Friedensau l Als im Jahr 1899, das Predigerseminar der Siebenten-Tages-Adventisten an der „Klappermühle“ – heute Friedensau – gegründet wurde, war völlig klar: Wir leben hier draußen im Wald ziemlich auf uns alleine gestellt. Schon früh sorgte man in der neu gegründeten Siedlung daher auch selber für die Stromerzeugung. „Schon auf einem Foto aus dem Jahr 1907 kann man ein Windrad erkennen, welches Strom erzeugte“, so weiß es der heutige Kanzler der Theologischen Hochschule Friedensau, Tobias Koch, zu berichten.

Dieses Windrad und das dazugehörige Stromhäuschen standen auf einer Wiese des Ortes und heutigen Campus-Gelände – inmitten dreier Gebäude. Bei den heutzutage geltenden Mindestabständen für Windräder zu Siedlungen kaum denkbar. Knapp 17 Meter hoch dürfte das Windrad damals gewesen sein. Genutzt wurde der Strom etwa, um die im Ort anfallenden Abwasser in den Wald zu pumpen.

Strom aus der Ihle

Noch eine weitere Form der Stromerzeugung nutzte das Predigerseminar von Anfang an: Unter der Klappermühle, dem ersten Gebäude an diesem Flecken strömte die Ihle entlang. Das kleine Flüsschen wurde bis mitte der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts zur Stromerzeugung genutzt. Und soll es demnächst auch wieder werden, sagt Tobias Koch: „Wir wollen an historischer Stelle eine moderne Anlage einbauen und wieder Strom aus der Kraft der Ihle erzeugen.“ Schätzungsweise für vier Haushalte soll der Strom reichen.

Einen Großteil der Energie für die Theologische Hochschule liefern schon jetzt die beiden Blockheizkraftwerke der Hochschule. Diese werden ab 1. Oktober mit dem Gas der Stadtwerke Burg beliefert, erklärt Tobias Ertl, der Geschäftskundenbetreuer der Burger Stadtwerke. Für die relativ lange Vertragslaufzeit von drei Jahren wurde eine Liefermenge von drei Millionen Kilowattstunden vereinbart.

Anwohner sollen profitieren

Versorgt werden auf dem Campusgelände etwa 15 Gebäude, darunter das Verwaltungs- und Mensagebäude und die Wohnheime. Während die Friedensauer mit Privatwohnungen ihren Stromvertrag selber abschließen können, sind sie bei der Wärme an das System der Hochschule angeschlossen. „Die Anwohner werden von unseren Einsparungen profitieren können, weil wir das umlegen“, erklärt Koch. Die Hochschule verspricht sich von dem Anbieterwechsel eine Kosteneinsparung im „kleineren fünfstelligen Bereich“, so Kanzler Koch. Ganz nebenbei kann mit der hier nebenbei ebenfalls gewonnenen Energie Strom als „Abfallprodukt“ erzeugt werden. „Die beiden Blockheizkraftwerke decken etwa 40 Prozent unserers Strombedarfes“, erklärt Tobias Koch.

Perspektivisch will man in der Hochschule Friedensau auch auf Photovoltaik setzen: „Die Bibliothek ist dafür bestens geschaffen“, sagt Koch. Auch dann könnte man mit den Burger Stadtwerken kooperieren. „Wir wollen uns regional orientieren und fühlen uns bei den Stadtwerken Burg gut aufgehoben“, so Koch.