Heimatverein und alte Gerberei

Neu in der Gerbererei in der Hainstraße 11 zu sehen sind eine Dauerausstellung „Garnisonsgeschichte Burg von 1713 bis heute“, eine Sonderausstellung zu den Lazaretts und Offiziersgefangenenlagern von 1914 bis 1918 und eine Sonderausstellung „Historische Fundstücke“, die im Stadtgebiet bei Bauarbeiten entdeckt wurden.

Alle Ausstellungen, auch die im ehemaligen Werkstattgebäude der Gerberei, können während der Landesgartenschau jeden Sonnabend von 13 bis 16 Uhr besichtigt werden.

Die Gerberei ist heute Sitz des Heimatvereins Burg, der die Geschichte und die Kultur der Stadt Burg pflegt und vermittelt. Das in Hochständerbauweise um 1588/89 errichtete Gerberwohnhaus zählt zu den ältesten noch erhaltenden Fachwerkgebäuden der Stadt Burg. Für ihren Erhalt wurden in den vergangenen drei Jahren mit Planung und Bau rund 120 000 Euro investiert.

In ehrenamtlicher Arbeit steckten die Mitglieder des Heimatvereins viel Kraft und Herzblut in die Anlage.

Burg l „Mensch, ist das schön geworden.“ „Ich habe noch gar nicht alles gesehen.“ Immer wieder anerkennendes Schulterklopfen. Harald Zimmer, Rolf Gädke und Karl-Heinz Seeger konnten sich am 1. Mai vor Lob kaum retten.

Die Besucher des Hoffestes und der im Obergeschoss des Hochständerhauses liebevoll hergerichteten Ausstellungen kamen aus dem Staunen kaum heraus.

Filigrane Kleinarbeit

In filigraner und langwieriger Kleinarbeit haben die Fachleute des Vereins über Monate neue Ausstellungen hergerichtet. Sie zeigen die über 300-jährige Garnisonsgeschichte von Burg. „Wir werden nicht politisch, wir zeigen, was war“, sagt Harald Zimmer. In den neuen Ausstellungsvitrinen finden sich viele Sammlerstücke. Freunde des Burger Zinnfiguren-Vereins halfen mit anschaulichen Darstellungen historischer Gefechtsszenen.

Bilder

Ganz neu ist eine Ausstellung zum 1. Weltkrieg mit Lazarett- und Offiziersgefangengenlager in Burg. „Kaum jemand weiß, dass das Offizierslager an der Niegripper Chaussee war, gegenüber Knäcke. Wir zeigen es hier genau“, berichtet Karl-Heinz Seeger, der das Material zusammengetragen hat. Zwischen 500 bis 1000 kriegsgefangene Offiziere mit ihrem ihnen zustehenden Personal waren in Burg interniert. Ihre Soldaten kamen ins Lager nach Altengrabow.

Rolf Gädke unterstützte Seeger: „Wie viele Stunden wir in Archiven gesessen haben, gezählt haben wird es nicht.“

Ideale Ergänzung

„Die Ausstellung hier ist eine ideale Ergänzung zur Ausstellung in der Clausewitz-Kaserne“, lobte Oberstleutnant Ulrich Mach vom Logistik-Standort im Waldfrieden.

„Jetzt ist es soweit. Das Haus kann sich sehen lassen“, würdigte Heimatvereinsvertreterin Karin Zimmer. „Als wir nach dem Neustart des Vereins vor drei Jahren anfingen, war das Hochständerhaus eine Rumpelkammer.“

Sie dankte öffentlichen und privaten Sponsoren und Unterstützern. 120 000 Euro flossen in Planung und Ausbau der Hainstraße 11. Das Hochständerhaus stammt aus dem Jahr 1588/89 und ist Heimstatt des Vereins. Der gut 40-köpfige Verein hat jede Menge Arbeit investiert. „Es sind bestimmt über 1000 Stunden, man kann sie nicht zählen.“

Interesse wächst

Die alte Gerberei sieht der Verein inzwischen als Museum der Stadt. Dort werde ihre Geschichte bewahrt und gezeigt. Schulklassen kommen nicht nur aus Burg, um sich zu informieren. Der Verein bietet regelmäßig Stadtführungen an.

Das Interesse ist da und wächst, schätzt Karin Zimmer ein. „Zur Landesgartenschau könnten wir jeden Tag öffnen“, hat sie enorme Nachfrage ausgemacht. „Wir würden das gern. Aber das schaffen wir leider nicht.“ So ist die Gerberei während der Laga jeden Sonnabend von 13 bis 16 Uhr für Besucher geöffnet.

Zum Hoffest am Dienstag erwies sich die mitten in der lauschigen Altstadt nahe Wasserturm und Weinberg gelegenen Gerberei wieder als Besuchermagnet. Hunderte kamen. Es gab Musik, Kaffee und Kuchen, Bier und Limonade, regionale Produkte Fischsuppe und -brötchen und Bücher, auch signierte.

Der Trommler im Original

Mitten drin gab es noch eine überraschende Erkenntnis für so manchen Besucher: Das Orginal der Burger Trommler-Figur steht in der alten Gerberei. „Ja, das ist sie“, bestätigt Karin Zimmer. In der Gerberei ist die Figur aus Ummendorfer Sandstein vor Verwitterung geschützt. Ihr Duplikat aus Bronze hat seit über 15 Jahren ihren Platz am Breiten Weg gegenüber dem alten Rathaus eingenommen.

Übrigens: Wer erfahren möchte, ob und in welcher der städtischen Katakomben der sagenhafte „Trommler von Burg“ einst verschwand, am 11. Mai gibt es eine Laga-Führung. Der einstündige Rundgang beginnt um 19 Uhr am Bronze-Trommler.