Burg l Eines stellt Otto Voigt gleich zu Beginn des Gespräches mit der Volksstimme klar. „Ganz persönlich habe ich nur gute Erfahrungen mit dem Krankenhaus gemacht“, sagt er. Es gehe ihm also nicht um eine Abrechnung mit der Institution. Vielmehr habe er den Appell, doch einmal einen näheren Blick auf das Krankenhaus zu werfen, in der letzten Stadtratssitzung geäußert, da er einige negative Vorkommnisse kennt.

Mann wurde abgefertigt

So weiß er von einem Mann, Mitte 30, der von seinem behandelnden Arzt eine Einweisung ins Krankenhaus mit dem Verdacht auf Thrombose bekommen hatte. Im Krankenhaus sei er mit der Aussage: „Sie haben nichts“ abgefertigt worden. Zwei Tage später stellte ein niedergelassener Gefässspezialist fest, dass er sehr wohl eine Thrombose hatte, die seitdem mit Spritzen behandelt wird. „Das hätte auch schiefgehen können“, meint Voigt.

In einem weiteren Fall handelt es sich um einen Mann mit einem Knochenbruch, dem nach einer Entzündung der Bruch von außen fixiert werden musste. Das war im Januar, im Mai sollte die Fixierung entfernt werden. „Der schrieb einen gepfefferten Brief ans Krankenhaus und so blieb es beim ursprünglichen Termin“, schildert Voigt. Das mache aber eben nicht jeder, viele würden sich dem beugen. Auch die ältere Dame, mit deren Tochter Voigt ins Gespräch kam, werde sich nicht beschweren, obwohl ihr Aufenthalt „nicht in Ordnung“ gewesen sei. Von mangelnder Pflege ist die Rede.

Qualität habe nachgelassen

All dies treibt den Sozialdemokraten, der in Stadtrat und Kreistag sitzt, um. „Das Krankenhaus ist doch ein wichtiger Standortfaktor für die Stadt Burg“, sagt er. Daher solle rechtzeitig eingegriffen werden, möglicherweise seien es auch Einzelfälle. Andererseits hätten ihm auch verschiedene niedergelassene Ärzte gesagt, dass mit jedem weiteren Verkauf des Krankenhauses von der Trägerschaft des Kreises bis zum jetzigen Träger Helios die Qualität ein Stück nachgelassen habe. Das fange schon beim Essen an, das von sonstwo komme. Doch auch das sei ein Faktor, der zur Genesung beitrage. „Es geht doch um Menschen, die man nicht einfach repariert wie eine Maschine, da spielen doch auch psychische Faktoren eine Rolle“, findet Voigt.

In ihrer ausführlichen Stellungnahme betont Krankenhaussprecherin Katja Boese, dass sich das Krankenhaus zu den anonymisierten Beispielen vermeintlich schlechter oder falscher Behandlung nicht äußern werde. Gleichzeitig macht sie den Patienten das Angebot eines Gespräches, um mögliche Fragen zu klären.

Bedarf besteht

Stellung bezieht sie hingegen zum Vorwurf, es gebe nicht genügend Pflegepersonal. Indirekt räumt sie ein, dass zusätzlicher Personalbedarf besteht. So sehe es die Klinik als ihre Aufgabe, ein attraktives Arbeitsumfeld für Mitarbeiter und für zukünftiges Personal zu schaffen. Im Vergleich zum Vorjahr sei die Zahl des beschäftigten Pflegepersonals um 6,5 Prozent gestiegen. Gesetzlich vorgeschriebene Personaluntergrenzen in pflegesensitiven Bereichen würden ausnahmslos erfüllt. Eine Steigerung habe es auch beim Nachwuchs gegeben. Aktuell würden im Bildungszentrum 103 Schüler lernen, zusammen mit den zwei Klassen ab September würden 134 Schüler ausgebildet, 2015 seien es 58 gewesen.

Schließlich führt sie die Patienten selbst als Fürsprecher des Krankenhauses ins Feld. Bei der bislang auf Papier vorgenommenen Umfrage zur Zufriedenheit habe die Burger Klinik stets im oberen Drittel verglichen mit anderen Helios-Einrichtungen gelegen. Ab Juli werde ein digitales Qualitätsprogramm eingeführt, das dann gewährleiste, dass bei Verbesserungswünschen oder Kritik der Patienten innerhalb von 24 Stunden reagiert werden kann.

Vergleichswerte

Den Vorwurf, dass die Qualität des Krankenhauses bis zur Helios-Klinik nachgelassen habe, mag sie nicht gelten lassen. Sie zieht dafür die Werte der sogenannten IQM heran. Rund 300 Kliniken in Deutschland und der Schweiz haben sich der Initiative Qualitätsmanagement angeschlossen. Die Zahlen haben sich laut Boese in den vergangenen Jahren verbessert. So liege die Sterblichkeitsrate bei Herzinfarktpatienten bei 1,1 Prozent (Bundesschnitt: 8,1) und beim Schenkelhalsbruch bei 1,5 Prozent (5,3).