wochen gebraucht. „Immer nach Feierabend“, sagt Marcus Krause. Zugute kam den beiden dabei, dass Marcus Krause, gelernter Kfz-Schlosser, über sämtliche Schweißerausbildungen und erforderlichen Scheine verfügt, um so ein Projekt umzusetzen.

Drache zur Lübser Weihnacht gezeigt

„Als der Drache erstmals zur Lübser Weihnacht präsentiert wurde, war es natürlich eine riesige Überraschung und die Reaktionen waren überschwänglich. Ja, die Leute waren begeistert“, freut sich Marcus Krause. „Da merkt man, dass die Arbeit nicht umsonst war. Mittlerweile gehört der Drache einfach dazu - zur Lübser Weihnacht, zum Osterfeuer oder auch zum Weihnachtsbaumverbrennen. Er ist quasi der Stammtisch bei unseren Festen.“ Doch „nur“ beim Drachen blieb es nicht.

Auf dem Lübser Sportplatz trägt der VfL Gehrden auch in den Wintermonaten Fußballspiele aus. „Ein Bierchen gehört dann einfach dazu, wenn man am Spielfeldrand steht und die Mannschaft anfeuert. Irgendwann haben sich die Leute beschwert, dass das Bier eiskalt ist und sie sich die Hände abfrieren würden“, lacht Marcus Krause. „Ja, und dann haben wir eben einen Bierheizer gebaut“, erinnert er sich schmunzelnd.

Der Aufbau ist ähnlich dem des Drachens: Felgen zum Ofen verschweißt, darüber dann aber eine Ablage und Stellmöglichkeiten für Biergläser und Flaschen. „Und nun kann man bei den Spielen angewärmtes Bier trinken, wenn man möchte.“

Weitere Skulpturen möglich

Auf die Frage, ob es Pläne für weitere Metall-Skulpturen oder Öfen gibt, gibt sich Marcus Krause geheimnisvoll. „Ja, aber eigentlich möchte ich dazu noch nichts sagen, es soll ja eine Überraschung werden“, versucht er sich herauszuwinden. Etwas kann ihm dann aber doch noch entlockt werden: „Es wird wieder ein relativ großer, beheizbarer Stehtisch, diesmal mit Knieheizung, werden. Also eine zusätzliche Wärmequelle zu unseren Festen an kalten Tagen.“

Die Konstruktion wird noch um einiges größer und ausladender als der Lübser Lindwurm. Die Gäste des nächsten Weihnachtsmarktes können sich auf eine etwa fünf Meter große, monumentale Metall-Skulptur freuen. Was genau es wird, sagt Marcus Krause aber nicht. „Vielleicht sind wir damit aber auch schon zum Osterfeuer im April fertig. Wer weiß“, sagt er und lächelt verschmitzt.