Nedlitz l Da machte „Schatzi“ große Augen. So sehen also seine Artgenossen aus. Ziemlich knuddelig. Bei Britten ist möglichst alles rund, die Ohren, der Kopf, der Schwanz und die Pfötchen. Bislang kannte der wenige Wochen alte Kater nur Menschen. Angela Baudis hat ihn mit der Hand aufgezogen. Anfangs alle zwei Stunden mit der Pipette gefüttert und mit warmen, feuchten Wattebällchen den Bauch massiert, damit sein Stuhlgang funktioniert.

Jetzt traf der kleine Racker, der noch bequem auf Angela Baudis‘ Handfläche Platz hat, zum ersten Mal auf Rosalie. Die fast einjährige Katzendame ist die sanftmütigste unter den Vierbeinern im Haus und damit am besten geeignet, „Schatzi“ an seine Artgenossen zu gewöhnen.

Noch nicht über den Berg

Noch ist der kleine Kater nicht ganz über den Berg, aber Angela Baudis ist optimistisch, dass er es schafft. Immerhin bringt er jetzt schon 592 Gramm auf die Waage und frisst selbstständig vom Teller.

Eigentlich hätte es ihn gar nicht geben dürfen. Eine nach Magdeburg verkaufte Katze aus Angela Baudis‘ Zucht wurde entgegen der Absprachen trächtig. Dass sich die Käuferin trotzdem an sie wandte und ihre Hilfe in Anspruch nahm, ist für Angela Baudis ein Zeichen, dass ihre Kunden ihre Leidenschaft und Hilfsbereitschaft zu schätzen wissen.

Ihr ist es wichtig, auch nach dem Verkauf einer Katze Kontakt zu den Besitzern zu halten, ihnen bei Fragen und Problemen weiterzuhelfen und zu hören, wie sich das Tier entwickelt.

Sieben an der Zahl

Katzen mochte Angela Baudis schon immer. Als sie jedoch bei einem Arbeitskollegen ihres Mannes die Jungen einer Britten gesehen hat, war es um sie geschehen. Jerry aus dem Wurf nahmen sie mit nach Hause.

Inzwischen ist Angela Baudis selbst anerkannte Britten-Züchterin. Sieben Katzen leben in ihrem eigenen Bereich mit Kletter- und Spielmöglichkeiten. „Britten sind absolute Schmusetiger.“ Als Junge sind sie so verspielt, wie man das auch von jungen Hauskatzen kennt, aber mit zunehmenden Alter werden sie immer ruhiger. „Für mich sind es reine Hauskatzen.“ Ihr Freilauf in Nedlitz ist mit katzensicherer Gaze begrenzt. Es geht aber auch anders: Eine Käuferin hat ihre Tiere von kleinauf an die Leine gewöhnt und geht mit ihnen spazieren.

Singende Latoya

Bei ihrer Zucht legt Angela Baudis großen Wert auf die Gesundheit der Tiere. Britten sind leider sehr anfällig, was Herzfehler anbetrifft. Deshalb ist eine Herzschalluntersuchung Voraussetzung bei Tieren, die zur Zucht eingesetzt werden. Auch bei den Blutgruppen ist einiges zu beachten. Nachwuchs um des Nachwuchs willen, gibt es bei den „Heimchensteinen“ nicht.

Die Kleinen bleiben vier bis fünf Wochen mit ihrer Mutter in der Wurfkiste von den anderen Katzen getrennt. „Die Mutterkatze braucht ihre Ruhe.“ Später haben die Jungen ihren Laufstall im Wohnzimmer. Dort können sich die Kleinen und Großen schon mal gegenseitig beschnuppern. Mit acht Wochen erhalten sie ihre erste Impfung, mit zwölf Wochen die Folgeimpfung. Erst wenn diese wirkt, dürfen die Jungen aus dem Haus. „Vorher auf keinem Fall. Sie brauchen die Bindung zur Mama.“

Im Moment fehlt das Gewusel von Kitten (Jungen) in Nedlitz. Bis bei Kater Armani, immerhin ein Weltchampion, die Wirkung des Chips nachlässt, kann er keinen Nachwuchs zeugen. Friedhelm, der zweite Kater, ist noch jung. Sollten sich die beiden eines Tages nicht mehr verstehen, wird es eine zusätzliche Trennwand geben, um Prügeleien zu vermeiden.

Aushängeschild züchten

Das Ziel einer jeden Zucht ist es, einen Kater als Aushängeschild zu haben. Dazu braucht der Züchter jedoch Geduld. Bei Nachwuchs von Rosalie und Friedhelm, den es in Zukunft mal geben soll, könnte es klappen.

Das Kinderzimmer in ihrem Haus haben Angela und Olaf Baudis inzwischen zu einem Pokalzimmer umgewidmet. Dort stehen die zahlreichen Auszeichnungen, die ihre Katzen bei Ausstellungen gewonnen haben. Die Vorführung vor den Zuchtrichtern lassen die Britten ziemlich gelassen über sich ergehen. Das Autofahren ist dagegen nicht jedes Katze Sache. Nach all ihrem „Gesinge“ kann Latoya sicher sein, nie wieder lange im Auto fahren zu müssen.

Gut zwei Stunden hat Angela Baudis jeden Morgen zu tun, die Katzentoiletten zu reinigen, frisches Futter und Wasser anzubieten und sauber zu machen. Vom Verkauf ihrer Kitten leben können die Baudis nicht. Beide gehen ihrer Berufsarbeit nach.

Name für „Schatzi“

Anfang Juni hatte Angela Baudis zum 3. Heimchenstein-Treffen nach Nedlitz eingeladen. Viele Kunden mit ihren Familien kamen, um ein kleines Fest zu feiern. Während die Erwachsenen, Geschichten ihrer Vierbeiner erzählten, sich untereinander austauschten und Angela Baudis Fragen stellten, hatten die Kinder Spaß beim Sackhüpfen oder Schminken.

Die Katzen bereiten ihrer Züchterin viel Freude. Allerdings gibt es immer auch wieder traurige Momente und Tränen werden vergossen. Aber vielleicht gehöre genau das dazu, dass ein Züchter nicht zu abgeklärt, sondern mit viel Herz dabei ist, überlegte Angela Baudis.

Und der kleine „Schatzi“ wird eines Tages, wenn er endgültig über den Berg ist, einen richtigen Namen erhalten. Ein „ganz besonderer“ soll es sein. In ihrem Herzen wird er wohl aber immer „Schatzi“ bleiben. Eine Vermittlung kommt für die Familie nicht in Frage.

Der Zwinger ist unter www.bkh-vom-heimchenstein.net im Internet zu finden. Dort findet sich auch eine Namenserklärung.