Möser/Biederitz l Standesbeamtin, das muss eine schöne Berufung sein, hören die beiden Damen Christel Krawzoff und Nicole Lehmann immer wieder. Meist an Freitagen und Sonnabenden können sie junge und nicht mehr ganz junge Menschen glücklich machen. Sie schauen in glänzende Augen, glückliche Gesichter, die Paare und die Hochzeitsgäste haben sind schick gekleidet. Es gibt Blumen und Musik. Und das alles fast 100 mal pro Jahr.

„Ja“, gibt Christel Krawzoff zu, „wir haben schon einen sehr schönen Beruf. Aber Standesbeamtin zu sein ist weit mehr als lediglich Paare glücklich zu machen.“ Da gibt es auch viel Schreibkram, viel zu beurkunden und nachzuforschen und immer wieder Neues zu lernen.

Mehr Nachbeurkundungen

Angewachsen ist die Anzahl von Nachbeurkundungen von Geburten oder Eheschließungen. „Das nimmt jetzt immer mehr zu“, sagt die Standesbeamtin und fügt an, dass die Standesämter seit dem 1. November für alle Auslandsfälle zuständig sind. Somit auch, wenn der deutsche Bürger seinen dauernden Aufenthalt im Ausland hat. Bis dahin war dafür das Standesamt 1 in Berlin zuständig. Diese Aufgabe ist per Gesetz nach unten delegiert worden. „Wir hatten bisher lediglich mit den Bürgern zu tun, die ihren Wohnsitz in Deutschland haben“, sagt Christel Krawzoff. Nun aber dürfen und müssen wir Eheschließungen und Geburten auch von Deutschen, die im Ausland ihren Wohnsitz haben, nachbeurkunden.

Damit wird deutlich, dass auch Standesbeamte einer ständigen Weiterbildung unterworfen sind. Christel Krawzoff zählt auf, dass Nicole Lehmann im April an einer Schulung zu internationalem Privatrecht teilnehmen wird. Im vergangenen Jahr hatte sie sich schon mit dem deutschen Recht vertraut gemacht. Christel Krawzoff selbst fährt im Mai zu einem Weiterbildungskurs zu ausländischem Namensrecht.

Großes Thema war im vergangen Jahr die Ehe für alle. Da gilt es in der Praxis auch noch einige Baustellen zu bearbeiten. Was ist, wenn zwei Frauen ein Kind bekommen? Im deutschen Geburtenregister gibt es nur Angaben für Mutter und Vater. Christel Krawzoff berichtet von einem Besuch des Deutschen Standesbeamtentag im Vorjahr in Rostock, als bei Vorträgen zu Gleichgeschlechtikgeit und Transgender einige Probleme angerissen wurden.

Gleichgeschlechtliche Ehe

Sie selbst habe im November ihre erste gleichgeschlechtliche Ehe geschlossen. Und es gäbe einige Anträge auf „Umwandlung“. Das heißt, dass eine bereits geschlossene Lebenspartnerschaft in eine Ehe umgewandelt werden soll.

In diesem Jahr im November kommt die nächste Änderung im Namensrecht, weiß die Standesbeamtin. Personen, die mehrere Vornamen haben, können die Reihenfolge ändern lassen. Das sei dann sinnvoll, wenn nicht alle Vornamen auf der Zeile im Pass Platz haben, und die Person einen „Rufnamen“, die es in der klassischen Form nicht mehr gibt, bevorzugt, der dann nicht mehr auftauchen würde. So kann er ab dem 1. November im Standesamt erklären, welcher seiner Vornamen vorn stehen soll.

Um sich mit all diesen Neuerungen vertraut zu machen, finden auch in der Region regelmäßige Weiterbildungen statt. In diesem Jahr wird eine solche Schulung im Pietzpuhler Kavaliershaus neues Wissen vermitteln.

23 Trauungen in Biederitz

Aber zurück zur Statistik vom Vorjahr. Angenehm ist aufgefallen, dass die Eheschließungen im Trauzimmer des Biederitzer Rathauses zugenommen haben. Waren es 2016 noch 14 Paare, die sich dort das Ja-Wort gaben, waren es im vergangenen Jahr immerhin 23. Dem wird nunmehr auch Rechnung getragen, indem das Trauzimmer neu gestaltet und das Platzangebot ein wenig ausgebaut wird. Die Standesbeamtin ist glücklich darüber, dass die Gemeinde Biederitz dafür Geld zur Verfügung gestellt hat. Schon seit einigen Jahren nimmt das Möseraner Standesamt die hoheitlichen Aufgaben im Bereich Biederitz mit wahr.

Die Anzahl der Trauungen im Pietzpuhler Kavaliershaus und im Möseraner Trauzimmer halten sich fast die Waage. Interessant ist, dass 30 Paare in einem dieser Trauzimmer ihre Ehe schlossen, die von außerhalb kommen. Das liegt wahrscheinlich darin, dass die Möseraner Standesbeamtinnen ihren Dienst auch sonnabends anbieten. Meist kommen die Paare aus Magdeburg. Dem gegenüber haben 29 Paare, die hier ihren Wohnsitz haben, außerhalb geheiratet. Für dieses Jahr gibt es bereits mehr als 60 Hochzeitsreservierungen. Ausgebucht ist schon das Datum 18.8.2018.

223 Sterbefälle

Und leider auch wieder viele Sterbefälle. 223 Sterbefälle in der Gemeinde Möser stehen 74 im Biederitzer Gebiet gegenüber. Im Jahr 2016 verstarben in der Gemeinde Möser 208 Personen und in Biederitz 64. Die sehr hohe Sterbezahl in Möser hängt mit der Lostauer Lungenklinik zusammen, in der viele an Krebs erkrankte Patienten versterben.